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Tönninger Krankenhaus : Amt Eiderstedt sagt Nein zur Klinik-Schließung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Für den Erhalt der Tönninger Klinik haben sich die Mitglieder des Amtsausschusses von Eiderstedt ausgesprochen. Es dürfe nicht allein die Wirtschaftlichkeit betrachtet werden.

Da gibt es unter den Bürgermeistern von Eiderstedt keine zwei Meinungen: Das Tönninger Krankenhaus muss bleiben. Eine deutliche Absage erteilte der Amtsausschuss in seiner jüngsten Sitzung dem Vorschlag des Landrats, das stationäre Angebot in Tönning zu schließen (wir berichteten). Aus finanziellen Gründen soll das gesamte Klinikum Nordfriesland, dessen Träger der Kreis ist, umstrukturiert werden. Am härtesten wäre Tönning betroffen. Der Kreistag wird im März darüber abstimmen. Am 11. Dezember soll er über eine Überprüfung des ausschlaggebenden Gutachtens befinden. Auf Eiderstedt kämpfen die Stadt Tönning, das Amt Eiderstedt und der Förderverein des Krankenhauses gemeinsam für den Erhalt. Außerdem gibt es noch eine private Unterschriftenaktion im Internet.

„Eiderstedt hat sowieso mit seiner Infrastruktur zu kämpfen“, sagte Amtsvorsteher Christian Marwig. „Das Land darf nicht abgehängt werden.“ Er hat kein Verständnis für den Vorschlag des Landrats. Dieser habe sich doch den demographischen Wandel auf die Fahnen geschrieben. Und in dieser Angelegenheit lasse er nun völlig außer Acht, dass Menschen älter werden und dass chronische und andere Krankheiten häufiger auftreten. Und dabei habe der Landrat einmal gesagt, dass die medizinische Versorgung im ländlichen Raum gewährleistet werden müsse. Marwig hatte zudem mit den Reha-Kliniken in St. Peter-Ording gesprochen. Das Ergebnis: Für die ist ein Akut-Krankenhaus in der Nähe sehr wichtig, weil viele Patienten wert darauf legen, „die kommen sonst gar nicht“. Frank-Michael Tranzer (Oldenswort) wies auf mögliche wirtschaftliche Lasten für das Krankenhaus hin, wenn die Patienten, die kein Geld brächten, in den öffentlichen Kliniken landeten. Breite Zustimmung erhielt er für seinen Aussage, dass Gesundheit kein Wirtschaftsfaktor sei, sondern etwas mit Erreichbarkeit und Nähe zu tun habe. St. Peter-Ordings Bürgermeister Rainer Balsmeier führte die 25.000 bis 30.000 Menschen an, die an Spitzentagen im Sommer allein in St. Peter-Ording den Ort und seinen Strand bevölkerten. Und Christian Marwig ergänzte, dass im Sommer 70 bis 100 Notfallpatienten pro Tag in Tönning behandelt würden. „Wenn die nach Husum oder Heide müssten, wäre das eine Katastrophe.“

Hans Jacob Peters, Bürgermeister von Tating und Vorsitzender des Fördervereins der Klinik, berichtete von dessen Arbeit. So habe der Verein ein Schreiben an alle Kreistagsabgeordneten gesandt, mit der Bitte, sich ihre Entscheidung zur Schließung des Krankenhauses gut zu überlegen. Angehängt war eine lange Liste von Fragen als Entscheidungshilfe, darunter: Liegen ausreichend Unterlagen vor?, Sind die Zahlen zum Erfolg des Tönninger Krankenhauses genau abgegrenzt?, Welche Kosten entstehen bei der Schließung?, Welche Auswirkungen hat die Schließung auf den Tourismus und den Zuzug von Senioren?, Sind Sie sicher, dass die Patientenzahl in Zukunft abnehmen wird, könnte sie nicht auch zunehmen durch Alterung und Flüchtlinge?, Bleibt das Berufsgenossenschafts-Unfallkrankenhaus erhalten?

Dann nannte er noch Zahlen zur Unterschriften-Aktion von Monika Licht im Internet. Bislang haben 5144 Menschen unterschrieben, davon aus Nordfriesland 2839, aus Tönning 850, aus Garding 600, aus Tating 338, aus St. Peter-Ording 250 und aus Lunden 164.

Eine Möglichkeit des Fortbestands sieht Peters in einer Geriatrie-Station, dann wäre das Krankenhaus Tag und Nacht besetzt. An das angedachte Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) glaubt er nicht. Der Landrat habe selbst gesagt, dass er gar nicht wisse, ob er das MVZ so einrichten könne.

Einstimmig brachte der Amtausschuss dann ein Positionspapier zum Thema auf den Weg. Es wird an alle Verantwortlichen im Kreis, aber auch an das Wirtschafts- und das Sozialministerium verschickt.

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erstellt am 04.Dez.2015 | 18:22 Uhr

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