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Hilfe rund um die Uhr : Auch Heiligabend in Bereitschaft

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

13 Freiwillige stellen die Crew des Seenotrettungsbootes „Paul Neisse“, das am Eidersperrwerk stationiert ist. In den Wintermonaten geraten vielfach Wattwanderer in Gefahr - im Sommer sind es Wassersportler.

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erstellt am 25.Dez.2013 | 09:00 Uhr

Eiderstedt | Rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr stehen die Seenotretter am Eidersperrwerk bereit, um Freizeit- wie Berufsschiffern aus der Not zu helfen. Also auch Weihnachten und Neujahr. Allerdings muss niemand der 13 Freiwilligen und auch nicht der Seenotarzt in der kleinen Station der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) an der Sperrwerks-Schleuse Wache schieben. „Wir haben aber natürlich immer das Ohr am Handy“, sagt Vormann Rainer Wallhof. 15 Minuten benötigt die Crew, dann kann das Seenotrettungsboot „Paul Neisse“ in See stechen. Denn ein Teil der Mannschaft lebt und arbeitet auf Eiderstedt, der andere in Dithmarschen.

Normalerweise ist es im Winter recht ruhig. Denn nur sehr wenige Wassersportler sind noch auf Nordsee und Eider unterwegs. Dennoch, kurz nach dem Weihnachtsfest 2009 wurde die Mannschaft alarmiert. Es war ein trauriger Anlass, helfen konnte sie nicht mehr. Am Strand von St. Peter-Ording fand ein Seehundjäger am 27. Dezember einen Toten, einen Kilometer entfernt wurde sein kleines Segelboot entdeckt. „Es war nicht klar, ob noch weitere Menschen an Bord gewesen waren“, erinnert sich Wallhof. Und so machte sich das Team an diesem klaren und kalten Wintertag auf, das Meer vor St. Peter-Ording nach möglichen Verunglückten abzusuchen. Doch wie sich später herausstellte, war der Mann allein unterwegs gewesen – nur von seinem Hund begleitet. Der wurde allerdings nie gefunden. Der Einhandsegler war am Heiligabend bei ruhigem Wetter in Nordenham gestartet und wollte nach Helgoland. Doch am ersten Weihnachtstag frischte der Wind erheblich auf – am Tag in Böen bis Stärke acht und am Abend sogar bis Stärke zehn.

Bis zu 15 Einsätze fahren die Seenotretter vom Eidersperrwerk im Jahr. „Im Winter werden wir meist alarmiert, weil Wattwanderer in Not geraten sind“, sagt Wallhof. „Unsere Haupteinsatzzeit ist zwischen April und Ostern, wenn viele Wassersportler unterwegs sind.“ Dann gilt es entkräftete Kitesurfer, die vom Wind oder der Strömung abgetrieben worden sind, wieder an Land zu bringen, oder Seglern zu helfen, die sich verirrt haben. Denn das Wattenmeer ist kein einfaches Revier. Wind und Wellen ändern es immer wieder. Wo im Frühjahr noch ein Priel war, kann im Sommer schon eine Untiefe sein. „Und wer dann mit alten Seekarten unterwegs ist oder wie manche, nur mit einem Autoatlas, der bekommt schnell Probleme“, sagt Wallhof. Einmal haben sie sogar eine Motoryacht wieder von einer Deichböschung ziehen müssen. „Die saß so fest, dass wir auf das nächste Hochwasser warten mussten.“ Manche Skipper vergessen bei Ebbe den Anker zu werfen und so werden die Boote bei auflaufend Wasser immer weiter ins Flache getrieben. Aber auch zu Berufsschiffern werden sie geschickt, beispielsweise bei einem Maschinenschaden oder wenn ein Hydraulikschlauch geplatzt ist. Aber häufig blockiert auch die Schraube durch Treibgut, wie auch schon bei einem Besatzungsmitglied der Seenotretter geschehen, der von Beruf Fischer ist. Einsatzgebiet reicht im Süden bis kurz vor Büsum, wo der nächste große Seenotrettungskreuzer mit einer hauptamtlichen Mannschaft liegt, und im Norden bis zum Heverstrom vor Westerhever. Auf Nordstrand liegt dann ein weiterer DGzRS–Kreuzer, die „Eiswette“. Auf der Eider fahren die Eiderstedter bis zur Brücke bei Tönning oder auch schon mal bis Friedrichstadt. „Aber eigentlich gibt es keine Grenzen, wenn Hilfe benötigt wird“, sagt Wallhof. Für bis zu 30 Stunden reicht der Treibstoff, „natürlich nicht bei Vollgas“.

Alarmiert werden sie von der Einsatzleitstelle der DGzRS in Bremen, oder der Vormann trommelt die Crew per Handy zusammen. Dabei werden zunächst alle gerufen. Wer nicht kann, sagt ab. Die Einsatzstärke richtet sich nach dem Notfall. Wenn es einen Paddler an Land zu bringen gilt, reichen zwei Mann, bei einer Suchaktion müssen es schon mehr sein. Und nach Bedarf wird der Seenotarzt dazugeholt.

Nicht alle haben beruflich etwas mit der Seefahrt zu tun, aber alle haben eine Liebe zum Meer und sind aus Interesse und weil sie sich für andere Menschen einsetzen wollen, zu den Seenotrettern gegangen. Rainer Wallhof hat das Kapitänspatent für die große Fahrt. 1992 ist er allerdings an Land gegangen und seitdem Hafenmeister in Büsum. Marco Schnoor ist Fischer, Olaf Petersen Mitarbeiter im Eidersperrwerk und Achim Bruhns aus Garding Schiffsingenieur. Er selbst ist vor Jahrzehnten einmal in der Biskaya bei stürmischem Wetter in Seenot geraten. Der unbeladene Bananenfrachter hatte im Maschinenraum Feuer gefangen. „Wir mussten von Bord und haben die Nacht im Rettungsboot verbracht.“ Dieses Erlebnis brachte ihn zu den Seenotrettern. Zum Team gehören aber auch Landratten, wie ein Dachdecker, ein stellvertretender Schulleiter aus Heide, ein Computer-Fachmann und der Inhaber eines Hausmeister-Service.

Mit ihrem 10,10 Meter langen und 17 Knoten (gut 30 Stundenkilometer) schnellem Boot „Paul Neisse“ stechen sie im Notfall oder einmal in der Woche zur Übungs- und Kontrollfahrt in See. Benannt ist es nach einem Sponsoren, einem Hamburger Kaufmann, der einmal mit einem Kreuzfahrt-Schiff im Nordmeer festsaß.

Und was wünschen sich die Seenotretter von allen, die im Wattenmeer unterwegs sind? „Sie sollten sich genau über das Seegebiet und die Wetterlage informieren und mit einer geeigneten Ausrüstung unterwegs sein.“

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