Husum im Jahr 2014 : Auf großen und auf kleinen Bühnen

Das erste Husum Open Air lockte im Juli Tausende vor die Freiluftbühne auf dem Messegelände. Dieses Jahr gibt es eine Fortsetzung.
Das erste Husum Open Air lockte im Juli Tausende vor die Freiluftbühne auf dem Messegelände. Dieses Jahr gibt es eine Fortsetzung.

Von der bemalten Jeans bis hin zum ersten Husum Open Air: Kulturell hatte Husum im Jahr 2014 jede Menge Attraktionen zu bieten. Und die Kulturnacht konnte am Ende auch gerettet werden – jedenfalls für 2015.

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05. Januar 2015, 13:00 Uhr

Ein Veranstalter aus Itzehoe hat es mal so formuliert: „Ihr könnt von Glück sagen, dass die nächste Großstadt relativ weit weg ist. So müsst Ihr euer eigenes Kultur-Programm auf die Beine stellen.“ Dass geografische Randlagen Ansporn zu kulturellen Höchstleistungen sein können, hat Husum schon mehrfach unter Beweis gestellt. Es ist wie im richtigen Leben: Wer die Herausforderung nicht sieht, kann sie auch nicht annehmen.

Vor einer solchen Herausforderung stand auch die Stadtbibliothek. Weil der Landesrechnungshof – nicht zum ersten Mal – angemahnt hatte, dass es nicht Sache des Büchereivereins Schleswig-Holstein sein könne, Verwaltungsaufgaben zu übernehmen, suchte sie händeringend nach einem neuen Träger. Aussichtsreichste Kandidaten waren die Volkshochschule und die Stadt. Letztere hätte die Funktion 2004 schon einmal übernehmen sollen. Doch die politische Mehrheit war dagegen. Diesmal war sie dafür.

Die neue Trägerschaft war eben erst unter Dach und Fach, da schockierte die Tourismus- und Stadtmarketing GmbH den städtischen Kulturbetrieb mit einer Hiobsbotschaft: Aus organisatorischen Gründen sei die TSMH nicht mehr in der Lage, sich federführend um die Kulturnacht zu kümmern, ließ Geschäftsführerin Jutta Albert wissen, und sorgte damit allenthalben für hektische Betriebsamkeit. Unter Führung des Museumsverbundes Nordfriesland wurden im Nordsee-Museum mehrere Krisensitzungen einberufen – zunächst mit dem Ziel, die Kulturnacht für 2014 zu retten. Später ging es dann nur noch um die Kulturnacht selbst. Der Durchbruch kam im Juni: Eine Arbeitsgruppe wird den Reigen fortführen. Um Finanzplan und das Marketing soll sich eine Event-Managerin kümmern. Glück im Unglück: Durch das Kultur-21-Festival im Nordsee-Congress-Centrum gab es für die Kulturnacht ungewollten, aber wohl auch einmaligen Ersatz.

Ein Jahr lang wurde geplant, gelernt und geprobt, dann präsentierte die Musical-Klasse der Kreismusikschule Nordfriesland mit einer Band aus Lehrern, Schülern und Gastmusikern, einem Background-Chor und Tänzerinnen des Tanzstudios Husum einen musikalischen Meilenstein der Popkultur: das Musical „Hair“. Haarige Angelegenheit mit gutem Ende: Alle drei Aufführungen waren ausverkauft.

Wenn der Speicher bebt, dann wird am Hafen gerockt, was das Zeug hält – alle Jahre wieder und mit wachsender Begeisterung. Die musikalische Bandbreite reichte von Indiesynth über Punkrock bis zu Reggae-Ska. Noch Fragen? Antworten gibt’s bei der zwölften Auflage in diesem Jahr.

Gute Chancen, eine ständige Einrichtung zu werden, hat die Schulkinowoche des Naturfilm-Festivals Green Screen. Vom „Dschungel unter Wasser“, einer Entdeckungsreise in den ökologischen Kosmos einer Kiesgrube, bis hin zum „Fluch der Meere“ und den unabsehbaren Folgen der Vermüllung unserer Ozeane durch Plastikabfälle reichte das Spektrum dieser gut besuchten cineastischen Abwechslung vom Schulalltag.

Im April folgten dann Teil zwei und drei der Festival-Saison. Beim Husum Harbour zogen erstmals und konzertiert Singer und Songwriter in den Speicher ein, und beim 13. Honky-Tonk-Festival zogen die Musikbegeisterten durch die Stadt.

„Kunst am Bein und auf dem Rücken“ gab es im Mai im Modehaus C. J. Schmidt. Der Eiderstedter Künstler Erhard Schiel gestaltete Jeans und Blusen, die zugunsten der Krebsgesellschaft versteigert wurden. Einen Monat später wurde eine ganze Schule zum Kunstobjekt. Im Rahmen des Projekts „Architektur-Intervention im öffentlichen Raum“ – kurz „AIRhusum“ – verwandelten Schüler der Hermann-Tast-Schule die leerstehende Volkshochschule in einen Ausstellungsraum.

Mit dem Headliner The BossHoss kamen im Juli erste Regentropfen. Aber das tat der Stimmung beim ersten Husum Open Air keinen Abbruch. Die Stars aus Berlin brachten auf dem Messegelände Tausende von Besuchern mächtig in Fahrt. Insgesamt neun Solokünstler und Bands lieferten zwei Tage lang musikalische Leckerbissen am laufenden Band. Schon zum Start hatte es mit Santiano einen ersten Höhepunkt gegeben.

Den 20. Geburtstag feierte eine Husumer Institution: das eXperimenttheater. Zum Jubiläum gab es „Jack the Ripper“. Um Mord und Totschlag ging es auch bei der Storm-Tagung und das nicht nur, weil Tilman Spreckelsen für seinen Krimi „Nordseegrab“ den Storm-Preis erhielt. Nein, auch des Meisters eigenes Werk ist nicht frei von Blutrünstigkeit, und die galt es publikumsnah aufzuarbeiten. Apropos: Wer immer noch glaubt, die Storm-Tage seien ein verstaubter Wissenschaftskongress, der sollte sich in diesem Jahr mal eines Besseren belehren lassen. Das gilt natürlich auch für andere Serien-Klassiker im städtischen Kulturleben – von den Pole-Poppenspäler- über die Filmtage bis hin zu den Konzerten der Jungen Meister und den Raritäten der Klaviermusik.

In diese illustre Aufzählung könnte sich bald auch der neue Filmklub Husum einreihen. Dessen Auftakt war jedenfalls verheißungsvoll. Rund 100 Zuschauer kamen ins Kino-Center – pro Vorstellung. Nachgerade reißenden Absatz fanden die Karten für das vierteilige Geburtstagskonzert von Turbostaat. Die Band füllt mittlerweile große Hallen, hat aber nicht vergessen, wo ihre Wiege steht: im Speicher. Um Sangesfreuden anderer Art ging es beim Männerchor-Treffen im September. An diesem Sonntag kamen auf einen Sänger 36 Husumer. Und viele sangen kräftig mit.

Eine traurige Nachricht gab es zum Jahresende: Völlig unerwartet starb der langjährige Vorsitzende des Kunstvereins Husum und Umgebung Rolf Brendler an den Folgen eines Aneurysmas.

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