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Mobilitätskonzept für Husum : Aufwertung des Stadtraums im Blick

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Vorstellung des Mobilitätskonzepts 2025 für die Husumer Innenstadt stieß auf reges Interesse. Die Pläne sollen noch vor der Sommerpause in den Ausschüssen beraten werden.

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erstellt am 09.Feb.2015 | 17:00 Uhr

„Das freut mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind, was wir sicherlich auch der ausführlichen Vorberichterstattung zu verdanken haben“, begrüßte Bürgermeister Uwe Schmitz die mehr als 80 Gäste im Ratssaal des Rathauses, die sich über das Mobilitätskonzept 2025 für die Husumer Innenstadt informieren lassen wollten. Und schickte gleich noch einen mahnenden Satz voraus, bevor er das Wort an Dr. Jens-Martin Gutsche vom Stadtentwicklungsbüro GGR übergab: „Man muss Kompromisse eingehen, um allen ein Stück weit gerecht zu werden.“

Wie diese zustande gekommen sind, erläuterte Gutsche in einem kurzen Abriss der Entscheidungsstrukturen – und gab der Hoffnung Ausdruck, „dass wir bei der folgenden Diskussion ein paar Punkte für die Arbeitsgruppe mitnehmen können“. Die werde noch einmal im März tagen und anschließend das Ergebnis an die politisch besetzte Lenkungsgruppe weitergeben. Diese wiederum leite das Papier als Vorlage an die Ausschüsse weiter. „Und dann wird es hoffentlich bald umgesetzt“, so Gutsche. Denn der Begriff „Mobilitätskonzept 2025“ bedeute ja nicht, dass man so lange warten wolle. „Wir möchten bis dahin fertig sein – gerne auch früher.“ Priorität habe dabei der Bereich Norderstraße/   Markt/Großstraße als Kernbereich der Innenstadt. „Leitbild war hier, unter Berücksichtigung der verschiedenen Funktionen des Bereichs die Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer zu erreichen.“

Wie das geschehen soll, erläuterte Jörn Janssen vom Verkehrsplanungsbüro SHP: „Wir wollen mehr Fußgänger und Radfahrer in die Innenstadt bekommen und mehr Menschen per Bus dorthin bringen.“ Zugleich solle der Autoverkehr umgeleitet werden. „In bestimmten Abschnitten wollen wir weniger Autos haben, aber dafür muss der Autoverkehr in anderen aufwachsen, um das zur Verfügung stehende Stellplatzangebot zu erschließen.“ Die Lenkungsgruppe habe entschieden, den Kernbereich offen zu halten für den Autoverkehr, aber auf die Parkhaus-Zufahrt zu verzichten und ein anderes Verkehrsverhalten zu erzielen. Und dafür empfehle sich ein „shared space“, eine Begegnungszone.

„Das ist ein Raum, den alle Verkehrsteilnehmer im sozialen Miteinander gemeinsam und gleichberechtigt nutzen“, so Janssen. Die Trennung von Bürgersteig und Straße falle weg, alles sei niveaugleich und in einem einheitlichen Farbton ohne Beschilderung, was Autofahrer zwinge, den Bereich langsam und mit Blickkontakt zu den schwächeren Verkehrsteilnehmern zu passieren. Um zu zeigen, wie so etwas aussieht, präsentierte der Diplom-Ingenieur Fotos und Videos aus anderen Städten, die derartige Begegnungszonen bereits eingerichtet haben. Und verwies darauf, dass die Unfallzahlen in solchen Zonen gegen Null gingen.

Als weitere Bausteine für das Mobilitätskonzept nannte er ein Parkleitsystem für die Innenstadt sowie eine Umstrukturierung des Öffentlichen Personennahverkehrs mit besserer Verkehrsgestaltung im Bahnhofsumfeld und der Verlegung der Fernbushaltestelle von der Großstraße in die Ludwig-Nissen-Straße. „Die Großstraße wird dann nur noch von einer Citybus-Linie bedient.“ Zur besseren Erreichbarkeit der Innenstadt-Parkplätze solle die Neustadt wieder Zweibahnstraße werden, was dann auch die Einrichtung einer durchgehenden Fahrrad-Nord-Süd-Achse erlaube. Und im Zuge dieser Maßnahmen müssten die beiden unfallträchtigen Knotenpunkte der Nordbahnhofstraße mit Westtangente und Nordhusumer Straße entschärft werden.

Es gebe allerdings zwei Bereiche, wo noch keine Einigkeit erzielt worden sei: „Das ist einmal eine mögliche Neuordnung der Schiffbrücke. Wenn man auf die Parkplätze dort verzichtet, bedeutet das mehr Aufenthaltsqualität und eine Aufwertung des Stadtraums.“ Und eine Verlängerung der Fußgängerzone in der Neustadt bis zur Schlossstraße: „Das Stück Straße, was man damit aufgibt, braucht man eigentlich gar nicht mehr“, warb Janssen für die Idee der Stadtplaner.

Von Seiten des Publikums kamen im Anschluss ganz unterschiedliche Anstöße. Seniorenbeiratsvorsitzender Gernot von der Weppen und der Beauftragte der Stadt für Menschen mit Behinderung, Hans Böttcher, begrüßten die Idee der niveaugleichen Begegnungszone mit einem Verzicht auf die für ältere Menschen unfallträchtigen Bürgersteige. Rollstuhlfahrer Böttcher wies aber darauf hin, dass die einheitliche Farbe für Sehbehinderte zu Orientierungsproblemen führen könne. Alfred Mordhorst sprach sich für eine Komplettsperrung der Kernzone für Autos aus. Das könne jederzeit aus dem „shared space“ heraus bewerkstelligt werden, sagte Janssen. „Eine Begegnungszone sieht nicht anders aus als eine reine Fußgängerzone, da braucht man keinen Stein mehr anzufassen, nur noch abzuriegeln.“ Beifall gab es für die Idee einer Sperrung der Schiffbrücke und einer Verlängerung der Fußgängerzone in der Neustadt, und auf Nachfrage musste Janssen zugeben, dass bei einer Umwidmung des restlichen Teils zur Zweibahnstraße die Stellplätze am Fahrbahnrand wegfallen.

Bauamts-Chef Rudolf Hölscher empfand eine „positive Grundstimmung“ bei der Debatte und versprach eine zügige Bearbeitung der Pläne. „Wir wollen das Konzept auf jeden Fall noch vor der Sommerpause auf der politischen Ebene haben, damit es in den Haushaltsberatungen schon berücksichtigt werden kann.“

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