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Rummelpott auf der Halbinsel : Auf Nordstrand lebt die Tradition

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Am Silvesterabend ziehen auf Nordstrand traditionell die Rummelpottläufer von Tür zu Tür, singen und werden mit Süßigkeiten belohnt. Der Brauch stammt vermutlich aus Holland.

Der Countdown läuft. Doch bevor Sektkorken und Raketen knallen und auf das Jahr 2017 angestoßen wird, gehen viele Nordstrander, bevorzugt Familien mit Kindern, einer Tradition nach: dem Rummelpottlaufen. Viele Insulaner warten schon auf die verkleideten Läufer. Die überbringen die guten Wünsche für das neue Jahr, und den Abergläubischen werden auch noch die bösen Geister vertrieben. Das bekannte Lied „Rummel, Rummel, Ruttje“ darf natürlich nicht fehlen. Viele Süßigkeiten, Obst und für die Erwachsenen manch guter Tropfen sind der Lohn. „Wir machen das seit Jahren aus Spaß an der Freud`“, bekennt Familienvater Thorsten Hems. Er wird mit seinen Kindern im Alter zwischen zwei und neun Jahren losziehen. Anneline Kleeberg bereitet sich wie jeden Silvester auf die großen und kleinen Besucher vor. „Es macht richtig Freude. Als Kind habe ich beim bunten Treiben auch mitgemacht“, sagt sie. Auch der frühere Rektor der Herrendeichschule, Wolf-Dieter Dey, hat vorgesorgt. „Bei mir schlagen mindestens fünf bis sechs Gruppen auf und natürlich bekommen alle etwas“, berichtet er. Meist backe seine Frau frische Futjes. Die würden immer dankbar angenommen. Noch bis vor zehn Jahren hatte der Nordstrander Melf Winkel Rummelpötte – sie gaben dem Brauch den Namen – gefertigt. Das Prinzip sei einfach. Man benötige eine geräucherte Schweinsblase, spanne sie über eine Dose und befestige ein Schilfrohr in der Mitte. Leider bekomme man keine Schweinsblasen mehr. Daher habe er aufgehört, Rummelpötte zu bauen. Von seinem Vater Karl-Heinz hatte es der 78-Jährige gelernt. Die nicht unbedingt wohlriechenden Schweinsblasen wurden im eigenen Ofen geräuchert,bevor er sie auf die aufgeschnittenen Blechdosen aufzog. Danach war auch der üble Geruch weg. Ein Schilfrohr befestigte er in der Mitte mit einem Tau. „Ohne Rummelpötte ging in meiner Kindheit nichts. Ich bin jedes Jahr mit meinen Freunden damit losgezogen“, blickt er zurück. Heutzutage werde halt improvisiert oder es gehe ohne sie. „Hauptsache, die Tradition stirbt nicht aus. Aber auf Nordstrand habe ich da keine Bedenken“, ist seine Meinung. Die Rummelpötte machen eigentlich keinen Lärm, wie zu vermuten ist. Es ertönt lediglich ein „rummelndes“ Geräusch, wenn mit dem angefeuchteten Finger das Schilfrohr gerieben wird. So zogen die Kinder eben in früheren Zeiten „rummelnd” durch die Straßen und sangen das Rummelpottlied dazu.

Ida Thater (90), einstige Chefin der Sparte „Sprachentwicklung für Nordstrand“ im Heimatverein, erzählt, dass in ihrer Kindheit die Erwachsenen am Silvesterabend und die Kinder erst am Neujahrsmorgen Rummelpott liefen. „Die Erwachsenen nannte man de Schabülken“, erläutert sie. Die Menschen mussten erraten, wer sich hinter den Kostümen und Masken verbarg. „Immer, wenn falsch geraten wurde, gab es einen Kurzen. Das war ein feucht-fröhliches Vergnügen“, schmunzelt die Seniorin in Erinnerung an alte Zeiten. Der pensionierte gebürtige Nordstrander Kapitän und Chronist, Karl-Ludwig Petersen, kann sich gut an die alte Sitte erinnern. Er selbst sei nie losgezogen, doch im elterlichen Haus hätten sich die Rummelpottläufer Silvester die Klinke in die Hand gegeben. Die Texte der Rummelpottlieder waren, so berichtet er weiter, in den einzelnen Gegenden des Landes unterschiedlich. In dem ältesten von Heimatforschern aufgezeichneten Lied heißt es: „Fruken, mak de Dör up un lat de Rummelpott in! Und wenn dat Schip van Holland kumt, so hat dat moje Win.“ Das deute auf die Herkunft des „Rummelns“ aus dem holländischen Raum hin. Von dort aus muss es sich über das Emsland, die Vierlande, bis in den hohen Norden verbreitet haben. Auch in der alten holländischen Kunst trete das Phänomen in Erscheinung. ln dem Gemälde „Das Bohnenfest" stellt Jai Steen (1626 - 1679) den Rummelpott ausdrucksstark in den Mittelpunkt.

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