Tönning : „Auf das Engagement ist Verlass“

Die Sternsinger Karina Gimek und Levke Schumann (vorn) tragen auch ein Lied vor.
Die Sternsinger Karina Gimek und Levke Schumann (vorn) tragen auch ein Lied vor.

Bürgermeisterin Dorothe Klömmer lobt beim Neujahrsempfang die Tönninger. Die Ehrung von Preisträger Ludwig Steinborn wird nachgeholt.

shz.de von
15. Januar 2018, 11:00 Uhr

Wäre ein Motto ausgegeben worden, dann hätte es eindeutig „Mit Optimismus in das neue Jahr 2018“ heißen müssen. Alle Redebeiträge hatten beim traditionellen gemeinsamen Neujahrsempfang der Stadt Tönning mit der Kirchengemeinde Tönning–Kating–Kotzenbüll im teilweise noch weihnachtlich geschmückten Packhaus den Tenor im Mittelpunkt. Mit von der Partie waren neben dem stellvertretenden Kreispräsidenten Siegfried Puschmann sowie dem Direktor des Amtes Eiderstedt, Herbert Lorenzen, Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Vereinen, der Freiwilligen Feuerwehr Tönning–Kating, Kirche sowie die Schulleiter aller drei Schulen. Zudem lag Spannung in der Luft, denn es sollte zum vierten Mal in Folge ein Bürger des Jahres gekürt werden.

Die Ehrung selbst konnte Bürgermeisterin Dorothe Klömmer nicht persönlich vornehmen, denn der Preisträger Ludwig Steinborn befand sich im Urlaub. „Wir werden das Anfang Februar in einer Feierstunde im Rathaus, verbunden mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt, nachholen“, kündigte die Stadt-Chefin an. Sie würdigte Steinborn für sein langjähriges Wirken als Schwimmlehrer und Rettungsschwimmer, der auch unermüdlich im Einsatz für die DLRG unterwegs war. „Herr Steinborn hat nicht nur drei Menschenleben gerettet, sondern sich auch immer aktiv in der Sanitätsdienst-Ausbildung beteiligt und im Bereich Straßensicherheit Maßstäbe gesetzt. Für sein ehrenamtliches Engagement gebührt ihm Ehre“, so Klömmer.

Es sei ihr ein Bedürfnis, allen, die sich für die Stadt Tönning und ihre Menschen engagieren, zu danken. Was sie leisten sei nicht selbstverständlich. „Aus dem Ehrenamt erhalten wir Rückenwind.“ Zu nennen seien die Aktiven des Fördervereins Schwimmbad, die im vergangenen Jahr eine Gastherme haben einbauen lassen, um die Beheizung des Meerwasser-Freibades sicherzustellen, oder die Freiwilligen vom Runden Tisch mit ihren vielen Aktionen zur Steigerung der Attraktivität der Eiderstadt. Auch der HGV leiste unverzichtbare Dienste in Sachen Innenstadtbelebung. Letztendlich sei jeder Verein, Verband, die Freiwillige Feuerwehr, Rotes Kreuz, DLRG oder THW wichtig. „Auf das gesellschaftliche Engagement ist Verlass“, so die Bürgermeisterin.

Sicherlich sei auch einiges zu bemängeln, jedoch müssten auch diesbezüglich positive, zielstrebige Segel gesetzt werden. So sollen beide Schulstandorte gestärkt werden. Eine neue Sporthalle an der Grundschule wird entstehen. Auf dem Sportplatz Friedrichstädter Chaussee wird eine neue Tartanbahn und Sprunggrube gebaut, und an der Eider-Treene-Schule werden Um- und Erweiterungsbauten geplant – alles in der Hoffnung auf Fördermittel unter anderem aus dem Kommunalen Investitionspaket II. „Tönning wird immer mehr zum attraktiven Wohnort für junge Paare und Familien“, so Klömmer. So steigt der Bedarf an Betreuungsplätzen. Der wird in diesem Jahr detailliert geprüft. Definitiv wird eine der drei Regelgruppen im Städtischen Kindergarten in eine altersgemischte Gruppe umfunktioniert. Eine Natur- und Waldgruppe gibt es bereits. Die Zertifizierung zum Bewegungskindergarten schreitet voran. Mit der Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ bekommt die Stadt weiteren Rückenwind. Dabei sollen auch die vielen Ideen aus dem von Bürgern erarbeiteten Leitbild 2030 aufgegriffen werden. Die Planungen für die Erschließung eines dritten Bauabschnittes mit 52 Grundstücken laufen. Die Nachfrage ist auch in Kating groß, so dass dort nur noch drei Flächen zur Verfügung stehen. Der Breitbandausbau schreitet voran. Aktuell läuft die Ausschreibung hinsichtlich des Netzbetreibers.

Nicht zu begreifen sei die Schließung des Krankenhauses Anfang 2017. „Bisher ist es den Verantwortlichen nicht gelungen, den Kreistagsbeschluss betreffend die Verbesserung der Notfallversorgung umzusetzen. Wir erwarten zeitnah eine Rückmeldung des Kreises“, so Klömmer. Gleiches gelte für die hausärztliche Versorgung in der Region. Im touristischen Bereich konnten der Bau der Badetreppe an der Eider, der Umzug der Tourist-Info an den Standort Markt oder die Umgestaltung der Bücherei, vollendet werden. Zwei Geburtstagskindern gratulierte die Bürgermeisterin persönlich: Standesbeamtin Daniela Heine sowie Stadtvertreter Jürgen Ziegert.

Der stellvertretende Kreispräsident Siegfried Puschmann rief dazu auf, sich auf die Werte zu besinnen, die explizid in der Stadt vorhanden sind, wie beispielsweise zwei Schulen, an der zumindest an einer sogar Abitur gemacht werden könne, ein medizinisches Versorgungszentrum und – auch das sei nicht selbstverständlich – in 25 Kilometern Entfernung zwei gute Krankenhäuser in Husum und Heide hat. „Es war eine schwere Entscheidung für den Kreistag kontra Krankenhaus in Tönning. Aber Sie wissen, dass seit Anfang der 1990-er Jahre über 460 Kliniken in Deutschland geschlossen werden mussten“, so Puschmann. Eine defizitorientierte Betrachtungsweise helfe nicht. Keine Stadt in Nordfriesland liegt näher an der Autobahn als Tönning. Mehr als 250 Gewerbebetriebe sind Garant für Lohn und Brot. Puschmann: „Tönning hat Flair und braucht sich nicht verstecken. Sie können Ihre Kräfte bündeln und zuversichtlich in das neue Jahr gehen.“

Der Amtsdirektor lobte die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und rief dazu auf, die Herausforderung des Klimawandels gemeinsam anzupacken. Der Vorsitzende des Seniorenbeirates warb für neue Ehrenamtler. In gewohnter Manier hatte Pastorin Gisela Mester-Römmer mit ihrem dänischen Amtskollegen Torben Jörgensen das Ereignis mit einem Festgottesdienst in der St. Laurentius-Kirche eingeläutet. Nicht fehlen durften die Sternsinger Karina Gimek und Levke Schumann, die die Runde machten, um für einen guten Zweck zu sammeln.

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