Foto-Ausstellung in Garding : Apokalyptische Bilder

Fotokünstler Eduardo Pampinella vor zwei seiner Werke.
Fotokünstler Eduardo Pampinella vor zwei seiner Werke.

Der Künstler Eduardo Pampinella zeigt „Paralax Dimensions I+II“ im Alten Rathaus in Garding. Die Ausstellung ist noch bis zum 22. Juni zu sehen.

shz.de von
23. Mai 2018, 11:00 Uhr

Er macht das Unsichtbare sichtbar und verleiht so seinen Werken eine surreale Dramatik, die zutiefst berührt, verstört, irritiert, ja, oft das mulmige Gefühl drohenden Unheils schürt: Fotokünstler Eduardo Pampinella, dessen aktuelle Ausstellung „Paralax Dimensions I+II“ bis zum 22. Juni im Alten Rathaus in Garding zu sehen ist. Von „apokalyptischen Bildern“ und einer „metaphysisch angehauchten Bildsprache“ sprach denn auch Kurt Riggert in seiner Eröffnungsrede. Der sperrige Titel der Ausstellung verweist schon darauf, worum es Pampinella geht: um eine veränderte Wahrnehmung durch Verfremdung, um die Verschiebung des inneren Standpunktes. Mit einer Infrarot-Kamera macht der Künstler aus Tönning eine Realität sichtbar, die das menschliche Auge normalerweise nicht sieht. Das geschieht, wenn er Wolkenberge aus einem scheinbar glasklaren Himmel holt und dessen strahlendes Blau in düsteres Schwarz verwandelt, das sich unheilvoll über eine leuchtende Sommerlandschaft spannt. Oder wenn er eine einzelne Boje in den Fokus rückt, deren kraftvolles Grün in krassem Kontrast zu dem dunklen Wasser und diffusen Horizont steht. Oder wenn ein einsamer, brauner Holzsteg in die unendliche Weite eines stahlgrauen Meeres führt. Es sind die Kontraste, die Pampinellas Bilder so reizvoll machen, sein Spiel mit Licht und Schatten, seine spannenden Perspektiven, sein Blick für das Außergewöhnliche und scheinbar Unscheinbare, seine hintergründige Kritik, die in allen Arbeiten mitschwingt. Farbe reduziert der Künstler bei seinem Landschaftsaufnahmen oft so drastisch, dass sie nahezu schwarzweiß wirken: Nur die für sein Bild wichtigen Inhalte bleiben intensiv farbig und lenken so das Augenmerk des Betrachters auf das, was Pampinella wichtig ist.

In die Themenbereiche Marokko und Landschaften aus Schleswig-Holstein und Dänemark untergliedert, entführt der gebürtige Argentinier, der in Buenos Aires Fotografie studierte, in fremde, „verfremdete“ Welten, die den Blick öffnen für das, was hinter dem Sichtbaren liegt. Wie intensiv der Einzelne das wahrnimmt, überlässt Pampinella gern dem Betrachter. So verzichtet er in der Ausstellung denn auch auf Bildtitel: Jeder soll sich unbefangen seinen Arbeiten nähern, eigenen Gedanken und Assoziationen Raum geben und Emotionen freisetzen. Das geschah bei der Eröffnung der Ausstellung nicht zuletzt dank vier kurzer, experimenteller Filme, mit denen Pampinella eindrucksvoll unterstrich, was ihn am Medium Film fasziniert: Bewegung, Statik und Musik.

Die Ausstellung „Paralax Dimensions I+II“ von Eduardo Pampinella ist bis 22. Juni im Alten Rathaus in Garding zu sehen. Geöffnet ist donnerstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr sowie dienstags von 10 bis 13 Uhr.

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