Wahlkampf mit Donald Trump : Aufregung um SPD-Plakat: Matthias Ilgen greift zur Axt

Seit dem Wochenende darf plakatiert werden. Matthias Ilgen geht mit Axt, Trump und dem Wortspiel „America First? Ilgen Förster“ ins Rennen.

Seit dem Wochenende darf plakatiert werden. Matthias Ilgen geht mit Axt, Trump und dem Wortspiel „America First? Ilgen Förster“ ins Rennen.

Meint er das ernst? Ja! Der Bundestagsabgeordnete Matthias Ilgen wirbt um Wählerstimmen, indem er es mit Donald Trump aufnimmt.

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14. August 2017, 10:53 Uhr

Ein axt-schwingender Matthias Ilgen, der mit breitem Grinsen auf einen Baum losgeht, dessen Stamm das Gesicht Donald Trumps trägt. Dazu die Überschrift: „America First? Ilgen Förster“: Dieses Wahlkampfplakat des SPD-Bundestagskandidaten für den Kreis Nordfriesland – Dithmarschen Nord macht seit kurzem in den sozialen Medien die Runde und stellte unsere Redaktion in Ermangelung von SPD–Plakaten in der Husumer Innenstadt zunächst vor die Frage: Ist das ein Fake oder ist das echt? (Zweite Reaktion: „Der ist nicht Förster, der war doch Wrestler.“)

Christian Benn ist über das Poster verwundert. 
Herbert Müllerchen

Christian Benn ist über das Poster verwundert. 

Die erste Frage beantwortet der Nordfriese ganz eindeutig: Ja, das Plakat ist echt und soll bald überall in Nordfriesland hängen. Seine Wahlwerbung sei pointiert, findet der 33-Jährige, und im Wahlkampf könne man auch mal „satirisch zuspitzen.“  Gleichzeitig müsse man aber auch ganz ernsthaft klar machen, dass man sich von dem, was Trump in den USA mache, deutlich distanziere.

Wichtig ist dem Ex-Wrestler allerdings, dass er mit der Axt nicht auf den Präsidenten losgehe, „sondern auf einen Baum, dessen Rinde sein Gesicht trägt“. Er selbst habe viel positive Resonanz zu diesem Plakat erfahren. Und ohnehin funktioniere Wahlkampf heute anders: „Bei der Konkurrenz schläft man ja ein, wenn man sich die Plakate anguckt.“

Reaktionen

Die Konkurrenz ist in Ilgens Wahlkreis Astrid Damerow (CDU), die auf Anfrage unserer Zeitung erklärte, sie äußere sich nicht zu den Plakaten anderer Kandidaten. Ebenso zurückhaltend gibt sich Ralf Stegner: „Es gibt offizielle Plakate der SPD – dies ist keins“, erklärt der SPD-Landesvorsitzende, „das hat sich der Kollege selbst ausgedacht.“ Mehr  möchte Stegner zur Genossen-Axt im Walde nicht sagen.

Der Vorsitzende der Jungen Union Nordfriesland, Leif Bodin, schreibt dagegen auf Facebook, das Plakat sei „kreativ, aber dennoch nur peinlich“. Ohnehin – im Netz wird das Axt-Plakat bundesweit diskutiert. Beim Medien-Nachrichtendienst Meedia ist man der Ansicht, dass selbst  Otto Waalkes „dieser Wortwitz wohl zu platt“ gewesen wäre. Ironisches Lob gibt’s auf dem Blog Schlecky Silberstein für den „Trump-Jäger aus Husum“, der  jeden Lacher mitnehme: „Macht Ilgen schnell zum Kanzler-Kandidaten, liebe SPD. Der Hype ist noch warm.“

Der Hamburger Wahl-Blogger Martin Fuchs hat das gute Stück unter dem Motto „Make Nordfriesland great again!“ zumindest schon mal in sein Online-Ranking der diesjährigen „Wahlplakate from Hell“ aufgenommen.

 

Ilgen inszeniert sich gern

Als Adliger stieg Matthias Ilgen in den Wrestling-Ring.
Als Adliger stieg Matthias Ilgen in den Wrestling-Ring.
 

Es ist nicht das erste Mal, dass Matthias Ilgen Aufmerksamkeit auf sich zieht. Denn bevor der 33-Jährige Bundespoltiker wurde, kämpfte er in der europäischen Wrestling-Liga. Sein adlig angehauchter Künstlername: Matthias Rüdiger Freiherr von Ilgen. Einmal forderte er sogar Tim Wiese zum Kampf heraus – doch der kniff, erzählt Ilgen.

Nachdem die SPD im Mai die Landtagswahl verlor, war es Ilgen, der als erster Genosse den Rücktritt von Ralf Stegner forderte. Doch auch aus dieser Forderung wurde nichts. Jetzt muss also Donald Trump als nächster Gegner her.

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