Essen in Gemeinschaft : Appetit auf Gesellschaft

In der Küche geht es immer lustig zu: (v. l.) Anni, Gudrun, Hannelore, Ingrid und Anke haben bei den Vorbereitungen viel Spaß.
In der Küche geht es immer lustig zu: (v. l.) Anni, Gudrun, Hannelore, Ingrid und Anke haben bei den Vorbereitungen viel Spaß.

Das Frühstück in Gemeinschaft für Alleinstehende von Tondern-Treff und Sozialverband Bredstedt ist ein Renner.

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14. August 2018, 13:00 Uhr

An jedem zweiten und vierten Donnerstag im Monat ist es soweit. Dann strömen gut gelaunte Menschen in den Tondern-Treff in der Osterstraße zum gemeinsamen Frühstück. Gedacht ist das Angebot für alle Alleinstehenden über 60 Jahren – und das gilt nicht nur für Bredstedter. „Willkommen sind auch alle aus den zum Amt gehörenden Gemeinden“, sagt Dörte Stöber vom Tondern-Treff-Team.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Margret Werth erledigt sie die Einkäufe. Vorbereitet werden die Platten dann von freiwilligen Helfern in der Küche. Frühstücken können hier alle Angemeldeten zum Selbstkostenpreis. Doch das Ziel ist ein ganz anderes. „Es soll ein netter Rahmen zum schnacken sein. Viele frühstücken ansonsten alleine“, sagt Stöber.

Der Erfolg gibt dem Team Recht, die Nachfrage ist groß, die Räumlichkeiten aber begrenzt. Mehr als 60 Teilnehmer finden hier keinen Platz – wenn es gemütlich bleiben soll. Anmelden darf sich jeder der möchte, aber nur einmal im Monat, sagt Dörte Stöber. So hat jeder einmal die Chance, dabei zu sein. „Und das haben wir bisher noch immer möglich gemacht“, ergänzt Margret Werth.

„Es gibt keine festen Plätze. Irgendwann hat einmal eine Dame versucht, ihre Handtasche auf den Stuhl zu legen. Dann mache ich das wie mit den Handtüchern in Spanien“, sagt Dörte Stöber lachend. Einen kleinen Trick haben sich die Frauen zusätzlich einfallen lassen, um das zu verhindern. „Wir stellen die Tische um. So sieht es hier immer wieder anders aus, und jeder hat mal neue Nachbarn.

Die Platten sind schon eine Augenweide für sich. Liebevoll sind auf ihnen Schinken und Lachs, Zwiebelmett, Speck, Eier, verschiedene Käsesorten und viel Obst und Gemüse angerichtet. Helfer verteilen sie auf die gedeckten Tische. Dazu gibt es Brot und Brötchen. „Na? Schmekt jem dat?“, wird in die Runde gefragt. Klar, signalisieren die Teilnehmer. Die Stimmung ist ausgelassen, an allen Ecken und Kanten wird aufgeregt erzählt. Es geht um viele tausend Dinge: Garten, Fernsehen, Bekannte. Eine aus der Runde ist Irmi. Sie ist 86 Jahre alt. „In Gesellschaft schmeckt es viel besser“, sagt sie, und damit spricht sie aus, was wohl viele denken. „Und für zu Hause hole ich mir keine Wurst – die wird bloß schlecht“, fügt sie hinzu. Auch Helga ist begeistert: „Hier ist immer eine so schöne Atmosphäre.“

Ein paar Reihen weiter sitzt Johann. Er ist 91 und kommt aus Breklum-Feld. 16 Urenkel hat er schon, berichtet er stolz. Sein Geheim-Rezept für das Leben und für hier: „Ich bin immer fröhlich und schnacke hier mit jedem, ich setze mich bei jedem hin. Wichtig ist es, auf Menschen zuzugehen.“ Damit hat er Erfolg. Johann fährt nie alleine nach Bredstedt. Er spielt Taxi für drei, manchmal vier Mitfahrerinnen, die er in Riddorf abholt. „Ich fahr da ja sowieso an deren Tür vorbei“, sagt er. Eine Fahrgemeinschaft, die sich bewährt hat. „Wir sind seit drei Jahren hier – jeden Monat.“

Das Highlight an diesem Vormittag ist der Nachtisch. Heute gibt es Vanilleeis mit Erdbeeren. Dann nähert sich das Frühstück dem Ende. Eine Dreier-Gruppe von Besucherinnen will sich anschließend noch bei einer von ihnen auf einen Eis-Bommi treffen. „Wir haben ja sonst nichts vor“, sagt eine von ihnen heiter.

Während in der Küche noch aufgeräumt wird, leert sich der Raum – begleitet von fröhlichen Unterhaltungen. „Für das nächste Mal haben wir jetzt schon 26 Neuanmeldungen“, freut sich Dörte Stöber. Und Margret Werth ergänzt: „Sie sind alle so unendlich dankbar – und das ist ein Zeichen dafür, dass man es richtig macht.“

Dörte Stöber und Margret Werth sind Angestellte der Stadt Bredstedt. Sie sind werktags von 9 bis 11 Uhr im Gebäude der Elsbeth-und-Werner-Tondern-Stiftung in der Osterstraße 28 zu finden und auch telefonisch unter 04671/943 26 96 erreichbar.

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