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24 Stunden Husum: 19 bis 20 Uhr : Auf Reisen gehen und zurückkommen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Angelika Zachmann ist Schwesternhelferin und hat es in der Demenzabteilung des Altenheims mit ganz besonderen Patienten zu tun. Mit viel Humor versucht sie, ihnen das Leben leichter zu machen.

In der Serie „24 Stunden Husum“ begeben wir uns an verschiedenste Orte der Stadt – jeweils für eine Stunde. Heute Teil 15: Schwester Angelika umsorgt Alzheimer-Kranke im DRK-Pflegeheim.

 

Es ist 19 Uhr und Angelika Zachmann hat in der Demenzabteilung „Danemärk II“ im Alten- und Pflegeheim des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Goethestraße schon einen Großteil der 16 Bewohner in ihr Zimmer und ins Bett gebracht. Noch liegt mehr als eine Stunde bis Dienstende vor ihr. Begonnen hatte die Schwesternhelferin den Spätdienst um 13.30 Uhr. Die vergangenen Stunden sind ihr kaum anzumerken, ungebrochen ist ihre gute Laune, mit der sie routiniert die Bewohner versorgt. Seit 31 Jahren ist sie dabei. „Zuhause waren wir sechs Kinder, aber ich war diejenige, die die Alten betüdelt hat“, sagt sie. Zu ihrem Opa habe sie sich besonders hingezogen gefühlt. Als ihr Sohn klein war, ließ sie sich zur Schwesternhelferin ausbilden, machte ein Praktikum im Krankenhaus und wurde vom DRK gefragt, ob sie dabei bleiben wolle. Aus drei Tagen wurden sechs Wochen und inzwischen mehr als 30 Jahre.

Seit dem Ausbau der Demenzabteilung ist sie ganz oben gelandet – und gemeint ist dabei das Dachgeschoss. Bereut hat sie das nie. „Es ist ein so dankbares Arbeiten“, sagt sie und man nimmt es ihr ab. Da ist nichts Gekünsteltes, das ist echt, Schwester Angelika eben. Auch für Frau T. ist der heutige Tag fast vorbei. Sie kann kaum sprechen und reagieren, zu weit ist die Krankheit fortgeschritten, dennoch plaudert Angelika Zachmann locker mit ihr, über die Kälte und dass ihr Mann beim Besuch ganz verfroren war. Nebenbei schiebt sie den Rollstuhl in das Einzelzimmer, das hier jeder Bewohner hat. Die Privatsphäre verbietet die Begleitung durch die Reporterin, aber im Plauderton wird bei Frau T. eine kleine Abendtoilette gemacht und sie anschließend ins Bett gelegt. „Ich sage immer, ich begleite unsere Bewohner und nehme sie mit auf eine Reise. Manchmal fahren wir zurück und manchmal geht es auch in eine andere Richtung, die wir entwickeln, bis wir das Ziel erreicht haben. Das ist das Schöne.“

Hilfreich sind dabei die Biografien, die oft von den Angehörigen erstellt wurden. Vorlieben, Hobbys, Lieblingslieder und -gerichte, all das helfe, verlorengegangene und weiter schwindende Erinnerungen hervorzuholen. Aber es kann durchaus sein, dass eine Frau, für die es früher einfach nicht schicklich war, Hosen zu tragen, nun genau das erleben darf und ein ungewohntes Glückerlebnis hat. „Egal, was verloren geht, die Gefühle sind da“, so die erfahrene Schwesternhelferin. Das bedeutet auch, dass Respekt und Wertschätzung gegenüber den Bewohnern ein ganz wichtiger Aspekt der täglichen Arbeit ist. „Hier muss keiner etwas, wir erziehen auch nicht und wenn jemand einen schlechten Tag hat, ist das sein gutes Recht.“

Werner G. wartet noch im Gruppenraum. Seine Hand ist verbunden, allerdings kann er sich nicht mehr erinnern, warum das so ist. Angelika Zachmann bezieht ihn in das Gespräch ein. „Wir sind hier alle eine große Wohngemeinschaft, nicht wahr, Herr G.?“ Spaß muss sein und lockt bei ihm noch schnell ein Lachen hervor. Aber er ist müde, der Tag hat ihn angestrengt. Auch er sitzt im Rollstuhl, da es zu gefährlich wäre, ihn alleine gehen zu lassen. Gefallen sei er schon, vielleicht kommt auch die Verletzung seiner Hand davon. Während Schwester Angelika ihn neckisch fragt, ob sie wohl beide mal auf sein Zimmer sollen, läuft Frau L. noch unruhig in den Gängen auf und ab. Die demente Frau hat ungeheuren Bewegungsdrang, kein ungewöhnliches Krankheitssymptom. Sie „muss arbeiten und die Zimmer sauber machen“, erklärt sie und spricht mit sich, während sie ihre Kreise zieht.

Frau K. sitzt ebenfalls noch im Gruppenraum und erklärt mit eindeutig hessischem Akzent und recht vehement der zusätzlichen Betreuungskraft in der Demenzbetreuung, Christiane, dass sie unbedingt noch in der Küche unten was vorzubereiten hat. Dabei schlägt sie immer wieder mit der Hand auf den Tisch. „Ich kann natürlich auch nur so viel geben, wie ich habe“, sagt Angelika Zachmann - der Ausgleich zwischen Stress und Spaß sei ungeheuer wichtig, genauso wie die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen. Dann lacht sie wieder ihr herzliches Lachen und plaudert mit Herrn G., ob es wohl noch lohnt, ein bisschen Fernsehen zu schauen, während sie ihn wie selbstverständlich zu seinem Zimmer fährt.

Teil 16 morgen: Im Kontrollraum der Stadtwerke.



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