Paradarts-Spieler aus Husum : Auf dem Weg zur Weltmeisterschaft

Björn Schiweck kann im Rollstuhl und mit Prothese auch im Stehen darten.
Björn Schiweck kann im Rollstuhl und mit Prothese auch im Stehen darten.

Björn Schiweck, Trainer der Dart-Mannschaft des Rödemisser SV, tritt mit dem Paradarts-Nationalteam in Belgien an.

Jonna frei.jpg von
15. Februar 2019, 13:32 Uhr

Husum | Kneipenstimmung kommt nach wie vor auf, wenn die kleinen Pfeile auf die runde Scheibe zufliegen. Doch von einem Kneipensport kann schon lange keine Rede mehr sein. Mittlerweile füllen Darts-Turniere auch in Deutschland die großen Hallen. Und der Darts-Hype hat längst auch Husum erreicht. Sowohl der TSV Husum 1875 als auch der Rödemisser Sportverein haben bereits eine Darts-Sparte – mit nicht geringem Zuwachs.

Von E-Darts zu Steeldarts

Im Rödemisser Sportverein sorgte Björn Schiweck, Trainer und Spartenleiter, für die Installation einer Board-Anlage. Lange bevor der Hype um Steeldarts ausbrach, war der gelernte Zimmermann und Grafikdesigner schon begeisterter Dartspieler. „Damals spielte man noch E-Darts, die Dinger standen in jeder Kneipe“, erinnert sich der 43-Jährige. Beim Steeldarts handelt es sich um die ursprüngliche Form des Darts, bei der die Pfeile mit Stahlspitzen ausgestattet sind.

Nach einer langen Dartspause wollte Schiweck es nochmal wissen und begann wieder, Pfeile zu werfen. Sein Können und seine Begeisterung für den Sport, der viel Konzentration und Präzision erfordert, wollte er gerne weitergeben und stieß bei der Suche nach einer Trainingsstätte auf den Rödemisser Sportverein. Weg vom Kneipenklischee, hin zum Sportverein. Auch die Jugend wolle er für den Sport begeistern, so Schiweck. „Ein Freund nahm mich einfach mit zur Vorstandssitzung und da stellte ich meine Idee vor.“ Seitdem laufe die Darts-Sparte sehr erfolgreich. Das Team besteht mittlerweile aus 20 Mitgliedern, die immer montags und mittwochs trainieren. In der Schleswig-Holstein-Liga belegen sie Platz sieben. Schiweck ist zufrieden.

Spieler mit Handicap

Dabei spielt der 43-Jährige seit 20 Jahren mit einem nicht unerheblichen Handicap. In seinem 20. Lebensjahr wurde in seinem linken Kniegelenk Knochenkrebs diagnostiziert, seitdem bewegt sich Schiweck ausschließlich mit Beinprothese oder Rollstuhl fort. Seinen Hang zum Sport ließ er sich dadurch aber nicht nehmen. Er spielte als junger Mann erfolgreich Rollstuhl-Basketball und kam dann zum Darts. Natürlich in einer Kneipe, versteht sich.

Gedartet hat Schiweck dann aber nur im Stehen. Bis jetzt zumindest. Neuerdings ist der 43-Jährige Mitglied im Paradarts-Nationalteam, mit dem er von Freitag, 22. Februar, bis Sonntag, 24. Februar, an der Weltmeisterschaft im Paradarts in Belgien antreten wird. Ein Bekannter aus der Szene war auf ihn aufmerksam geworden, und nachdem er sein Können auf einem Turnier unter Beweis gestellt hatte, war er dabei.

Profikarriere als Ziel

„Wir müssen gegen Belgien und die Niederlande antreten, das sind zwei echte Darts-Nationen, aber die haben uns nicht auf dem Schirm“, sagt Schiweck, der sein Hobby gerne zum Beruf machen würde. Doch es fehlt an Sponsoren. Momentan zahlt er selbst noch drauf. Gerade macht er eine Umschulung zum Busfahrer, im Sommer schippert er Besucher auf den Grachten durch Friedrichstadt. „Ich würde das gerne profimäßig machen, die Weltmeisterschaft ist da ja ein guter Anfang“, sagt Schiweck.

Für seinen Traum tut der 43-Jährige einiges. Eigentlich dreht sich alles in seinem Leben um Darts. „Nur Schlafzimmer und Badezimmer sind dartsfreie Zone“, verrät er. Vier Mal am Tag trainiert Schiwek, jeweils eine Stunde lang. Hinzu kommen zwei Trainingseinheiten pro Woche im Heimatverein – der im Übrigen Barrierefreiheit bietet – und Turniere an den Wochenenden.

„Wer mental nicht fit ist, der kann ohnehin einpacken.“ Björn Schiweck, Darts-Trainer

Und warum jetzt doch plötzlich im Sitzen? „Weil mein Gesundheitszustand nicht besser wird und wenn ich weiter machen will, dann besser im Sitzen.“

Dabei war anfangs gar nicht sicher, ob Schiweck auch genauso erfolgreich aus dem Rollstuhl dartet wie im Stehen mit Prothese. „Man wirft von unten nach oben, obwohl die Scheibe für Rollstuhlfahrer ein Stück weiter unten hängt.“ Noch stehen ihm für die Weltmeisterschaft beide Optionen offen. Im Team wird er aus dem Rollstuhl werfen, im Einzel kann er sich noch überlegen, ob aus dem Stand oder sitzend.

Letztendlich, so Schiweck, sei Darten zu 80 Prozent Kopfsache. „Wer mental nicht fit ist, der kann ohnehin einpacken.“

Steeldart in der Stadt etabliert

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