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Weihnachten auf dem Bauernhof : Auch am Feiertag geht es in den Stall

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

110 Milchkühe und weiteres Vieh muss Christian Hinrichs in Osterhever täglich versorgen, werktags und feiertags. Doch er und seine Familie genießen ihr Leben auf dem Hof. Wenn nur nicht die Sorge um den Milchpreis wäre.

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2015 | 17:30 Uhr

Für Milchbauern gibt es keinen Feiertag, da heißt es auch an Weihnachten und an den Wochenenden zeitig aufstehen. So muss auch Landwirt Christian Hinrichs (40) aus dem Norderheverkoog in Osterhever wie immer früh ran. Die 110 Kühe melken, Silos abdecken, reichlich Futter mischen, die Ställe extra dick mit Stroh einstreuen und natürlich füttern und fegen. Auch die Bullen, Färsen und das Jungvieh müssen versorgt werden. Sein Bruder und ein 400-Euro-Jobber helfen dabei. Aber zu Weihnachten stand noch etwas Besonderes auf dem Programm: Lasse (6) und Mirja (1) zogen mit dem Papa von Haus zu Haus, durch den ganzen Koog, während Mutter Wencke (31) die letzten Vorbereitungen traf. Vor jeder Haustür wurde gesungen oder ein Gedicht aufgesagt. Und natürlich gab es etwas zur Belohnung. Zehn oder zwölf Nachbarn wurden besucht, wobei der letzte Halt am Haus der Großeltern in Osterhever gemacht wurde. Dort gab es zum Abschluss traditionell Hot Dog zum Mittagessen. Nach einer kurzen Mittagspause ging es weiter in die Kirche zum Krippenspiel. Lasse hatte seinen Text geübt, denn als Hirte musste er etwas sagen zum Stern über Bethlehem. Mirja durfte sich als kleiner Engel stumm über das Kind in der Krippe freuen.

Wieder zuhause warteten erneut die Kühe, Kälber und Bullen vor ihren Futterkrippen und hatten Hunger. Damit Christian Hinrichs schnell fertig werden kann, füttert der Opa die Kälber und Bruder Jan-Dirk melkt die Kühe. Und danach wurde es endlich gemütlich. Ein schönes Weihnachtsessen, der strahlende Tannenbaum, und dann kommt auch bald der Weihnachtsmann. Ob er den ferngesteuerten Trecker in seinem großen Sack dabei hat, den sich Lasse so wünscht? Fragt man Wencke Hinrichs nach ihren Wünschen, so steht bei ihr die Gesundheit der kleinen Familie an erster Stelle. Seit November wissen sie, dass Lasse an Diabetes erkrankt ist. Das bedeutet eine Umstellung in vielen Lebensbereichen und eine ständige Sorge. Doch am Heiligen Abend gab es leuchtende Kinderaugen, als die Geschenke ausgepackt wurden und Oma und Opa nachher nochmal vorbeischauten.

Und später, wie an jedem Abend, schob Christian Hinrichs vor dem Schlafengehen im Stall das Futter an und sah nach dem Rechten. Wie immer: Vielleicht muss ja eine kranke Kuh versorgt werden oder einem neuen Kalb auf die Welt geholfen werden. Doch das tut er gerne. Er ist ein leidenschaftlicher Landwirt, dem das Wohl seiner Tiere am Herzen liegt. Wünsche für das neue Jahr, die hat er schon. Auch bei ihm steht die Gesundheit von Mensch und Tier obenan. Doch eine große Sorge bleibt. Werden die Preise in 2016 besser sein? Bei einem Milchpreis von 25 Cent kann auch der tüchtigste Landwirt nicht wirtschaften, denn alle anderen Kosten steigen. Der Puffer der vergangenen Jahre ist weg, und die Betriebsprämie wird bis zum Sommer verbraucht sein. Und noch etwas betrübt den Landwirt. Es ist das schlechte Image der modernen Landwirtschaft. „Als Bauer fühlt man sich an den Pranger gestellt und muss sich immerzu rechtfertigen.“ Das macht ihm zu schaffen. Er arbeitet gerne in seinem Beruf, aber wenn es sich nicht lohnt, dann schwindet auch bei ihm die Lust daran.

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