Forschungsprojekt : Auge in Auge mit Walen und Delfinen

Nur das HDR-Projekt hat die Erlaubnis, zu Walen und Delfinen ins Wasser zu steigen.
Nur das HDR-Projekt hat die Erlaubnis, zu Walen und Delfinen ins Wasser zu steigen.

Der Nordfriese Volker Todt und seine Frau Roma Spring erforschen auf Teneriffa die Beziehungen von Walen und Menschen.

von
04. September 2018, 17:47 Uhr

Seit vielen Jahren schon betreiben Roma Spring und der gebürtige Nordfriese Volker Todt in den Gewässern vor der Kanaren-Insel Teneriffa Feldforschungen mit Walen und Delfinen. Bei ihren Beobachtungen geht es ihnen vor allem um die besondere Beziehung zwischen den Säugern an Land und denen zu Wasser.

Die Sonne steht hoch am Himmel. Und das Meer scheint uns beweisen zu wollen, dass es mehr ist als nur blau. Schon ein seltsames Gefühl, hier draußen zwischen den Kanaren-Inseln La Gomera und Teneriffa von der langen Dünung gewiegt zu werden. Unsere Gesichter zeigen nach unten. Nur das dünne Glas einer Taucherbrille schützt sie vor dem besonders salzhaltigen Wasser. Durch den schmalen Trichter des Schnorchels geht der Atem schwer und lautstark ein und aus. Besser nicht dran denken, dass der Atlantik hier fast einen Kilometer tief ist.

Aber zum Denken bleibt ohnehin keine Zeit. Plötzlich tauchen aus den vielschichtigen Blautönen des Meeres acht stromlinienförmige Körper auf und halten auf uns zu. Später am Abend – bei einem Glas Wein auf der Terrasse des Appartements – werden wir uns eingestehen, wie klein und hilflos wir uns in diesem Moment gefühlt haben. Verletzlich wäre wohl das richtige Wort.

Sonar für die Tintenfischsuche

Als sie in greifbarer Nähe sind, lassen die wuchtigen Körper Köpfe und Augenpaare erkennen. Wir hören Klick-Geräusche. Mit ihrem Sonar, das ihnen hilft, selbst über weite Strecken Tintenfische und andere Nahrung ausfindig zu machen, versuchen sich die Grindwale ein Bild von diesen seltsamen Gestalten über sich zu machen.

Wir schauen wenigstens genauso interessiert zurück. Einige der Tiere messen sechs Meter und mehr. Ein Schlag ihrer Fluke, und es wäre vorbei mit uns. Doch Roma Spring, die eine Hälfte des Human Dolphin Relationship Projects (kurz HDR), das seit Jahren die besonderen Beziehungen zwischen Wal und Mensch erforscht, hat uns auf diesen Augenblick vorbereitet. Und einige Meter entfernt dümpelt die „Empathia“, ein motorstarkes Schlauchboot, mit dem uns der gebürtige Nordfriese und Wahl-Canario Volker Todt zu den Meeressäugern hinausgefahren hat, im Auf und Ab der Wellen.

Es kommt uns vor, als seien wir bereits seit Stunden im Wasser, als er uns Minuten später wieder an Bord der „Empathia“ hilft. Im Atlantik war alles so leicht. Und einen Teil dieser Leichtigkeit nehmen wir in Gedanken mit. Niemand spricht, alle stehen noch unter dem Eindruck dieser besonderen Begegnung.

Unschätzbare Daten

Wir haben Wale gesehen – nicht in einem Becken, sondern in freier Wildbahn. Und sie haben uns ein Stück ihres Weges mitgenommen. Viele der Tiere, denen wir heute zum ersten Mal begegnet sind, kennen Todt und Spring schon seit vielen Jahren. Mit ihrer Feldforschung vor den Klippen von Los Gigantes liefern sie der Wissenschaft unschätzbare Daten über deren Leben. „Und manchmal fühlen wir uns auch schon wie ein Teil der Familie“, sagt Roma Spring, die viele Jahre als Hebamme gearbeitet hat und – wie könnte es anders sein – bekennende Anhängerin von Wassergeburten ist.

Obgleich von vielen als Walfische bezeichnet, sind Wale keine Fische, sondern Säugetiere, die regelmäßig an die Wasseroberfläche kommen, um zu atmen. Oft würden unsere Gattungsgenossen im Meer zu therapeutischen Zwecken eingesetzt, aber davon hält Volker Todt gar nichts: „Wie soll ein Tier, dessen Element der unbegrenzte Lebensraum des Meeres ist, in einem Aquarium therapeutische Wirkung entfalten“, fragt er sich und hat mit dem HDR-Projekt einen anderen Weg eingeschlagen. Nur wenn die Tiere zur „Empathia“ kommen, gehen Roma Spring und ihre meist kleinen Gruppen ins Wasser. Oft sind es Therapeuten, die sie dorthin begleiten und die ihre Erlebnisse für ihre Arbeit nutzen.

Am Freitag, 7. September, ab 19.30 Uhr berichten Spring und Todt in der Volkshochschule über ihre Arbeit. Karten gibt es direkt vor Ort an der Abendkasse.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen