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Amt Mittleres Nordfriesland : Asylbewerber bevorzugen Stadtwohnungen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Von Januar bis einschließlich 10. Juni hat es im Amtsbereich Mittleres Nordfriesland 128 Zuweisungen gegeben – und die Tendenz sinkt. Die Neubürger bevorzugen eine zentrale Unterkunft.

„Die Lage entspannt sich“, so die Botschaft von Jessica Mühlenbeck, Leiterin Team Integration beim Amt Mittleres Nordfriesland. In der jüngsten Sitzung des Amts-Hauptausschusses gab sie einen Zwischenbericht über die aktuelle Flüchtlings-Situation.

Von Januar bis einschließlich 10. Juni habe es 128 Zuweisungen gegeben. „Das macht einen Schnitt von 5,5 pro Woche – mit sinkender Tendenz“, so Mühlenbeck. Diese Zahlen entsprächen auch der neuesten Mitteilung des Kreises Nordfriesland für das gesamte Kreisgebiet (wir berichteten). Aktuell wohnen im Amtsbereich inklusive der anerkannten Neubürger 451 Migranten in angemieteten Wohnungen. Dabei sind 90 aus Afghanistan, 213 Syrien, elf Albanien, 18 Armenien, sieben Serbien, neun Jemen, sechs Russland, 80 Irak, drei Iran, vier Kosovo, sowie sechs aus Mazedonien. Bei zwei Eingereisten ist die Herkunft noch nicht hundertprozentig geklärt. Derzeit werden bei Neuankömmlingen Wohnungen in Bredstedt bevorzugt.

Syrer, Iraner, Iraker und Eritreer hätten die größten Chancen, hier bleiben zu dürfen. Diejenigen aus anderen Nationen müssten voraussichtlich wieder in ihr Heimatland zurückkehren – es sei denn, sie haben bereits einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz oder sind krank. Durch das Amt sind derzeit 124 Wohnungen und Gebäude angemietet worden, drei weitere Unterkünfte gehören der Behörde selbst. „Zurzeit befinden sich vier Wohnungen im Kündigungsverfahren. Bei bleibender Zuweisung werden sukzessive weitere Wohnungen gekündigt, um eine Leerstandsfinanzierung zu vermeiden. Zudem bemühen sich einige Zugewanderte, unseren Mietvertrag zu übernehmen“, so Mühlenbeck.

In Bargum leben drei Personen, Bohmstedt 27, in Bordelum 44, Bredstedt 226, Breklum 48, Drelsdorf 13, Goldelund 19, Högel vier, Kolkerheide drei, Langenhorn 33, Langenhorn-Mönkebüll fünf, Sönnebüll vier, sowie Struckum 22. „Es wird weiter am Aufbau des Netzwerkes im Amtsgebiet gearbeitet. Dank der Ehrenamtler läuft es gut“, so Mühlenbeck. Derzeit finden folgende Maßnahmen oder Veranstaltungen statt: monatliche Treffen mit den bisher 34 Freiwilligen, gesonderte Besprechungen alle vier bis fünf Wochen mit den ehrenamtlichen Lehrern der in Breklum, Bredstedt, Drelsdorf, Bordelum, Bohmstedt und Dörpum stattfindenden Deutschkurse jeweils alle vier bis fünf Wochen sowie der Aufbau des Ehrenamtes mit bisher fünf zugewanderten Helfern. Außerdem wird das Online-Portals zur besseren Information und Vernetzung untereinander installiert, oder ein monatliches „Frauencafé“ der Landfrauen angeboten, wobei ein regelmäßiges Kochprojekt in Planung ist. Für die Feuerwehren wird an einem ähnlichen Konstrukt gearbeitet.

Die Lebenshilfe bietet eine Krabbelgruppe an. Wegen eines Familientreffs wurden Gespräche mit dem Diakonischen Werk geführt. „Ich werde an die Vereine herantreten, um noch mehr Menschen mit in die Integrationsarbeit einzubinden. Auch eine Verkehrserziehung ist in Planung“, so Mühlenbeck. Derzeit laufe eine Befragungsaktion unter den Neubürgern, aus der Erkenntnisse über passgenaue Integrationsangebote gewonnen werden sollen.

Bredstedts Bürgermeister Knut Jessen fragte nach, ob nicht von Seiten des Amtes mehr Einfluss auf den Zustand einiger Immobilien genommen werden könne. Es dürfe nicht sein, dass Mieten kassiert, aber nichts investiert werde. Einige Wohnungen in Nähe des Marthaplatzes halte er für äußerlich bedenklich. Genau solche Wohnungen, so Mühlenbeck, würden gerade abgestoßen. Noch vor einem halben Jahr sei jedes Domizil mangels Knappheit willkommen gewesen. Ansonsten müsse man aber auch dem anderen Lebensstil akzeptieren – beispielsweise die Anbringung dunkler Vorhänge an Fenstern. Egal, wie es oft aussehe, so Joldelunds Bürgermeister Rainer Hansen, die Innenstadt erfahre durch die Menschen aus anderen Kulturen eine Belebung. Das sei ein positiver Aspekt und zudem eine Chance.

Die Menschen müssten aber auch schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden, appellierte Jessen. Das würde sich hoffentlich bald durch die Novellierung des einschlägigen Gesetzes ändern. „Außerdem ist eine Praktikumsbörse in Planung“, erklärte Mühlenbeck. Arbeitgeber, Arbeitsagentur, Kreis NF und das Sozialzentrum sollen mit ins Boot. Die Frage aus der Runde, ob genügend Kita-Plätze für die Kinder der Neubürger vorgehalten werden, beantwortete Mühlenbeck mit Ja. Was noch fehle, sei eine Kita-Datenbank. Auch diese sei aber in Planung. Das Fazit von Amtsvorsteher Hans-Jakob Paulsen: „Für mich ist deutlich geworden, dass die Probleme mit Augenmaß angegangen werden. Danke für das haupt- und ehrenamtliche Engagement.







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