Vorbild für die USA : Amerikaner setzen auf Bürgerwindpark

Beeindruckt von der Akzeptanz einer kleinen Gemeinde: (v. l.) Michael W. Gray und Eileen V. Quigley sowie Geschäftsführer Hans Feddersen.
Beeindruckt von der Akzeptanz einer kleinen Gemeinde: (v. l.) Michael W. Gray und Eileen V. Quigley sowie Geschäftsführer Hans Feddersen.

Eine Delegation aus dem Generalkonsulat der USA in Hamburg besuchte Bohmstedt, um Impulse für die Heimat zu bekommen. Die Direktorin des Instituts Climate Solutions in Seattle will für ähnliche Kooperationen werben.

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16. Mai 2015, 16:00 Uhr

Der Bekanntheitsgrad des Windparks Bohmstedt GmbH & Co. KG hat sich schon bis Amerika ausgedehnt. Aus den USA besuchte ein Delegation den Geschäftsführer Hans Feddersen. 390 Gesellschafter sind dort. Vor 16 Jahren drehten sich die Flügel der neun Windenergieanlagen (AN Bonus, 600 Kilowatt) des ersten Bürgerwindparks für den Ertrag von 30 Gesellschaftern im Wind, die seinerzeit den Schritt wagten und in regenerative Energien investierten. Die Idee, 2014 zu repowern, öffnete weiteren Einwohnern die Tür. Jene, die 1998 das finanzielle Risiko scheuten oder nicht überzeugt waren, erhielten damit eine zweite Chance, sich finanziell zu beteiligen. Ein Vorzeigeobjekt im Wortsinn, was auch in Amerika interessiert. Denn kurz vor dem Beginn des G  7-Energieministergipfels in Hamburg inspizierte eine Delegation des amerikanischen Generalkonsulats aus Hamburg den Windpark der Gemeinde Bohmstedt, um sich exemplarisch über Aktivitäten einer Gemeinde zur nachhaltigen Energieerzeugung und -versorgung unter Einbeziehung der Bevölkerung zu informieren.

Das Ergebnis: Konsul für Politik und Wirtschaft, Michael W. Gray, und Eileen V. Quigley, Direktorin des Instituts Climate Solutions in Seattle/USA sowie der Pressereferent des amerikanischen Generalkonsulats, Dr. Heiko Herold, waren sehr beeindruckt.

Die Ausweitung an neuen Gesellschaftern in einem Bürgerwindpark erscheint den Amerikanern lukrativ. Denn: Die Neubetreiber sind Kommanditisten mit einem Anteil von 25 Prozent, die bisherigen mit einem Anteil von 75 Prozent. Derzeit gibt es fünf Geschäftsführer: Wolfgang Paulsen und Hans Feddersen für das gesamte Projekt sowie für die sogenannten Altbetreiber und Hans-Heinrich Barkmann, Ralf Kille und Christoph Petersen für die Neuen. Die alten Anlagen wurden durch neun Enercon-Anlagen E70/4 mit einer Leistung von jeweils 2,3 Megawatt und einer Höhe von 100 Metern ersetzt. Sie produzieren Strom, der für etwa 10.000 Haushalte reicht. Das Investitionsvolumen betrug etwa 20 Millionen Euro.

Für die Bohmstedter steht das „Wir-Gefühl“ im Mittelpunkt. Ein übertragbarer Ansatz des amerikanischen Wegs. Der amerikanische Generalkonsul Michael W. Gray verdeutlichte, dass diese Form eines Bürgerwindparks einen Markt in den USA hätte.

Unter der Leitung von Bundeswirtschaft und -energieminister Sigmar Gabriel trafen sich Delegierte der G  7-Staaten in Hamburg, um über die Sicherung der nachhaltigen Energieversorgung zu beraten. Die Ergebnisse werden beim G  7-Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs am 7. und 8. Juni in Garmisch-Partenkirchen vertieft.

Kurzfristig besuchten die Amerikaner im Vorfeld des Treffens Hans Feddersen, Geschäftsführer des Bürger-Solarparks und auch des Windparks. Der Bohmstedter informierte über die Aktivitäten innerhalb der Gemeinde während der vergangenen 20 Jahre. Bohmstedt darf sich zu Recht als „Dorf der erneuerbaren Energien“ bezeichnen, bemerkte er.

Die Liste der getätigten Investitionen sind für den Geschäftsführer erwähnenswert: „Angefangen ist es mit dem Bau des Bürger-Windparks (5,4 Megawatt) 1997/1998“, erinnerte er. Dann folgte der Bau der Bauern-Biogasanlage 2007, die im Jahr 2010 auf 0,8 Megawatt erweitert wurde. In den folgenden Jahren wurde von der Biogas-Anlage aus ein eigenes Fernwärme-Netz ins Dorf gebaut. „Das mittlerweile etwa 75 Haushalte mit Wärme versorgt“, rechnete Feddersen seinen Besuchern vor. Der Bürger-Solarpark Bohmstedt mit einer Leistung von 2,1 Megawatt wurde 2010 gebaut. Mehrere Photovoltaik-Dachanlagen mit einer Gesamt-Leistung von etwa zwei Megawatt wurden in den Jahren 2005 bis 2012 errichtet.

Der Bürger-Windpark hat nun nach dem Repowering eine Leistung von 20,7 Megawatt. „Insgesamt wurden in den vergangenen 20 Jahren etwa 40 Millionen Euro investiert“, jonglierte der Geschäftsführer mit großen Zahlen, die Eindruck hinterließen. Besonders angetan waren die amerikanischen Gäste davon, dass sämtliche Investitionen von örtlichen Einwohnern geplant und umgesetzt wurden. Das Eigenkapital wurde ausschließlich von Einwohnern der Gemeinde Bohmstedt aufgebracht. Auch das Fremdkapital wurde nur von regionalen Kreditinstituten zur Verfügung gestellt. „Uns ist es wichtig, dass wir jedem Einwohner der Gemeinde unabhängig vom Alter und vom Einkommen die Chance gegeben haben, sich zu beteiligen“, betonte Hans Feddersen: „Dies erhöht die Akzeptanz der Bürger und wir sorgen für eine höchstmögliche Wertschöpfung vor Ort.“

Insgesamt hätten sich 600 von 725 Einwohnern an der Investition beteiligt. Die jährliche Energieerzeugung in Höhe von etwa 46 Millionen Kilowattstunden (kWh) würde ausreichen, um 13.000 Haushalte mit Strom zu versorgen. „Wir sind sehr beeindruckt zu sehen, was möglich ist, wenn eine Gemeinde gemeinsame Ziele hat und realisiert. Dieses beeindruckende Beispiel von Bürgerbeteiligung und Akzeptanz für die Energiewende werden wir im Rahmen des Energiegipfels vorstellen“, erklärte Eileen Quigley am Ende der Führung. „Und wir werden es auch mit nach Amerika nehmen, um dort vor Ort für ähnliche Kooperationen zu werben.“


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