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Sozialer Zweck : Arbeiten ohne Gewinn-Maximierung

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk, Husumer Werkstätten, Radstation: Hier werden Service-Leistungen angeboten, die nicht gewerblich sind.

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erstellt am 26.Okt.2017 | 13:00 Uhr

Produzieren, Reparieren, Service leisten: Diese Leistungen werden in Husum nicht nur von Gewerbetreibenden erbracht, sondern auch von Institutionen, die sozialen oder integrativen Zwecken dienen. „In Absprache und Zusammenarbeit mit der freien Wirtschaft, nicht in Konkurrenz“, betont Hans-Jürgen Vollrath-Naumann, Leiter des Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerks (TSBW). Hier werden Menschen mit Körper- oder Lernbehinderung in 60 verschiedenen Berufen ausgebildet. „Ein breites Spektrum: Wir haben Tischlerei, Malerei, Raumausstatter, eine Auto-Lackiererei, reparieren Zweiräder und Rasenmäher und vieles mehr.“ Die Hälfte aller 470 Auszubildenden, von denen die meisten in der Einrichtung wohnen, sei im handwerklichen Bereich tätig.

Die Arbeit werde zu „fast marktgerechten Preisen“ angeboten, um keinen unfairen Wettbewerb aufkommen zu lassen, so Vollrath-Naumann weiter. „Wir liefern Qualität, aber es dauert länger.“ Denn alle Tätigkeiten seien nur Mittel zum Zweck: „Wir wollen die bestmögliche Ausbildung bieten – und das geht nur, wenn an vielen verschiedenen Werkstücken gearbeitet werden kann.“ Das TSBW sei aber ohnehin mehr ein Zulieferer für lokale Firmen: „Daher nehmen wir denen keine Aufträge weg, ganz im Gegenteil.“ Ohnehin erfolge die Ausbildung im TSBW in enger Abstimmung mit den Obermeistern der Innungen. „Und das verzahnt sich: Unser Raumausstatter-Meister etwa ist selbst der Obermeister in Nordfriesland.“

Die Erlöse aus den Aufträgen fließen unmittelbar ins TSBW zurück, einiges auch direkt in die Ausbildung, etwa für die Anschaffung von Spezialwerkzeug. „Die jungen Leute bekommen zwar kein höheres Taschengeld, aber wir finanzieren damit Ferien-Freizeiten oder kaufen einem Auszubildenden auch schon mal ein neues Sakko für ein Bewerbungsgespräch“, sagt Vollrath-Naumann. Ziel sei eben nicht Gewinnmaximierung, sondern die Finanzierung von zusätzlichen Leistungen für die Jugendlichen.

Eine andere Zielsetzung verfolgen die Husumer Werkstätten. Auch hier wird – in 22 verschiedenen Arbeitsbereichen – repariert und produziert, aber: „Wir bilden nicht aus, sondern qualifizieren nur“, so Leiter Okke Peters. „Die Menschen mit Behinderungen, die wir beschäftigen, sind nicht ausbildungsfähig.“ Stattdessen bieten die Werkstätten ihnen Arbeitsplätze an, die denen in der freien Wirtschaft sehr nahe kommen. „Damit schaffen wir die Möglichkeit, auch auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen“, sagt Peters und ist stolz darauf, dieses Jahr bereits fünf seiner Schützlinge entsprechend vermittelt zu haben. Auch die Werkstätten fungieren oft als Auftragnehmer der Wirtschaft: „In unserem größten Arbeitsbereich, der Industriemontage, fertigen wir zum Beispiel Baustellenlampen, Weidezaungeräte und Kondensatoren für entsprechende Firmen.“

Die erwirtschafteten Erträge müssen zu mindestens 70 Prozent als Lohn und Gehalt an die Beschäftigten weitergegeben werden: „Dazu sind wir gesetzlich verpflichtet“, so Peters. Die restlichen 30 Prozent werden für Rücklagen oder Investitionen benötigt. Der Erhalt der Werkstätten selber wird über Vergütungen des Kostenträgers finanziert, des Kreises Nordfriesland.

Fremdfinanziert wird auch die Radstation im Bahnhof, die ein Projekt des Diakonischen Werks Husum ist. Die unterhält die Einrichtung für die Fahrrad-Bewachung und -Ausleihe mit zusätzlichen Mitteln von und in Kooperation mit Stadt und Kreis. „Die Station spielt im übergeordneten Mobilitätskonzept eine wichtige Rolle“, so Georg Kröger vom Diakonischen Werk. Zehn Mitarbeiter sorgen für den Service, der auch kleine Reparaturen umfasst, sagt Mitarbeiterin Regina Schmitz. „Aber nur sehr eingeschränkt, wir sind ja keine gewerbliche Werkstatt und wollen hier auch nicht in Konkurrenz treten.“ Einen Schlauch wechseln oder einen neuen Sattel montieren, um einem Radfahrer nach einer Panne zu helfen, sei aber kein Problem. „Und manchmal bauen wir auch Räder neu auf: Bekommen wir ein altes als Sachspende, versuchen wir, es wieder zu flott zu machen“, erläutert Schmitz. „So können wir zum Beispiel dem Sozialzentrum helfen, wenn es jemanden hat, der ein Fahrrad braucht.“

Kontakt: TSBW, Theodor-Schäfer-Straße 14-26, Telefon 04841/89920; Husumer Werkstätten, Dieselstraße 14, Telefon 04841/ 9870; Radstation im Bahnhof, Poggenburgstraße 12, Telefon 04841/805550.

 

 

 

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