Trauerseeschwalbe : „Arbeit ist vergebens“: Vogelschützer gibt auf

Eine der letzten ihrer Art?  Jedes Jahr kommen weniger Trauerseeschwalben nach Eiderstedt.
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Eine der letzten ihrer Art? Jedes Jahr kommen weniger Trauerseeschwalben nach Eiderstedt.

Der anerkannte Experte Claus Ivens gibt sein offizielles Engagement für den vom Aussterben bedrohten Vogel aus Enttäuschung über die Landesregierung auf. Es werde nicht schnell genug gehandelt, sagt er.

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14. Juni 2014, 18:00 Uhr

Kotzenbüll | Jahrzehntelang hat sich Claus Ivens für den Schutz der Trauerseeschwalben auf Eiderstedt eingesetzt, nun gibt er auf. „Ich will nicht ihr Sterbebegleiter sein“, sagt der 73-jährige Landwirt aus Kotzenbüll. Die Zahl der Brutpaare ist in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken. Schon lange mahnt der Experte die Verantwortlichen, dass Wassermanagement auf der Halbinsel anzupassen, damit die Tiere ausreichend Nahrungsfische in den Gräben vorfinden. „Wir müssen doch nicht bis zum letzten Tropfen schöpfen.“ Claus Ivens ist sehr enttäuscht vom mangelnden Engagement der Behörden zum Schutz des seltenen Vogels. „Es dauert einfach zu lange. Seit zehn Jahren wird nur geredet und nichts passiert.“ Er habe immer wieder auf die Probleme hingewiesen. „Wir verlieren doch nicht nur den Vogel, sondern auch einen ganzen Lebensraum“, betont Ivens. Laut den Wiesenvogel-Zählungen vom Michael-Otto-Institut im Nabu, Bergenhusen, außerhalb des EU-Vogelschutzgebiets nimmt nämlich auch deren Zahl ab. Und auch die Untersuchungen im Gebiet zeigen die gleiche Tendenz (wir berichteten). Die Trauerseeschwalbe war ein wesentlicher Grund für die Ausweisung im Jahr 2009 gewesen.

In diesem Jahr haben sich nur 15 Brutpaare der Trauerseeschwalbe in Eiderstedt eingefunden. Im vergangenen Jahr waren es noch 21 Paare, die 21 Küken aufgezogen haben. Ende der 1960er Jahre gab es sogar 800 Paare. Doch der Wandel in der Landwirtschaft traf neben anderen Vogelarten auch die Trauerseeschwalbe. Im Jahr 2000 wurden nur noch 55 Paare gezählt. An diesem „Sinkflug“ konnte bislang auch die Einrichtung des Vogelschutzgebiets nichts ändern. Laut Ivens ist das größte Problem, dass der Wasserstand in den Gräben so niedrig gehalten wird, damit die Äcker und Weiden im Frühjahr und Sommer nach Regenfällen möglichst schnell befahrbar sind. Der zuständige Deich- und Hauptsielverband Eiderstedt will die Wasserstände künftig über eine Fernsteuerung betreuen – zum Schutz der Wiesenvögel. Die Maßnahme aus dem Managementplan für das Vogelschutzgebiet wird von der Landesregierung unterstützt. Doch bislang ist erst ein Sielverband angeschlossen. Zu wenig, findet Ivens.

Dass es überhaupt noch Trauerseeschwalben auf Eiderstedt gibt, ist Ivens zu verdanken. Dafür wurde er von den Lesern der Husumer Nachrichten zum Menschen des Jahres 2011 gewählt, landesweit kam er auf den dritten Platz. Seit seiner Jugend engagiert er sich für den Vogel. Seit 1989 bringt er gemeinsam mit Mitgliedern des Naturschutzbundes Kiel (Nabu) jedes Frühjahr Brutflöße auf Tränkekuhlen in den Weiden Eiderstedts aus. Ohne diese Nisthilfen wäre der Vogel vermutlich längst verschwunden. Denn natürliche Brutplätze wie Pflanzeninseln in Gewässern finden sich auf Eiderstedt nicht mehr. Darüberhinaus hat Ivens vor einigen Jahren mit dem Verein Weideland auch eine Art Nahrungshilfe für die Vögel gestartet, die vom Land gefördert wird. Im Frühjahr setzte er Stichlinge und Moderlieschen in Gräben in der Nähe der Brutkolonien ein. „Doch wenn sie dann zu sehr entwässert werden, dann sterben die Fische. Und der Regen bringt keine neuen.“

Aber mit seinem Einsatz ist nun Schluss. Und auch Jürgen Nelting aus Westerhever, der sich zusammen mit Ivens sehr für die Trauerseeschwalbe engagiert und nach eigenen Angaben einige 10.000 Euro in sein Land für Tränkekuhlen und Gräben gesteckt hat, hört auf. Ein schwerer Schlag für den Vogelschutz. Denn auf seinem Land befindet sich mit zwölf Brutpaaren die größte Kolonie des zierlichen dunklen Vogels. Auch er ist sehr enttäuscht. „Ich habe die Schnauze voll. Die Vertreter von Behörden und Ministerien, die hier waren, scheinen nicht das geringste Interesse daran zu haben, die Vorschriften durchzusetzen.“ Er will Umweltminister Robert Habeck die letzten Brutflöße im Herbst bringen. Die Maßnahmen Brutflöße und Nahrungsfische an sich , wie sie der Managementplan für das EU-Vogelschutzgebiet vorsieht, werden aber fortgeführt. Der Diplom-Biologe Frank Hofeditz aus Husum und seine Kollegin Sabrina Langhans aus Hamburg haben den Auftrag übernommen. „Wir arbeiten jetzt mit Claus Ivens zusammen und lernen viel. Wir werden auf dieselben Kuhlen zurückgreifen. Denn schließlich ist das Umfeld wichtig“.

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