Ja zur Korbacher Resolution : Auch Husum gegen Fracking

Proteste gegen Fracking Ende August auf dem Marktplatz.
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Proteste gegen Fracking Ende August auf dem Marktplatz.

Gegen das umstrittene Fracking-Verfahren zur Förderung von Öl- und Gasvorkommen in Gesteinsschichten spricht sich nun auch die Husumer Stadtvertretung aus. Das Gremium schließt sich den in der Korbacher Resolution zusammengefassten Forderungen an.

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29. November 2013, 12:00 Uhr

Anfang Mai haben sich in Korbach 26 Anti-Fracking-Initiativen aus Deutschland getroffen, um sich stärker zu vernetzen. Im Mittelpunkt stand dabei natürlich der Austausch von Erfahrungen, die im Kampf gegen den Einsatz der umstrittenen Methode des hydraulisches Aufbrechens von Gesteinsschichten (Hydraulic Fractioning, kurz: Fracking) zur Förderung von darin gebundenen Gas- und Ölvorkommen gemacht wurden. Dabei wird ein Gemisch aus etwa 94,5 Prozent Wasser und fünf Prozent Sand (um die Risse so weit offen zu halten, dass das Gas beziehungsweise Öl hindurchströmen kann) unter hohem Druck in die Gesteinsschicht gepresst. Weil auch zu rund 0,5 Prozent Chemikalien eingesetzt werden, befürchten Umweltschützer eine Verunreinigung des Grundwassers.

Doch zurück nach Hessen, wo am Ende die sogenannte Korbacher Erklärung gegen Fracking abgegeben wurde – mit einer Reihe von Forderungen an Bund, Länder und die Europäische Union. Zunächst ein sofortiges ausnahmsloses Verbot sämtlicher Formen von Fracking „bei der Erforschung, Aufsuchung und Gewinnung fossiler Energieträger“ – unabhängig davon, ob die Rissbildung mit oder ohne giftige Chemikalien, hydraulisch oder auf andere Art erzeugt wird. Dann ein generelles Import- und Handelsverbot von „gefrackten“ fossilen Energieträgern. Dazu ein generelles Verbot der Verpressung des Rückflusses oder der Ablagerung von Fluiden und Lagerstättenwässer unter Tage. Ferner eine Novellierung des Bergrechts, die die höchsten Umweltstandards und Beteiligungsrechte der Öffentlichkeit in den Fokus nimmt. Schließlich ein konsequentes Umsetzen der politisch beschlossenen Energiewende, also eine Abkehr von fossilen Brennstoffen, Ausbau der erneuerbaren Energien und Steigerung der Energieeffizienz.

Am Donnerstag (28. November) hat sich dieser Resolution, die inzwischen von 192 Netzwerken, politischen Organisationen, Unternehmen und Gebietskörperschaften – darunter der Kreis Nordfriesland – in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Spanien und Frankreich unterstützt wird, auch Husum angeschlossen. Die Abstimmung des insgesamt nur eine Stunde im Ratssaal des Rathauses tagenden Stadtverordnetenkollegiums fiel einhellig aus. Die Vorbemerkung des in diesem Zusammenhang auf Initiative der SSW-Fraktion gefassten Beschlusses bezieht sich auf die Tatsache, dass die Stadt nicht an jenem Verfahren beteiligt war, das dazu geführt hat, im sogenannten Erlaubnisfeld Rosenkranz-Nord Kohlenwasserstoffe zu gewerblichen Zwecken aufsuchen zu dürfen. Eine Entscheidung des zuständigen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie in Clausthal-Zellerfeld, die Teile von Schobüll und des Landschaftsschutzgebietes Schobüller Berg – also des Stadtgebietes – tangiert.

„Dies ist so nicht hinnehmbar“, hieß es dazu im SSW-Antrag. Dieser Zusatz wurde allerdings am Ende weggelassen – hauptsächlich auf Betreiben der CDU-Fraktion, die mit einem in den Kernaussagen identischen Antrag aufwartete, der auf einer im Kreis beschlossenen Vorlage basierte. Ebenfalls auf unfruchtbaren Boden fiel eine vor der Sitzung vom SSW eingereichte Ergänzung: Man möge die Landesregierung für alle Schäden im Zusammenhang mit bergrechtlichen Genehmigungen in Haftung nehmen, „wenn die Stadt Husum nicht in vollem Umfang nach Recht und Gesetz im Vorwege beteiligt wurde oder Genehmigungen unter Verstoß gegen geltendes Recht erteilt wurden“. Dieser Passus erschien der Mehrheit zu konfliktträchtig.

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