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Fällaktion im Herbst : Auf dem Marktplatz fallen 19 Linden

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Gutachter hat festgestellt, dass 19 alte Linden auf dem Friedrichstädter Marktplatz schwer geschädigt sind. Sie sollen nun im Herbst gefällt werden, da sie jederzeit zu einer Gefahr für Passanten werden können.

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erstellt am 19.Aug.2015 | 12:15 Uhr

Der Konflikt ist programmiert. Spätestens wenn im September die Motorsägen in der Friedrichstädter Innenstadt angelassen werden, klingeln bei Bürgermeister Eggert Vogt wieder die Telefone. Diesmal müssen 19 Linden gefällt werden. Nicht irgendwelche Straßenbäume, sondern die markanten älteren mitten auf dem grünen Markt im Herzen des Holländerstädtchens. „Das tut schon weh, denn niemand lässt gerne Bäume fällen“, sagt dazu das Stadtoberhaupt und verweist auf ein Baumgutachten.

Demnach sind alle Linden auf dem Marktplatz geschädigt. Schuld daran soll die mangelhafte Pflege vor 20 bis 30 Jahren sein. Zudem seien dann offensichtlich falsche Pflegeschnitte gemacht worden, so dass immer wieder Wasser in die Bäume eindringen konnte. Das habe natürlich das Pilzwachstum gefördert.

Der historische Marktplatz ist bereits seit Jahren ein ständiges Thema in Stadtrats- und Ausschuss-Sitzungen. Immer wieder spielen dann Linden eine Hauptrolle. Schließlich ist der Platz in einen sogenannten steinernen und einen grünen Markt geteilt. Und der grüne Markt ist mit Linden bepflanzt. Die grüne Lunge bereitet aber auch Probleme, denn in den vergangenen Jahrzehnten sind die Bäume dort mächtig in die Höhe geschossen und deren Pflege war vielfach wohl eher mangelhaft. Eine Folge: 2011 mussten sechs der erst in den 1960er Jahren gepflanzte Bäume gefällt werden, da sie am Ostrand des Marktplatzes derart schief über die Straße Am Markt gewachsen waren, dass die Zweige schon fast die ersten Häuser touchierten.

Die fehlende Pflege offenbarte sich , nachdem der Stadtrat im Jahr 2007 beschlossen hatte, den Markt von Grund auf zu sanieren. Schweren Herzens wurde das Okay für das Fällen einiger alter Linden gegeben, da sie nach Auskunft verschiedener Experten eine Gefahr für Passanten darstellten. Die Kritiker der Aktion wurden nach dem Fällen eines Besseren belehrt. Das Institut für Baumpflege aus Hamburg-Bergedorf lag richtig, nur noch eine wenige Zentimeter dicke Stammschicht umschloss die meist bereits hohlen Bäume, die zudem im unteren Bereich vielfach von Erde und Pilzen durchzogen waren. Ersatzweise wurden acht neue Linden gepflanzt. Anlass der Baum-Untersuchung und des Sanierungsbeschlusses war ein Herbststurm im Jahr 2006, dem eine mächtige Linde auf dem Marktplatz zum Opfer fiel. Sie beschädigte beim Umsturz auch eine Kastanie und eine weitere Linde, beide Bäume mussten gefällt werden. Anfang des vergangenen Jahres begann in der Stadt eine umfangreiche Baumfäll- und -pflegaktion. 18 Schattenspender in der Innenstadt wurden abgesägt und 90 ausgelichtet. Insgesamt hatte ein Gutachter 188 Bäume genau unter die Lupe genommen, was etwa einem Viertel des Gesamtbestandes entspricht. Dabei stellte sich auch heraus, dass einige der alten Linden auf dem Marktplatz, nämlich 19, krank sind. Das Landesamt für Denkmalpflege wollte dies allerdings nicht so einfach hinnehmen, es beauftragte einen weiteren Gutachter, denn schließlich ist der Friedrichstädter Marktplatz ein eingetragenes Denkmal. Doch auch der vom Landesamt bestellte Fachmann kam zu keinem anderen Ergebnis. Nun müssen 19 Linden gefällt werden.

Sie müssen entfernt werden, denn die Bäume könnten, so befürchtet Eggert Vogt, unvermittelt bei Sturm umstürzen und so zu einer großen Gefahr für Passanten werden. Besonders vorsichtig ist die Stadt, seit vor zwei Jahren bei einem lauen Lüftchen ohne Vorwarnung auf dem Marktplatz ein dicker Baum umgestürzt ist. Zum Glück, so Vogt, hätte sich zu diesem Zeitpunkt niemand in der Nähe aufgehalten.

Die aktuell geplante Fällaktion auf Marktplatz soll vom städtischen Bauhof vorgenommen werden. Unmittelbar danach soll dann nachgepflanzt werden. Allerdings dürfte dies kein ganz billiges Unterfangen werden, denn allein aus optischen Gründen müssen die Bäume schon eine gewisse Größe haben, damit sie in das Gesamtbild des grünen Marktes hineinpassen.

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