zur Navigation springen
Husumer Nachrichten

20. Oktober 2017 | 20:05 Uhr

Anna liebt Linien, Jannik Farben

vom

Seit zwei Jahren entdecken und erweitern eine Sechsjährige und ein Siebenjähriger unter professioneller Anleitung ihre künstlerische Freiheit

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

Husum | Dass dies keine Ausstellung wie jede andere ist, macht schon der Lärmpegel am Eingang deutlich. Ständig springen Kinder rein und raus, spielen fangen oder was man sonst spielt in diesem Alter. Das bleibt auch so, als Meike Hansen, Schriftwartin des Fördervereins der Familienbildungsstätte, das Wort ergreift. Heute bestimmen die Kleinen das Geschehen, und Gastgeber sind sie obendrein. Nur die kleine Anna (6) liegt bei ihrer Großmutter auf dem Schoß, mag sich nicht zu ihrem Künstler-Kollegen Jannik Zimmermann (7) und Lehrerin Elena Steinke stellen. Aber was nicht ist, kann ja noch kommen.

"Meine bunten Bilderwelten" heißt eine Ausstellung, die bis zum 14. September im Mehrgenerationenhaus zu sehen ist und dessen Namen alle Ehre macht. Gezeigt werden Bilder der sechsjährigen Niebüllerin Anna Louisa Arndt und des ein Jahr älteren Jannik Zimmermann aus Struckum - entstanden in den zurückliegenden eineinhalb bis zwei Jahren. Seit dieser Zeit besuchen Anna und Jannik Elena Steinke in ihrem Breklumer Atelier und lernen. "Aber nicht zu viel", sagt die gebürtige Russin, die ihre Zöglinge zwar unterstützen, aber zugleich ihre natürlichen Kreativität bewahren möchte.

"Wir sprechen über Farben, Techniken, Komposition und Kunstgeschichte", sagt die diplomierte Künstlerin mit einer Zusatzausbildung in Computergrafik und Design und verweist auf ein geflügeltes Wort von Edgar Degas (1834-1917). Danach ist "malen nicht schwierig, solange man nichts davon versteht. Wenn man diese Kunst aber erst begriffen hat, dann wird man gefordert." Das werden auch Anna und Jannik - aber "ihre unverwechselbare Kinderpfote" sollen sie sich unbedingt erhalten. Immerhin wusste schon der große Picasso, warum er gern malen wollte wie ein Kind - fantasievoll, authentisch und unverstellt.

Komplettiert wird der Bilderreigen im Mehrgenerationenhaus durch frühe Werke von Elena Steinke, die ihre Mutter vor dem Papierkorb gerettet hat. "Gott sei dank", wie die Künstlerin heute einräumt. "Das sinnliche Erlebnis steht im Mittelpunkt. Die technische Perfektion verliert ihre Bedeutung", sagt Steinke. Das möchte sie auch Anna und Jannik vermitteln. In ihrem Atelier sollen die beiden ihre Themen finden, eine eigene Handschrift entwickeln und ihre künstlerischen Freiheiten ausschöpfen können. "Die Initiative muss von den Kindern ausgehen", sagt sie.

Und die danken es ihr, den Eltern und sich selbst mit Bildern, die nicht nur schön, sondern auch richtig gut sind. Dabei macht Jannik kein Hehl daraus, welches Maler-Vorbild ihm besonders gefällt. Dennoch sind seine Blumenbilder kein kindliches Spiegelbild dessen, was Vincent van Gogh der Kunstgeschichte hinterlassen hat, sondern die eigenständige und gekonnte Hommage an einen Künstler.

"Unser Unterricht ist nicht Arbeit, sondern Spiel", erklärt Steinke den Ausstellungsbesuchern und bringt die wöchentlichen Erfahrungen mit ihren Schützlingen auf eine einfache Formel: "Für Anna ist das Atelier Abenteuer, für Jannik Arbeitsplatz." Als sie ihren Namen vernimmt, gesellt sich Anna nun doch noch zu den "Kollegen". Sie wisse wohl, dass nicht jedes Kind ein Künstler werde, beendet Steinke derweil ihren Gedanken, "aber jeder Künstler war einmal ein Kind". Dass Jannik Farben liebt, ist nicht zu übersehen. Anna hingegen mag Linien und die Spuren, die Pinsel oder Stift auf dem Papier hinterlassen.

Was die Eltern bewogen hat, ihre Tochter zu Elena Steinke zu schicken? "Anna hat immer schon gern gemalt", berichten Ewa und Niels Arndt. "Das wollten wir fördern, weil es für ihre seelische und geistige Entwicklung wichtig ist. Was am Ende herauskommt, ist nebensächlich." Das findet auch Elena Steinke, und doch freut sie sich schon auf nächste Woche. Dann besuchen Anna und Jannik sie wieder in ihrem Atelier.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen