zur Navigation springen

Angst vor Schweine-Dunst : Anwohner empört über Maststall

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Simonsberger Ortsteil Finkhaushallig soll ein weiterer Stall für knapp 3000 Schweine entstehen. Laut einer Umweltverträglichkeitsstudie, die vom Landwirt selber vorgelegt wurde, sind keine erheblichen Beeinträchtigungen zu erwarten. Die Anwohner sehen das anders.

Emotionsgeladene Stimmung herrschte in der Mehrzweckhalle im Simonsberger Ortsteil Finkhaushallig. Bürgermeisterin Angela Feddersen hatte zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Der Grund hierfür stand mit großen Buchstaben auf einer Leinwand geschrieben: „Erweiterung einer Anlage zum Halten von Mastschweinen in Simonsberg“. Was das genau heißt, erläuterte Landwirt Sönke Knudsen, der sich zusammen mit seiner Frau Anne-Maren Knudsen den Fragen der Bevölkerung stellte. Demnach sollen seine Stallungen in Finkhaushallig um knapp 3000 Mastplätze erweitert werden. Damit soll der Betrieb auch in Zukunft wirtschaftlich bleiben. Noch bis zum 27. Dezember kann die Bevölkerung Einsicht in die umfangreichen Unterlagen in der Amtsverwaltung in Mildstedt nehmen und bis zum 17. Januar ihre Bedenken und Anregungen zu dem Projekt äußern. Genehmigungsbehörde ist das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Flensburg. Auch dort können die Pläne eingesehen werden. „Daraus geht alles hervor“, so die Bürgermeisterin. Dazu gehöre auch eine ausführliche Umweltverträglichkeitsstudie. Hierfür hatte Antragsteller Knudsen das Ingenieurbüro Oldenburg beauftragt.

Das Ergebnis der Untersuchungen stellte Prof. Dr. Jörg Oldenburg aus Oederquart (Niedersachsen) vor. In Nachbarschaft zum landwirtschaftlichen Betrieb gebe es Gebiete mit Schutzansprüchen. Hier müssten die Immissionswerte eingehalten werden. Die Geruchswahrnehmungsgrenze sei durch den Gesetzgeber festgelegt worden. Um künftige Werte berechnen zu können, seien Zehnjahreswerte berücksichtigt worden. „Innerhalb dieses Zeitraums sind kaum signifikante Abweichungen nachweisbar“, so der Fachmann. Dennoch gebe es Probleme. „Auch wenn die Immissionswerte eingehalten werden, können die Gerüche trotzdem wahrgenommen werden.“ Entscheidend sei, dass die vom Gesetzgeber festgelegten Immissionswerte eingehalten werden, nicht die wahrnehmbaren Gerüche.

Ein weiterer Punkt war die Abstandsregelung, die ebenfalls gesetzlich vorgegeben sei. Auch auf die Ammoniakemission ging Oldenburg ein. Hier gehe es jedoch nicht um Wohnbebauung, sondern um die angrenzenden Biotope. Sein Fazit lautete: „Die Umweltverträglichkeitsstudie zeigt auf, dass keine unmittelbaren und mittelbaren sowie keine erheblichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind.“ Und damit löste er eine Welle der Empörung unter den mehr als 100 Zuhörern aus. „Sie haben vieles wegdiskutiert, schon jetzt stinkt es ekelerregend“, schimpfte ein Zuhörer. „Sie unterschätzen die menschliche Nase.“ Auch die Auswirkungen der Gülle auf das Grundwasser sei in seinem Bericht nicht ansatzweise erwähnt worden. Noch mehr Belastung für die Gesundheit sei nicht mehr hinnehmbar, stellte ein weiterer Bürger unmissverständlich klar. „Ich kann im Sommer das Fenster nach Westen nicht mehr öffnen, geschweige denn in den Garten gehen.“ Der Bericht sei unausgewogen und ganz klar ein Plädoyer für das Vorhaben. „Ich vermisse eine kompetente Person, die Kontra gibt.“

Und es gab noch ein weiteres Problem, das während der Diskussion zum Vorschein kam. „Seit wann wussten sie von der Absicht des Landwirtes", wollte eine Zuhörerin wissen. Seit Juli 2013 würde sich der Gemeinderat mit dieser Thematik befassen, lautete die Antwort der Bürgermeisterin, die seit Juni im Amt ist. Der Antrag sei jedoch bereits 2011 gestellt worden, lautete es aus dem Publikum. Dann meldeten sich Einwohner, die im Frühjahr Bauplätze von der Gemeinde erworben hatten. „In dem Kaufvertrag wurde darauf hingewiesen, dass die Anwohner mit Gerüchen zu rechnen hätten“, so eine Betroffene. Weiter sei in dem Vertrag festgehalten, dass der Käufer keine Möglichkeit habe, dagegen etwas unternehmen zu können. „Zu diesem Zeitpunkt wusste die Gemeinde bereits von den Erweiterungsplänen und den damit verbundenen möglichen Geruchsbelästigungen, ich fühle mich von der Gemeinde hintergangen“, so die Betroffene weiter. Hier handele es sich eindeutig um industrieelle Tierhaltung.

Bürgermeisterin Angela Feddersen stellte am Schluss der Veranstaltung nochmals klar, dass die ausgelegten Unterlagen auf fast alle Fragen eine Antwort geben. Man müsse sich allerdings sehr viel Zeit nehmen, da die Umweltverträglichkeitsstudie sehr umfangreich sei.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen