Das etwas andere Kino in Husum : Anspruch und Abwechslung garantiert

Die Geschichte von „Zwei Tage, eine Nacht“ – hier ein Szenenbild mit Marion Cotillard – macht am Dienstag, 13. Januar, den Anfang.
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Die Geschichte von „Zwei Tage, eine Nacht“ – hier ein Szenenbild mit Marion Cotillard – macht am Dienstag, 13. Januar, den Anfang.

Nach dem verheißungsvollen Auftakt 2014 legt Husums Filmklub jetzt nach – das neue Programm fördert wieder eine Reihe von cineastischen Schätzen ans Tageslicht.

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09. Januar 2015, 21:00 Uhr

Was Kinofilme mit dem richtigen Leben zu tun haben? Nun, das hängt sehr wesentlich davon ab, inwieweit Regisseure dem richtigen Leben Eingang in ihre Filmprojekte verschaffen. Jean-Pierre und Luc Dardenne gelingt das mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit. Mehr noch: Ihre filmischen Sozialstudien sind keine Dramen im herkömmlichen Sinn, sondern Sozial-Thriller mit beängstigendem Realitätsbezug zu Amazon und Co..

Die Geschichte von „Zwei Tage, eine Nacht“ (Belgien, Frankreich 2014), mit der Husums Filmklub am Dienstag, 13. Januar, um 19.30 Uhr in die neue Saison startet, ist das cineastische Spiegelbild einer zunehmend entsolidarisierten Gesellschaft, die puren Egoismus als besondere Form des Individualismus zelebriert. Und das hat mehr mit unserem täglichen Leben zu tun als manch vorsichtiger Blick aus der Komfortzone vermuten lässt. Dass der Streifen auch Toleranz und menschliche Wärme erkennen lässt, sollte nicht nur dem Drehbuch und den ausgezeichneten Darstellern zugeschrieben werden, sondern auch dem Publikum zu denken geben.

Es ist kurz vor Weihnachten. Der Chef einer kleinen Firma stellt seine Mitarbeiter vor eine zynische Entscheidung: Wenn sie auf ihre jährliche Bonus-Zahlung verzichten, kann eine junge, alleinerziehende Mutter ihren Job behalten. Wenn nicht  .  .  . Doch die Kollegen brauchen das Geld, und so scheint zunächst alles gegen die junge Mutter (Marion Cotillard) zu laufen. In Einzelgesprächen gelingt es ihr dann aber doch, die übrigen Angestellten umzustimmen.

Die belgischen Brüder Dardenne haben mit „Rosetta“ (1999) und „Das Kind“ (2005) bei den Filmfestspielen in Cannes bereits zwei Goldene Palmen abgeräumt. „Zwei Tage, eine Nacht“ ist ihr neuester Film.

Nach dem verheißungsvollen Auftakt 2014 hat der Filmklub im Kino-Center auch für das erste Halbjahr 2015 ein Programm zusammengestellt, das sich sehen lassen kann. Darunter Klassiker wie „Die Sünderin“ (1951) von Willi Forst, in dem eine kurze Nacktszene von Hildegard Knef vor allem den Bayern schwer zusetzte und eine langjährige Tradition des Bayrischen Rundfunks begründete, sich immer dann vom Sendebetrieb zu verabschieden, wenn seinen Bürgern Inhalte drohten, die nicht mit denen der bajuwarischen TV-Selbstkontrolle übereinstimmten. Das eigentliche Thema des Films – Inszest, Prostitution, Selbstmord und Sterbehilfe – geriet über diese moralinhaltigen Debatten glatt zur Nebensache. Ein Stück Film- und Gesellschaftsgeschichte der Republik mit einer Hauptdarstellerin, die als „Sünderin“ über Nacht zum Star wurde.

Darüber hinaus dürfen sich die Filmklub-Freunde auf Jim Jarmusch („Only Lovers Left Alive“), John Currans „Spuren“ und Slatan Dudows „Kuhle Wampe“ freuen. Und in Zusammenarbeit mit dem Husumer Kunstverein wird es erstmals eine Reihe geben, die das Thema Kunst in den Blickpunkt rückt. Einer dieser Filme ist „The Artist is present“ von und mit Marina Abramovic. Und natürlich werden die Filmklub-Enthusiasten auch 2015 ihre Tradition fortsetzen, an jedem Abend einen Vorfilm zu zeigen.

Das gesamte Programm, das – wie schon im Vorjahr – von der Husumer Volksbank unterstützt wird, ist in Papierform (unter anderem im Kino-Center) oder unter www.filmklub-husum.de im Internet erhältlich. Und wer nicht nur passiv dabei sein, sondern eigene Filme vorschlagen und sich aktiv an der Programmgestaltung beteiligen möchte, kann sich in entsprechende Listen eintragen. Außerdem soll der Filmklub noch in diesem Jahr in einen Verein umgewandelt werden. Übrigens: Entgegen der Ankündigung im Vorwort des Programheftes besteht nach der Vorstellung auch weiterhin die Möglichkeit zur Nachbereitung auf der Neustadt – in Hartmann’s Landküche, die eigens dafür öffnet.

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