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Ende eines langen Ringens : Anlagenbauer kann wieder Hoffnung schöpfen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach monatelangem Ringen übernimmt ein österreichisches Unternehmen mit Werk in Russland den Husumer Anlagenbauer TIG. Unter dem neuen Namen Wulff & UMAG Energy Solutions GmbH sollen sich die Auftragsbücher nach und nach wieder füllen.

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erstellt am 02.Apr.2014 | 07:30 Uhr

Was für ein symbolischer Akt: Es scheint fast, als sei man Zeuge einer Wiedergeburt. Ein Mitarbeiter hisst die letzte der drei Fahnen, die fortan wieder vor dem Gebäude der einstigen TIG Group wehen werden. Die beiden großen tragen den Schriftzug Wulff, auf der kleineren steht UMAG zu lesen. Namen zweier Husumer Traditionsunternehmen, die ab 2008 erst recht erfolgreich zusammengingen und dann – im Gewand der TIG Group – um ein Haar untergegangen wären.

Die Rettung kam sprichwörtlich in letzter Sekunde – in Gestalt eines österreichischen Unternehmens mit Sitz in Wien, zu dem auch ein großer russischer Kesselbauer gehört. Monatelang waren an der Alten B 5 potenzielle Interessenten für den insolventen Anlagenbauer ein und aus gegangen. Doch nachhaltiges Interesse hatte offenbar keiner. Auch waren inzwischen fast alle Aufträge gekündigt. Da kam der Wiener Anlagenbauer gerade recht, findet nicht nur die Betriebsrats-Vorsitzende Rita Bernhardt. Immerhin musste sich der Interessent noch mit deutschem Recht vertraut machen. Und natürlich hatten auch die Mitarbeiter – von einst 105 sind vorerst noch 45 übrig – berechtigtes Interesse daran, nach einer Übernahme nicht unter schlechteren Bedingungen weitermachen zu müssen.

Diese und andere Bedenken scheinen inzwischen ausgeräumt zu sein. Der Investor hat den Energiebereich der insolventen TIG übernommen und wird ihn unter dem Namen Wulff & UMAG Energy Solutions GmbH fortführen. Der offizielle Betriebsübergang erfolgt zum 1. Mai.

Spruchreif wurde das Ganze sprichwörtlich auf den letzten Drücker: „Die noch inoffizielle Nachricht, dass es weitergeht, habe ich erst am 21. März erhalten“, sagt Bernhardt. „Das war exakt der letzte Tag, bevor wir auf die endgültige Betriebsschließung zugesteuert wären.“ Ziel des neuen Geschäftsführers Vitali Chichkine wird es sein, mit den alten, renommierten Namen neue Aufträge hereinzuholen und die Firma wieder aufzubauen. Der Investor hat bereits ein großes Werk in Russland zur Produktion von Industrie-Kesselanlagen für verschiedenste Anwendungen – mit einem Marktanteil von rund 40 Prozent. Mit der neuen Firma will sich das Unternehmen den europäischen Markt er- und gleichzeitig eine Lücke im Firmenprofil schließen. Und wenn es erst einmal neue Aufträge gibt, wird wohl auch das Personal aufgestockt, glaubt Bernhardt. Das wurde wegen fehlender Aufträge zuletzt vor allem in der Produktion zahlenmäßig heruntergefahren.

In naher Zukunft darf Husum vor allem auf die Herstellung von Wasserrohrkesseln hoffen, wie sie bei der Verarbeitung von Biomasse gebraucht werden. Aber auch im Service-Bereich wird es gut zu tun geben. Für einige Mitarbeiter von einst kommt die gute Nachricht allerdings zu spät. Aber: „Ungefähr die Hälfte der Kollegen, die nicht bleiben konnten, hat bereits neue Jobs“, weiß Bernhardt.

Nach Monaten nervenzerfetzenden Ringens klingen an der Alten B 5 also wieder hoffnungsvollere Töne an. „Hier waren zuletzt alle ein bisschen mürbe“, sagt Bernhardt. Doch auch, wenn es dauern dürfte, bis die Wulff & UMAG Energy Solutions GmbH zu alter Stärke zurückfindet, sind die verbliebenen Mitarbeiter guten Mutes. Aus langjähriger Erfahrung wissen sie, warum sich der neue Besitzer für sie entschieden hat: „Weil ,Made in Germany‘ immer noch einen guten Klang hat.“

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