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Veto des Kreises : Angst vor dem Präzedenzfall

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Anlässlich der Friedrichstädter Grachtenweihnacht dürfen die Geschäfte in der Altstadt nicht am ersten Adventssonntag öffnen. Stadt, Kirchen und Geschäftsleute haben protestiert, doch der Kreis bleibt bei seinem Veto.

Offensichtlich hat alles nichts genutzt. Selbst die Koalition aus Geschäftsleuten und Kirchen für einen verkaufsoffenen Sonntag in Friedrichstadt hat den Sachbearbeiter des Kreises Nordfriesland nicht umstimmen können. Zu groß scheint in der Verwaltung die Angst vor der Schaffung eines Präzedenzfalls zu sein. Denn allen Argumenten für einen offenen Sonntag im Rahmen der Friedrichstädter Grachtenweihnacht zum Trotz wird die Genehmigung wohl nicht erteilt werden. Das geht zumindest aus einem Antwortschreiben des Kreises hervor.

Dabei hatte zuvor unter anderem die remonstrantische Gemeinde an den Sachbearbeiter geschrieben und betont, dass sie anlässlich des Weihnachtsmarktes ihr Gemeindehaus zur Verfügung stellt sowie auch ein Konzert veranstaltet. Demnach, so heißt es in dem Schreiben, helfe der Weihnachtsmarkt, die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt zu festigen und „stellt aus unserer Sicht ein öffentliches Interesse dar“.

Und genau dies bezweifelt der Kreis, auch wenn die Nachfolgeorganisation des Handels- und Gewerbevereins „Wir für Friedrichstadt“ dem Kreis mitteilt, dass sie ebenfalls den Markt unterstützen. In ihrem Schreiben heißt es: „Wir begrüßen und unterstützen den Friedrichstädter Weihnachtsmarkt, der hier vor Ort die einzige öffentliche Veranstaltung in der Adventszeit darstellt. Unsere Geschäfte wollen besondere Mitmachaktionen anbieten, die den Weihnachtsmarkt zu einem gesamtstädtischen Event ausweiten. Das wir dies auch am Sonntag dürfen, trägt aus unserer Sicht maßgeblich zum Gelingen dieser Veranstaltung bei.“

Der scheidende evangelische Pastor Friedrichstadts, Michael Jordan, nennt die Veranstaltung „ein öffentliches Interesse der ganzen Stadt“. In dem Schreiben unterstützt die Kirchengemeinde das Anliegen einer ausnahmsweisen Öffnung der Verkaufsstellen. Dazu schreibt Pastor Jordan: „Aus kirchlicher Sicht ist es gut, das der Ökonomisierung der Gesellschaft an dieser Stelle Einhalt geboten wird. Die Friedrichstädter Grachten-Weihnacht will aber gerade etwas Anderes, nämlich den Zusammenhalt der Menschen in Friedrichstadt fördern. Dies ist auch das Ansinnen unserer kirchlichen Arbeit. Deshalb beteiligen wir uns auch an dieser Veranstaltung. Und die Geschäftsleute, die dazu ihre Läden öffnen wollen, haben neben ihrem wirtschaftlichen Interesse auch ein Interesse, den Zusammenhalt in der Stadt zu fördern. Das weiß ich aus vielen Gesprächen.“

Auch die Stadt selbst hat sich für einen verkaufsoffenen Sonntag eingesetzt. In seinem Schreiben an die Ordnungsbehörde des Kreises betont Bürgermeister Eggert Vogt: „Es ist dringend notwendig, dass den in der flächenmäßig sehr begrenzten Altstadt, in der nur kleine Betriebe beziehungsweise Geschäfte angesiedelt werden können, vorhandenen Geschäftsleuten auch außerhalb der Saison Gelegenheit gegeben wird, das wirtschaftliche Fortbestehen zu beleben. Eine Verknüpfung der Grachtenweihnacht mit einem verkaufsoffenen Adventssonntag stellt aus Sicht der Stadt ein großes öffentliches und vor allem ein nicht zu unterschätzendes örtliches Interesse dar.“

Vogt ist enttäuscht von der Ablehnung, zeigt aber auch Verständnis für die rechtliche Auslegung des Kreises, obwohl er sich generell mehr Flexibilität wünscht. Beispielsweise sei Friedrichstadt, wie auch in Husum praktiziert, die Möglichkeit offeriert worden, am Sonnabend (29.) ein so genanntes Late-night-shopping einzuführen. „Das geht in einer größeren Stadt, aber nicht bei uns“, sagt Vogt. Zudem hätten die Geschäftsleute Buden oder Marktstände nach den Vorstellungen des Kreises aufstellen dürfen, nur eben nicht die Geschäfte öffnen. Das lässt sich aber nicht realisieren, so dass die Geschäftsleute nun die Grachtenweihnacht mit Aktionen unterstützen wollen. Beispielsweise finden in einigen Geschäften Aktionen statt, wie etwa Basteln oder Windlichter aus Ton fertigen.

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erstellt am 20.Nov.2014 | 12:30 Uhr

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