10. Rosenträume in Friedrichstadt : Auf Rosen gebettet

Die Rosenmädchen Carlotta Voß (l.) und Lyn Ketelsen verkauften Lose.
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Die Rosenmädchen Carlotta Voß (l.) und Lyn Ketelsen verkauften Lose.

Die 10. „Rosenträume“ lockten rund 10.000 Besucher in die Grachtenstadt. Während früher vor allem Pflanzen mit nackter Wurzel gekauft werden, sind heute Container-Rosen die beliebtesten Angebote.

shz.de von
06. Juli 2015, 10:00 Uhr

Mit traumwandlerischer Sicherheit „flattert“ er über das unwegsame Kopfsteinpflaster des Friedrichstädter Marktplatzes – knallbunt, groß, unübersehbar: Ein Riesen-Schmetterling ist der Publikumsliebling bei den 10. „Rosenträumen“ in der Grachtenstadt. Immer wieder breitet der Stelzenläufer seine imposanten Flügel aus, um für die vielen Besucher zu posieren, die mit der Kamera Jagd auf ihn machen. „Wir wollten schon immer mal einen Walk-Act haben – zum Jubiläum hat es jetzt geklappt“, freuen sich Anke Stecher und Anja Andersen vom Tourismusverein Friedrichstadt. Über 40 Aussteller, darunter fünf renommierte Rosenzüchter aus Schleswig-Holstein und viele Kunsthandwerker, locken an zwei Tagen rund 10.000 Besucher aus nah und fern in das Holländerstädtchen.

„Wir sind extra wegen der Rosen gekommen“, erzählen Daniel Pfeifer und Horst Rück, die sich Rambler für ihr Haus auf Nordstrand gegönnt haben. „Zu unserem Langhaus mit Reetdach passen die ganz wunderbar“, finden die beiden und hoffen, dass die Pflanzen dort bald üppig wuchern. Während ein weiterer Rosen-Fan sein Cabrio mit vier Hochstämmchen belädt, schleppen andere tütenweise Blumenzwiebeln ab, die holländische Marktbeschicker anbieten, oder entscheiden sich für eine der zahlreichen Bauerngarten-Stauden, die bei den „Rosenträumen“ auch zu haben sind. Wer es langlebiger liebt oder grundsätzlich nichts welken sehen mag, ist bei Ingo Röder richtig. Der Kunsthandwerker aus Hadenfeld bei Wacken sorgt mit „brachialer“ Metall-Kunst für Aufsehen: Eigens für Friedrichstadt hat er riesige Blüten aus Metall und Holz geschaffen.

Rosen über Rosen – wohin man auch schaut. Touristen nehmen gern das Angebot einer fachkundigen Führung durch die Rosenstadt wahr, andere holen sich bei den Züchtern Tipps zur Bekämpfung von Schädlingen oder lassen sich hinsichtlich des perfekten Standortes für die gerade erworbene stachelige Schönheit beraten. „Das Verhalten der Kunden hat sich über die Jahre verändert“, erklärt Manfred Pöllsner von Rosen-Kordes: „Früher wurden für die damals üblichen großen Rosengärten Pflanzen mit nackter Wurzel gekauft. Heute greift man lieber zu Container-Rosen.“ Die Gärten seien allgemein kleiner geworden: „Da ist Höhe gefragt – und dann kommt die Kletterrose ins Spiel.“ Duft und Robustheit sind für die meisten Fans die entscheidenden Kaufkriterien. Farblich macht Rosa das Rennen, aber auch ausgefallene Schattierungen finden immer mehr Liebhaber.

Während auf dem Marktplatz Trecker-Fans die Oldtimer der Treckerfreunde aus St. Annen und Simonsberg bestaunen, nehmen andere Besucher die üppige Produktpalette auf dem Grünen Markt in Augenschein, lassen sich Leckereien munden, kosten von der Rosenbowle der Landfrauen, lauschen den Klängen der Stormtown Jazzcompany oder später dem dänischem Orchester, das mit den jungen Musikern der dänischen Schule in Friedrichstadt in einen mitreißenden Dialog tritt. „Auch wenn es wegen des schwülen Wetters etwas weniger Besucher als im vergangenen Jahr waren – wir sind zufrieden“, bilanzieren Anja Andersen und Anke Stecher am Ende dieses heißen Wochenendes. Auch den Gästen hat es gefallen: „Friedrichstadt und Rosen – das gehört einfach zusammen“, freut sich eine Besucherin aus Husum schon auf die nächsten „Rosenträume“ im Holländerstädtchen.

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