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Fischereischein-Kurs in Gebärdensprache : Angler ködern Gehörlose

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Für einen Fischereischein-Kurs in Gebärdensprache hat der Kreisanglerverband Nordfriesland drei Dolmetscherinnen engagiert. Auch Menschen ohne Handicap können daran teilnehmen.

shz.de von
erstellt am 18.Aug.2015 | 13:00 Uhr

Der Mann mit dem üppigen weißen Bart freut sich schon auf die Zusammenarbeit mit den drei Frauen, die im September den Fischereischein-Kurs für gehörlose Menschen in deren Sprache – die Deutsche Gebärdensprache – übersetzen wollen. Peter Susat ist beim Kreisanglerverband (KAV) Nordfriesland für die Ausbildung junger Angler zuständig. In einem Lehrgang wird er zusammen mit seinen Lehr- und Prüfberechtigten auch junge Menschen unterrichten, die seine Sprache nicht oder nur sehr unvollständig wahrnehmen können, da sie von Geburt an oder durch Erkrankung taub sind.

Der KAV hat in diesem Jahr einen nicht unerheblichen Betrag aus Mitteln der so genannten Fischereiabgabe einwerben können, mit denen die Dienstleistung der drei Gebärdensprach-Dolmetscherinnen Undine Thießen, Sandra Ruhde und Astrid Weirauch bezahlt werden kann. Für Undine Thießen ist das Sachgebiet „Angeln“ nichts Neues, hat sie doch über ihren angelbegeisterten Ehemann seit Jahren einen engen Bezug zu diesem Sport. Außerdem hat die Dolmetscherin schon den ersten Kurs für Gehörlose vor rund fünf Jahren gedolmetscht und allen damaligen gehörlosen Kursteilnehmern das erwünschte Zertifikat ermöglicht. Die Hamburger Dolmetscherinnen Sandra Ruhde und Astrid Weirauch hatten bislang zwar noch keinen direkten Kontakt mit angelinteressierten Gehörlosen, verfügen aber über ein breites berufliches Erfahrungsspektrum.

Ins Rollen kam die Idee eines erneuten Lehrgangs dadurch, dass der Seelsorger des Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerks in Husum, Pastor Hans-Heinrich Ehlers, einem gehörlosen Auszubildenden versprochen hatte, sich um dessen Fischereischein-Ausbildung und die Mitgliedschaft in einem regionalen Angelverein kümmern zu wollen. Beim KAV stieß er mit dieser Idee auf offene Ohren, hatte sich der Fachverband doch schon mehrfach um die Belange behinderter Menschen gekümmert: 2011 richtete man bereits einen ähnlichen Kurs für Hörgeschädigte aus. Zur gleichen Zeit entstanden unter der Federführung des KAV in der Südermarsch auch mehrere Angelplätze, die von Menschen mit einem körperlichen Handicap genutzt werden können.

„Dieses Mal haben wir aufgerüstet und gleich für ein komplettes Dolmetscherinnen-Team gesorgt, wie es sich für derart aufwendige Übersetzungsarbeiten gehört“, berichtet der Vorsitzende des KAV, Jürgen Töllner. „Auch werden wir diesen Lehrgang über die Grenzen unseres Bundeslandes hinaus auf den Webseiten der Gehörlosen bewerben und können uns vorstellen, dass Interessenten aus Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen ebenfalls daran teilnehmen.“ Bei dieser Gelegenheit bedankt sich Töllner ausdrücklich beim Vergabeausschuss in Flintbek, der durch seine Entscheidung die finanzielle Absicherung der Übersetzungsarbeiten erst ermöglicht habe.

Und so kann es am 10. September losgehen. Denn an jenem Donnerstagabend findet der erste vierstündige Block des Kompaktkurses in Husum statt. „Natürlich können auch hörende Menschen teilnehmen. Wir schließen niemanden aus – wir sind, wie man so schön neudeutsch sagt, inklusiv!“ Mit dieser Einladung macht Susat deutlich, dass das gemeinsame Interesse an einer sinnvollen Freizeitgestaltung die Teilnehmer vereint.

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