zur Navigation springen

Schülerfragen an Politik und Verwaltung : Asylpolitik: Infotag für 260 Schüler

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Acht- bis Zehntklässler der Grund- und Gemeinschaftsschule Viöl-Ohrstedt-Haselund trafen in der Aula auf Politik und Verwaltung. Sie informierten sich über die Flüchtlingspolitik.

von
erstellt am 22.Jan.2016 | 07:00 Uhr

Kein Thema beschäftigt die Menschen in Deutschland derzeit mehr als die Flüchtlingsfrage. Gerade den Jugendlichen brennen viele Fragen unter den Nägeln, die insbesondere in der Schule, im Fach Wirtschaft und Politik, zur Sprache kommen. Grund genug für die WiPo-Lehrerin Lena Hartwig, alle 260 Acht- bis Zehnklässler der Grund- und Gemeinschaftsschule Viöl-Ohrstedt-Haselund zu einer Podiumsdiskussion zu bitten. Sie fand namhafte Vertreter aus Verwaltung und Politik für diese Runde: Amtsvorsteher Thomas Hansen, vom Kreis Felix Carl (Migrationssozialberatung) und Florian Krenz (Jugendamt) sowie Lars Christophersen, der in der Erstaufnahmeeinrichtung in Seeth für das Rote Kreuz die Betreuung der Flüchtlinge koordiniert und ihnen dort nach eigener Aussage „für acht bis zwölf Wochen eine sichere Insel“ bietet. Ihre politischen Standpunkte zu den Fragen der Schüler legten Matthias Ilgen (SPD), Tim Hanke (CDU) und Arfst Wagner (Grüne) dar.

Nach einer kurzen Einstimmungsrede von Lena Hartwig gaben alle Podiumsteilnehmer ein erstes Statement ab. In einem waren sie sich einig: Aus dem „Wir schaffen das“ der Bundeskanzlerin sei längst ein „Wir machen das“ geworden. So berichtete Thomsen Hansen, dass in der Viöler Amtsverwaltung derzeit zwei der 20 Mitarbeiter fast nur noch mit dem Thema Asylpolitik beschäftigt sind. 129 Flüchtlinge gebe es derzeit im Amt, eine weitere achtköpfige Familie sei ihm gerade für die kommende Woche angekündigt worden. Für diese und folgende Zuwanderer adäquaten Wohnraum zu finden, stelle derzeit die größte Herausforderung dar. Aktuell stünden 38 Mietwohnungen zur Verfügung. Da die Kapazitäten im Hauptort Viöl erschöpft seien, müssten die Flüchtlinge nun auch verstärkt auf die kleineren Umlandgemeinden verteilt werden. „Sollten wir irgendwann keine Wohnungen mehr finden, müssten wir unter Umständen auch hier rein“, sagte er mit Blick auf die Räume der Viöler Schule. Ein Hinweis, der bei den Schülern besorgte Fragen aufwarf, die es im Anschluss noch zu beantworten galt. „In der Regel verlässt niemand freiwillig seine Heimat“, sagte Tim Hanke und konfrontierte die Schüler auch mit dem Hinweis, dass mehr als die Hälfte von ihnen selbst einen Migrationshintergrund haben dürfte, denn nach dem Zweiten Weltkrieg seien viele Flüchtlinge und Vertriebene nach Viöl gekommen. „Fragt eure Großeltern danach“, riet er und formulierte seine Meinung zur Integration so: „Das muss zu schaffen sein. Das ist zu schaffen.“

Florian Krenz berichtete von vielen jugendlichen Zuwanderern, die derzeit „unbegleitet“ in Nordfriesland ankommen und vom Jugendamt betreut werden. Immer wieder staune er über die Widerstandsfähigkeit der jungen Menschen, die zum Teil ihre Eltern auf der Flucht verloren und Kriegsverletzungen erlitten hätten. Dennoch brächten sie einen unbändigen Lebenswillen mit und auch das Streben nach Wissen und Bildung. „Auch bei uns in Seeth ist der Ruf nach Schule und Unterricht groß“, bestätigte Christophersen.

Die erste Schülerfrage ans Podium betraf die Probleme der örtlichen Tafeln, die zu den vielen deutschen Bedürftigen nun zusätzlich auch einen Ansturm von Flüchtlingen zu verkraften hätten. Die Frage, ob das Angebot künftig noch für alle reichen werde, beantwortete Tim Hanke mit dem Hinweis: „Dafür ist genug Geld im System.“ Er mahnte, keine Neid-Debatte aufkommen zu lassen. Eine andere Schülerin machte sich Sorgen darüber, ob sie später noch eine Wohnung für sich finden könne, wenn der Wohnraum doch jetzt schon so knapp sei. Zur Entspannung der Situation, so Matthias Ilgen, werde ein Wohnungsbauprogramm für Flüchtlinge beitragen – ein Hinweis, den Thomas Hansen mit der Bemerkung quittierte, dass dies nur Sinn mache, wenn die Zuwanderer auch wirklich in der Region bleiben. Dies wiederum setze vor Ort ausreichend geeignete Arbeitsplätze voraus.

Auf die Frage nach der Kontaktaufnahme mit den Flüchtlingen, die aus verschiedenen Länder kommend so gut wie keine Deutschkenntnisse mitbringen, empfahl Lars Christophersen die non-verbale Kommunikation: „Ich spreche fließend Hand und Fuß“, sagte er. Dies sei auch die wichtigste Einstellungsvoraussetzung für alle, die sich um die Zuwanderer kümmern wollen. Glücklicherweise stünden auch viele „Alt-Ausländer“ als Dolmetscher zur Verfügung, ergänzte Felix Carl. Sie seien immer gerne bereit, zu kommen, um zu übersetzen. Zusätzlich würden nun aber auch einige Mitarbeiter seiner Behörde damit beginnen, an der Volkshochschule Arabisch zu lernen.

„Warum werden bei Asylanträgen Unterschiede gemacht, ob jemand Kriegs- oder Wirtschaftsflüchtling ist“? „Warum dürfen Asylbewerber nicht arbeiten?“ „Wächst die Terrorgefahr in Deutschland?“ „Besteht die Gefahr einer Ghetto-Bildung in den Unterkünften?“ Auf solche und andere Fragen erhielten die Schüler stets ausführliche Antworten und Erklärungen von den Podiumsteilnehmern, und dann fand Lars Christophersen auch noch die richtigen Schlussworte: „Wenn wir die Integration schaffen wollen, müssen wir den Zuwanderern Perspektiven bieten und uns unsere Offenheit bewahren. Dann ist es am Ende völlig unerheblich, wie viele Menschen auf einer Stelle unterbracht sind.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert