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Spezial-Soldaten aus Husum gefragt : Auf dem Sprung nach Westafrika

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Soldaten aus Husum bereiten sich auf einen möglichen Einsatz in Mali vor. Vor Ort muss Material ausgetauscht werden, und das ist vor der Rückführung nach Deutschland auf spezielle Art zu desinfizieren. Oberleutnant Jessica Dippe und ihr Trupp stehen auf Abruf.

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erstellt am 06.Feb.2014 | 12:00 Uhr

Wenn es um Auslandseinsätze der Bundeswehr geht, stehen die Unterstützungstruppen meist weniger im Fokus. Doch ohne sie geht nichts: Es gebe keine Feldlager vor Ort, wie sie das Husumer Spezialpionierbataillon 164 aufbaut und betreibt, es gebe keine Verpflegung und keinen Transport ins Einsatzland und retour. Und im letzteren Fall brauchen auch die Unterstützer Unterstützung: Wenn nämlich Material aus bestimmten Ländern nach Deutschland zurückgebracht werden soll, muss dieses gemäß den Auflagen des zuständigen Veterinärs desinfiziert werden, um keine Krankheitserreger einzuschleppen. Zum Beispiel aus dem westafrikanischen Mali, wo sich die Bundeswehr seit vergangenem Jahr an der Uno-Stabilisierungsmission Minusma und einer europäischen Trainingsmission beteiligt.

Und da kommt Oberleutnant Jessica Dippe ins Spiel. „Für die Tierseuchenprophylaxe muss das Material vor Ort desinfiziert werden und das ist bei den dortigen Witterungsverhältnissen eine ziemliche Herausforderung“, sagt die Spezialistin vom ABC-Abwehrbataillon 7. Das ist eigentlich im nordrhein-westfälischen Höxter stationiert – bis auf die 5. Kompanie, die in der Husumer Julius-Leber-Kaserne beheimatet ist und erst am 18. Dezember vergangenen Jahres aufgestellt wurde. Was zum Teil mit Personal des Spezialpionierbataillons geschah, das im Rahmen der Neustrukturierung der Bundeswehr seine Brandschutzaufgaben an diese Einheit abgegeben hat. Zusätzlich gibt es in der von Major Roberto Kirstein geführten Kompanie noch einen Dekontaminations-Zug – und genau der ist für solche Aufgaben prädestiniert. Deshalb stellen sich die Soldaten dieses Zuges jetzt auf einen möglichen Einsatz ein, auch wenn über diesen noch nicht entschieden ist.

„Wenn wir die Desinfektion in der Regenzeit machen müssen, dauert die Trocknung der aufgebrachten Flüssigkeit sehr lange, obwohl Temperaturen zwischen 40 und 50 Grad Celsius herrschen. Werden wir in der Trockenzeit bei immerhin noch 35 Grad Celsius tätig, verdunstet die uns zu schnell und wir müssen sie ständig neu aufbringen“, sagt die 27-Jährige. Zelte zum Beispiel müssten auf jeden Fall geschützt in einem Gebäude behandelt werden. „Sonst macht der Regen oder aber der feine Staub unsere Arbeit gleich wieder zunichte.“

Da jetzt Zelte und verschiedene Aggregate zum Austausch anstehen, war Jessica Dippe bereits Anfang des Jahres in Westafrika, um sich ein Bild von den Verhältnissen vor Ort zu machen – zur Erkundung der Lage, die als Basis für die Entscheidung dient, ob und durch wen dieser Auftrag durchgeführt wird. „Teile der Dekontaminations-Ausrüstung müssen wir aus Deutschland mitnehmen“, erläutert sie. Wie lange der mögliche Einsatz dauern wird und wann sie mit ihrem aus sechs bis acht Unteroffizieren und Mannschaften bestehenden Trupp die Reise über den Flughafen der malischen Hauptstadt Bamako zum Standort der Pionier-Ausbilder in Koulikoro antreten wird, weiß sie noch nicht genau: „Grob geschätzt brauchen wir wohl sechs Wochen“, sagt sie. Derzeit sei Winter auf der Südhalbkugel, und das bedeute „nur“ 35 Grad im Schatten. „Vom Gefühl her ist das wie ein deutscher Sommer.“

Sie und ihre Leute freuten sich schon auf die Aufgabe, sagt Oberleutnant Dippe. „Das ist mal was anderes.“ Auch ihr erster Besuch im Januar habe sie fasziniert: „Bamako ist eine Großstadt mit erstaunlichen Gegensätzen – auf der einen Straßenseite Hochhäuser, auf der anderen Wellblechhütten.“ Nach Koulikoro führten staubige Feldwege, bevölkert von Eselskarren, Mopeds und deutschen Autos. „Und jeder hat ein Smartphone am Ohr, wobei ich mich frage, wo die den Strom hernehmen.“ Die Gegend wirke zwar ärmlich. „Aber die Menschen dort scheinen nicht unglücklich zu sein – sie lösen nur ihre Probleme anders als wir.“

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