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Demografischer Wandel im Blick : Auf der Suche nach dem Miteinander

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Arbeiterwohlfahrt Mildstedt startet ein Modellprojekt für das Miteinander von Jung und Alt. „Tür auf – da kommt Bewegung ins Alter“ soll dazu beitragen, dem demografischen Wandel zu begegnen.

Unter dem Motto „Wir im Quartier – wir in Mildstedt“ möchte die Arbeiterwohlfahrt in Mildstedt in den nächsten Jahren tragfähige nachbarschaftliche Kontakte fördern und generationsübergreifende Begegnungen ermöglichen, das machte Awo-Vorsitzender Hans-Peter Henkens deutlich. „Ideen dafür gibt es genug – angefangen vom Besuchsdienst über das Essen in Gemeinschaft, Schulung von Vorlesepaten, begleitete Spaziergänge bis hin zu begleiteten Sportangeboten für ältere Menschen. All diese Angebote sollen gerade auch mobilitätseingeschränkte oder hilfe- und pflegebedürftige ältere Menschen erreichen. Damit die Menschen in Mildstedt frühzeitig eingebunden werden, gab es jetzt eine Auftaktveranstaltung unter dem Motto „Tür auf – da kommt Bewegung ins Alter“.

Zur Freude des Ortsvereinsvorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt, Hans-Peter Henkens, und der Awo-Pflegeeinrichtungsleiterin Susanne Eisenstein, füllten gut 150 Bürger den Saal. „Wir wollen uns zum Thema Älterwerden mit Ideen beschäftigen, die Bewegung in die Pflege und in das Leben jedes einzelnen Menschen in Mildstedt bringen können. Die demografische Entwicklung macht es unvermeidlich, für die Zukunft neue Konzepte zu entwickeln, damit wir alle selbstständig und gemeinschaftlich in unserer vertrauten Umgebung bleiben können – auch wenn Unterstützungs- und Hilfebedarf wachsen. Es gilt, gerade alten Menschen,die zu Hause leben, zu helfen.“

In seinem Vortrag machte der Chefarzt der Geriatrie im Klinikum Husum, Dr. med Ludolf Matthiesen, unter anderem deutlich: „Auch ich stehe kurz vorm Rentenalter. Haben Sie mal einen Arztbrief gelesen? Auch in meinem Falle würde der wohl eine halbe Seite füllen.“ Der Chefarzt leitet die Geriatrie Husum seit sechs und die entsprechende Abteilung in Niebüll seit zweieinhalb Jahren. „Jedes zweite Mädchen, das heute geboren wird, wird 100 Jahre alt. Das ist für uns kaum vorstellbar.“ Einhergehend mit körperlichen Veränderungen im Rahmen des Älterwerdens setze auch eine veränderte Denkweise ein: „Sie werden heute mit 50-Jährigen keine Kriege mehr führen können. Diese Altersgruppe sieht nämlich beide Seiten.“ Mit zunehmendem Alter häufen sich auch die Krankheiten: „Ein Parkinsonpatient nimmt 15 bis 18 Medikamente ein – und nimmt er die nicht, hat er kein Leben mehr.“ Das Wichtigste sei das Beibehalten der Alltagsaktivitäten. „Man muss von Kindheit an unterwegs sein. Wer nicht rückwärts laufen kann, der kann auch nicht mehr richtig rechnen.“

Nachfolgend referierte der TSV-Vorsitzende Michael Franzke und wies darauf hin: „Wir haben eine ganze Menge für Senioren im Angebot.“ Das neue Projekt beinhaltet eine Kooperation zwischen dem Sportverein und der Pflegeeinrichtung. „Wir wollen die Älteren in Bewegung halten, ab Herbst steht das Angebot.“

Fazit des Vorsitzenden: „Die Gestaltung des demografischen Wandels ist eine der vorrangigen Aufgaben der Gegenwart. Der Anteil der Menschen unter 20 Jahren wird bis zum Jahr 2025 mit einem Rückgang von 26 Prozent für den Kreis Nordfriesland prognostiziert – gleichzeitig wird der Anteil der über 75-Jährigen analog zur Kreisentwicklung auch in Mildstedt bis zum Jahre 2025 um rund 50 Prozent ansteigen. Damit verbunden ist ein Anstieg des Unterstützungs- und Hilfebedarfs bei gleichzeitiger Veränderung der familiären Hilfepotenziale.“ Vorgesehen im Rahmen der Vorgehensweise: Experten- und Bürgerbefragungen sollen grundsätzliche Fragestellungen, Wünsche und Möglichkeiten der Einwohnerschaft Mildstedts deutlich machen. Außer in Mildstedt betreibt die Awo in Schleswig-Holstein nur noch in Lauenburg ein solches Projekt.

Weitere Veranstaltungen folgen. So steht am Dienstag (30.) ab 14 Uhr im Kirchspielskrug in Mildstedt der „Aufbau eines Nachbarschafts-Netzwerkes“ auf der Tagesordnung. Themen sind Nachbarschaftsnetze und bürgerschaftliches Engagement im Wandel.

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