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Schäden durch Wildgänse : Auf der Suche nach einem Kompromiss

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Thema Gänsefraß ist ein Dauerbrenner an der Westküste. Viele Landwirte bangen um ihre Existenz. In Tönning suchten Betroffene und Politiker nun nach Lösungen.

Das Thema Wildgänse erregt schon seit einigen Jahren die Gemüter an der Westküste. Landwirte weisen immer wieder auf die Fraß- und Kotschäden hin, die Nonnengänse und inzwischen auch vermehrt Grau- und Kanadagänse auf den Weiden, Deichen und Äckern anrichten, wenn sie zu Tausenden im Frühjahr auf den Grünlandereien einfallen und das Gras wegfressen, das eigentlich für Schafe und Rinder gedacht ist.

Schon seit langem wird aus den Reihen der Landwirte eine Entschädigung gefordert. Doch ebenso lange lehnen die verschiedenen Landesregierungen in Kiel dieses Ansinnen mit Hinweis auf die EU ab. Diese sieht eine Entschädigung als verbotene Subvention an. Die angebotenen Vertragsnaturschutz-Programme aber, die mit einer Duldung der Gänse auf den Flächen einhergeht, mag oder kann nicht jeder betroffene Landwirt annehmen.

Weil das Thema an der gesamten Westküste auf den Nägeln brennt, hatten der CDU-Kreisfachausschuss Agrar und Umwelt und der CDU-Kreisverband Dithmarschen gemeinsam zu einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung in Tönning eingeladen, an der rund 70 Gäste, Interessierte und Betroffene, aus beiden Kreisen teilnahmen.

Der Bauernverbands-Vorsitzende für Husum/Eiderstedt, Milchviehhalter Melf Melfsen aus Langenhorn, und Schäfer Udo Engel aus Neufeld/Dithmarschen stellten die Gänse-Problematik aus der Sicht der Praktiker da. Nach Einschätzung des Bauernverbands seien 11  500 Hektar Fläche an der Westküste geschädigt. Die Folgen der Gänserast seien Ertragseinbußen, Überdüngung und Hygieneprobleme durch Parasiten. „Die betroffenen Bauern wünschen sich ein konsequentes Gänse-Management und schadensangepasste Zahlungen“, sagte Melfsen an Michael Kruse gewandt, der das Landwirtschaftsministerium vertrat. „Wir brauchen keine Vergrämung, wir brauchen Entschädigung.“

Udo Engel zeigte Bilder von abgefressenen und verkoteten Flächen. Seiner Beobachtung nach verzögere sich der Grasaufwuchs im Frühjahr um einen Monat. Die Folge sei eine längere Stallhaltung, zusätzliche Kosten durch Zufüttern von Kohl, Kraftfutter, Silage und Heu. Die Lammzeit ins späte Frühjahr zu verlegen, hätte zur Folge, dass die Lämmer im Herbst nicht rechtzeitig schlachtreif seien. Er sieht die Zukunft der Schäferei gefährdet.

Michael Kruse ging auf das Problem aus der Sicht des Ministeriums ein. Er wies daraufhin, das Zahlungen an konkrete Leistungen wie Jagd- und Vergrämungsverzicht gebunden sein müssten, sagte aber auch, dass das Ministerium intensiv an diesem Thema und einer Lösung arbeite. Er sprach von neuen Vertragsnaturschutz-Muster und von einer Anhebung der Ausgleichszahlungen für Bewirtschaftungsauflagen und für Grünland bei stark ausgeprägten Gänsezug im Frühjahr. Ab 2016 ist eine direkte Gänsepool-Flächen-Verpachtung an Schäfer vorgesehen und eine Pachtpreisreduktion bei Schäden auf Deich- und Vorlandflächen. „Es ist wichtig, dass wir alle Register im Gänsemanagement ziehen“, forderte er die Betroffenen zum Mitmachen auf. In Westerhever, einer beliebten Raststation bei Gänsen, sollen ab 2016 160 Hektar Poolfläche von der Stiftung Naturschutz in die direkte Verpachtung gehen. Die Organisation und Überwachung übernehmen Stiftung und Ministerium.

In der anschließenden Diskussion, an der sich auch die CDU-Landtagsabgeordneten Klaus Jensen und Astrid Damerow beteiligten, machten Landwirte noch einmal ihrem Unmut Luft und sprachen ihre Sorgen an.

 

 

 

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