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Petermännchen als Anschauungsobjekt : Auge in Auge mit einem giftigen Fisch

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Nordstrander Historiker Guido Schmitz verleiht ein Petermännchen an nordfriesische Schulen – der giftige Fisch ist ein Präparat.

Eine Bereicherung für jeden Biologie-Unterricht: Einmal einen giftigen Fisch aus der Nähe betrachten, ohne Angst um die eigene Gesundheit zu haben. Ein Nordstrander macht es möglich – und den nordfriesischen Schulen ein Angebot der besonderen Art. Ab sofort verleiht er kostenlos ein präpariertes Petermännchen und damit eines der gefährlichsten Gifttiere Europas. So kann nicht nur der Nachwuchs das Tier naturgetreu und absolut risikolos in Augenschein nehmen.

Die Fischart mit dem harmlosen Namen Petermännchen hatte im vergangenen Jahr bundesweit Schlagzeilen gemacht, nachdem es an der niederländischen Nordseeküste, möglicherweise im Zuge des Klimawandels und einem Temperaturanstieg der Meere, gehäuft zu Zwischenfällen mit diesen Tieren gekommen war. Daraufhin hatte sich der Nordstrander Journalist und Historiker Guido Schmitz auf die Suche nach einem gut und sicher präparierten Vertreter dieser nicht geschützten Tierart gemacht, wobei ein solches Petermännchen aus der deutschen Nordsee stammen sollte.

Für sein kleines Naturkunde- und Buch-Museum fand er die „Stecknadel im Heuhaufen“ am Ende bei einem zoologischen Präparator in Enkenbach-Alsenborn (Rheinland-Pfalz), der einen etwa 29 Zentimeter langen Trachinus draco so präpariert hatte, dass der Fisch samt Giftstachel von allen Seiten gut zu sehen ist – unter Plexiglas. Durch die Einbettung in Biopolymer musste das Petermännchen nicht getrocknet werden und bleibt deshalb besonders naturgetreu erhalten.Der Name dieser Fischart wird darauf zurückgeführt, dass Fischer, wenn ihnen solche Tiere zufällig ins Netz gegangen waren, sie wegen deren gefährlichen Stacheln oft wieder ins Meer zurückwarfen und sie gleichsam ihrem Schutzheiligen Petrus opferten. Doch manch ein Fischer oder Angler packt heute auch beherzt mit dicken Handschuhen zu; denn ohne seine Giftstacheln gilt das Petermännchen als sehr delikater Speisefisch. Meist kommen Petermännchen daher nur in den Handel, nachdem diese Stacheln entfernt wurden.

Umso wichtiger war es Schmitz, dass sein Petermännchen komplett war, aber gleichzeitig so präpariert, dass jede Gefahr für den Betrachter ausgeschlossen ist. „Sofern sich“ – so formuliert es Schmitz augenzwinkernd – „alle Petermännchen an das halten, was im Internet über sie zu lesen ist“, dann bestehe dort, wo die Nordsee verschlickt ist, wohl kaum eine Gefahr, dass man unliebsame Bekanntschaft mit ihnen macht. Allerdings kommen diese Fische im Frühjahr und Sommer in Küstennähe vor und graben sich tagsüber bis zu den Augen und der Rückenflosse im Sand oder Schlamm ein. Wer beim Schwimmen oder beim Strandspaziergang Badeschuhe trägt, ist damit nicht nur vor scharfen Muschelschalen geschützt, sondern notfalls auch vor einem Petermännchen. Wer angelt, sollte dicke Handschuhe dabei haben. Auch Taucher sollten auf der Hut sein: Nach Angaben der Informationszentrale gegen Vergiftungen des Universitätsklinikums Bonn können aufgeschreckte Petermännchen plötzlich angreifen.

Zwar gilt das Gift der Petermännchen für gesunde Menschen nicht als tödlich, aber es verursacht enorme Schmerzen. In einem Falle wurde sogar von einem monatelangen Krankenhausaufenthalt berichtet. Und deshalb sollte man wissen: Offenbar ist das Gift des Petermännchen hitzeempfindlich. Wer von einem solchen Tier gestochen wurde, sollte die Wunde von Stacheln oder Geweberesten befreien, sie desinfizieren und sie in möglichst heißes Wasser (um 45 Grad) eintauchen – und natürlich sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen.

Schmitz jedoch sieht im Petermännchen weniger ein gefährliches Tier, sondern ein faszinierendes Lebewesen. Mit diesem und seinen anderen Exponaten möchte er sich weiterhin für Natur und Umwelt einsetzen und den Blick für deren Vielfalt und Bedeutung für den Menschen schärfen.


Mehr Informationen gibt es bei Guido Schmitz unter Telefon 04842/900215.


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