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Hans Scheibner am 24. Januar in Husum : Auf dem Klo sitzen – für Europa

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Seit mehr als vier Jahrzehnten ist der Satiriker und Kabarettist Hans Scheibner nun schon eine feste Größe seines Fachs. Am 24. Januar kommt er wieder in den Husumer Speicher. Im Interview spricht der 77-Jährige über Kollegen, die Kanzlerin und das Weltgeschehen.

Er ist gelernter Verlagskaufmann und arbeitete als kaufmännischer Korrespondent in einer Lackfabrik. Als Werbetexter ersann er den legendären Energie-Slogan „Ich bin zwei Öltanks“. Ferner schrieb er den deutschen Text zu „Schmidtchen Schleicher“, mit dem Nico Haak 1976 einen Top-10-Hit in den Charts landete. Doch wirklich bekannt wurde der heute 77-jährige Hamburger durch seinen bissigen Humor und seine spitze Feder. Am Freitag, 24. Januar, kommt Hans Scheibner mit neuem Programm an eine alte Wirkungsstätte – in den Husumer Speicher. Beginn: 20 Uhr.

 

Herr Scheibner, mögen Sie angesichts der neuerlichen Amtszeit von Frau Merkel überhaupt noch Kabarettist sein, oder würden Sie lieber umsatteln – auf, sagen wir mal, Lagerhaltung und -verwaltung?

 

Scheibner: Ich bin und bleibe Satiriker und Kabarettist. Das hängt nicht von den gerade mal aktuellen Politikern ab. Das Absurde, Komische, Irre spielt sich ja auch im eigenen Bereich ab – und überhaupt überall, denn alles hängt irgendwie mit allem zusammen. Und was nun gerade unsere Bundesmutti angeht, da ist es doch erhebend mitzuerleben: Sie ist nicht auf den Kopf gefallen, sondern diesmal auf den Hintern. Und mit dem regiert sie nun Deutschland.

 

Mit Loriot und Dieter Hildebrandt sind zwei weitere Ikonen des hintergründigen Humors abgetreten. In Ihrer sh:z-Kolumne haben Sie für beide sehr einfühlsame Nachrufe geschrieben. Fühlen Sie sich manchmal ein bisschen wie der letzte Mohikaner ihres Fachs?

Scheibner: Keineswegs. Ich bin nicht so vermessen, mich mit diesen großen Kollegen auf eine Stufe zu stellen. Ich geh’ meinen eigenen Weg und hab’ so meinen eigenen Stil.

 

Loriot hat mal gesagt, er werde nicht mehr fürs Fernsehen arbeiten, weil er mit dem heutigen Tempo nicht Schritt halten mag. Ihm gehe das alles viel zu schnell. Haben Sie diese Probleme nicht?

 

Scheibner: Das Fernsehen, der NDR, hat mich gegen das Votum der Zuschauer ohne jede Begründung abgesetzt. Insofern habe ich keinen Stress mehr mit denen. Ich habe seitdem drei Bücher geschrieben, sechs neue Kabarett-Programme und eine satirische Komödie, habe mir mein Publikum ohne TV erhalten, genieße jetzt irgendwie auch die „Freiheit vom Fernsehen“. Denn so eine wöchentliche Sendung zum Beispiel bindet ja auch Kreativität für andere Projekte.

 

Sie haben den seltenen Spagat geschafft, sowohl den Zorn der linken Liedermacher-Szene als auch den der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten beziehungsweise deren politischer Gralshüter auf sich zu ziehen. Hatten Sie etwa nicht genug Feinde?

 

Scheibner: Ich denke, heute hat sich das alles ein bisschen beruhigt. „Linke Liedermacher“ gibt es in dem Sinne nicht mehr. Inzwischen geht die SPD mit den Konservativen, die Kanzlerin macht listig sozialdemokratisch gefärbte Politik, die Generalsekretärin der SPD war eine der eifrigsten Befürworterinnen der Agenda 2010. Es ist alles ziemlich durcheinandergeraten. Wir haben keine Wehrpflicht mehr. Stattdessen eine Frau als obersten Soldaten. Man möchte hoffen, dass sie nicht so leicht und kriegerisch wie ihre Vorgänger das Vaterland am Hindukusch verteidigen wird.

 

Viele sagen ja, je stärker das Interesse an Politik versiegt, ja sogar Politikverdrossenheit um sich greift, desto mehr werde auch das Kabarett an Gewicht verlieren. Wie sehen Sie das?

 

Scheibner: Ein guter Arzt müsste sich wünschen, dass alle Menschen gesund sind, obwohl er dann kein Einkommen mehr hätte. Sollte ein Kabarettist sich neue Skandale wünschen – nur damit er ordentlich was zu schreiben hat? Ich fühle mich ja auch vielmehr als Satiriker. Ich liebe nicht nur die aktuelle Satire, sondern noch mehr die literarische Satire von Morgenstern, Heine, Ringelnatz, Klabund, Robert Gernhardt und so weiter. Auch Loriot hat eigentlich nichts Politisches zur Welt gebracht – aber gerade seine skurrilen Alltags-Szenen sind auch „Zeitzeugen“. Denn wie schon gesagt: Es hängt alles mit allem zusammen.

Ihr Kollege Werner Schneyder ging gern verkleidet in Kneipen, um Stoff für seine Programme zu sammeln, den Leuten – wie es so schön heißt – aufs Maul zu schauen. Was ist der Quell Ihrer Inspiration?

 

Scheibner: Ich gehe auch gern in Kneipen – sogar ohne Verkleidung. Inspiration ist für mich meine ganze Umgebung, meine Nachbarn, meine Freunde und meine Feinde, meine Frau und sogar mein Hund und das sogenannte Weltgeschehen – zum Beispiel in Hamburg auf der Reeperbahn . . .

 

Seit vielen Jahren sind Sie regelmäßig im Speicher zu Gast. Was reizt Sie speziell an diesem Spielort, und worauf darf sich das Publikum am 24. Januar freuen?

 

Scheibner: Ich komme gern in die graue Stadt am grauen Meer, weil sie ist wie ich, weil meine norddeutsche Seele sich hier wohlfühlt und „der Jugend Zauber für und für“ mir hier immer wieder in den Sinn kommt. Außerdem liebe ich den Speicher, diese urige Spielstätte. Und natürlich: die guten Butterbrote von Hein. Freuen darf sich mein Publikum auf ein aktuelles Programm auf allen Gebieten – sogar auf ein Plädoyer für Europa. Die wollen ja demnächst die Spülwassermenge fürs Klo festlegen – unterschiedlich fürs große oder kleine Geschäft. Wer auf dem Klo sitzt, sitzt dort dann auch für Europa! Wenn das kein positiver Ausblick ist!

>Karten für Hans Scheibner gibt es im Kunden-Center der Husumer Nachrichten, Markt 23, sowie an der Abendkasse im Speicher.

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erstellt am 14.Jan.2014 | 12:00 Uhr

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