Auch mit Handicap hoch hinaus

Eine Besonderheit: Der neue Hochseilgarten ermöglicht auch Rollstuhlfahrern, den Kurs in luftiger Höhe zu absolvieren.  Foto: Marike gohr (2)
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Eine Besonderheit: Der neue Hochseilgarten ermöglicht auch Rollstuhlfahrern, den Kurs in luftiger Höhe zu absolvieren. Foto: Marike gohr (2)

In Leck eröffnet der erste Hochseilgarten Norddeutschlands, der auch für Menschen mit Behinderungen geeignet ist

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22. März 2013, 11:44 Uhr

Leck | Bloß nicht runterschauen. Jan Wellmann fährt im Rollstuhl langsam über einen Balken, der in luftiger Höhe zwischen den Bäumen befestigt ist. Unter dem Balken: einige Meter Luft, dann erst der feuchte Waldboden des Langenberger Forsts. Für Menschen mit Höhenangst ist das nichts.

Ein Rollstuhlfahrer beim Klettern - ein scheinbar unüberwindbarer Gegensatz. In dem rund drei Hektar großen Waldstück vor der Straßenmeisterei in Leck wird jedoch genau das möglich, denn dort wird bald ein Hochseilgarten eröffnet, der für Freizeitsportler ebenso wie für Menschen mit Behinderungen geeignet ist. "Die Klettergärten in Deutschland mit solch einem Angebot kann man an einer Hand abzählen", erklärt Jan Wellmann, Mitarbeiter der projektleitenden Firma Otis, der auf der Plattform in dem Rollstuhl zeigt, wie der Parcours befahren wird. Im Norden ist das Projekt "filu" einzigartig. Eine vergleichbare Anlage gibt es bislang lediglich in der Nähe von Frankfurt am Main.

"Die Idee entstand bei einer Tasse Kaffee", erzählt Detlef Fischer, der zusammen mit Hans-Günter Lund etwas Besonderes für die Region schaffen wollte. Aus den Nachnamen der beiden Gründer setzt sich der Name des Parks zusammen - Fischer/Lund - filu. "Natürlich wussten wir anfangs nicht genau, was auf uns zukommen würde. Wir dachten damals, wir wären nach einem Jahr fertig!" Das war 2006. Nach langer Projektplanung in naher Zusammenarbeit mit der Spezialfirma für Outdoor-Training ist nun der erste Bauabschnitt fertiggestellt. Einen Parcours für Freikletterer und einen für Rollstuhlfahrer gibt es bisher. "Eröffnen werden wir wahrscheinlich Mitte April." Das genaue Datum wird zeitnah bekanntgegeben. Die beiden Gründer sind sichtlich stolz auf ihr Projekt: "Da steckt viel Herzblut drin." Und auch viel Geld, denn den Großteil der Finanzierung investierten die Betreiber selbst. Gefördert wird das Projekt außerdem von der AktivRegion Nord.

Insgesamt sind zwei weitere Bauabschnitte geplant. "Es wird einen Team Parcours und Niederseil-Elemente geben, außerdem einen zehn Meter hohen Tower, von dem man sich abseilen kann", erklärt Dirk Petersen, der den Klettergarten im Moment als Praktikant bei der Organisation unterstützt. Die weiteren Bauabschnitte werden allmählich fertiggestellt, mit der vollständigen Eröffnung wird in gut einem Jahr gerechnet.

Oben auf der 45 Quadratmeter großen Plattform erklärt Jan Wellmann, wie ein Kletterpark auch für Menschen mit Behinderungen funktioniert. "Wir haben hier alles selbst mit den Rollis abgefahren und geprüft." Eine Art Aufzug ermöglicht den Rollstuhlfahrern, sich auf die Plattform hochzuziehen. Von dort geht es auf die Hochbrücke, die Hochwippen und das Element "Tiefenwirkung" - eine besonders schwierige Bahn, die nur aus zwei dünnen Balken besteht. Die Wege sind speziell befestigt, um auch bei Nässe gut befahrbar zu sein, und die Kletterer sind natürlich jederzeit gesichert. Jan Wellmann ist der Hochseilgarten ans Herz gewachsen: "An so einem Projekt mitwirken zu können, ist schon etwas Besonderes." Barrierefrei will er den Park allerdings nicht nennen, denn hier gibt es natürlich ganz bewusst Hindernisse: "In diesem Klettergarten sollen Barrieren überwunden werden."

Hans-Günter Lund und Detlef Fischer sind optimistisch, dass das Projekt gut angenommen wird. "Wir sehen das Nutzerpotenzial in Einheimischen und Urlaubern gleichermaßen, in Einzelpersonen, in Gruppen und in den Schulen."

Am Ostersonntag, 31. März, ist Schautag: Dann können Interessierte den ersten Bauabschnitt erstmals offiziell in Augenschein nehmen. Parallel dazu findet auf dem Gelände das diesjährige Ostereiersuchen des HGV Leck statt.

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