zur Navigation springen

Herr über Kutter und Yachten : Am liebsten mittendrin im Geschehen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Rainer Wallhof kümmert sich um die Sicherheit und Verwaltung in den Häfen von Büsum, Tönning, Friedrichstadt und Friedrichskoog. Einst befuhr er als Kapitän die sieben Weltmeere, doch 1992 ging er an Land und ist seitdem als Hafenmeister tätig.

Das Büro riecht noch frisch gestrichen. Der Blick aus den beiden großen Fenstern fällt auf Schiffsaufbauten. Durch die offene Haustür scheint die Sonne herein, draußen kreischen die Möwen, ein Kühlaggregat brummt und der Bagger, der das neue Deichprofil aufschüttet röhrt. Zentraler geht es nicht: Zwischen den Hafenbecken zwei und drei, im ehemaligen Zollamt auf der Spitze der alten Hafeninsel hat der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN-SH) mit dem Hafenamt Büsum sein neues Quartier bezogen. „Wir sind jetzt hier mitten im Geschehen“, freut sich Hafenmeister Rainer Wallhof, der neben Büsum auch für die Häfen Tönning, Friedrichstadt und Friedrichskoog zuständig ist. „Ich kann sehen, welche Schiffe rein- und rausgehen, und ich kann auch schneller reagieren, wenn mal einer am falschen Liegeplatz festgemacht hat.“ Am alten Standort am Rande des Hafens konnte er keine Schiffe sehen, nur Touristen und viele Lastwagen, die sich durch die engen Straßen quälten.

Wallhof (61) ist Kapitän, er sieht mit seinem Vollbart auch aus wie ein Kapitän, und seine sonore Stimme strahlt so viel Autorität aus, wie es sich ein Kapitän nur wünschen kann. Schon als Junge hat ihn der Hafen fasziniert, und nachdem er – seinen Eltern zuliebe – eine kaufmännische Lehre abgeschlossen hatte, wurde er Fischer. Mit dem kleinen Fischereipatent war er einige Jahre in der Küstenschifffahrt unterwegs, dann machte er das große Kapitänspatent und war fortan weltweit auf den Meeren unterwegs, „große Fahrt, kleine Fahrt, vom Schlepper bis zum Fahrgastschiff“. Doch nach der Heirat wurde er häuslicher und fuhr nur noch von Büsum nach Helgoland und zurück, bis er schließlich 1992 ganz an Land blieb – als Hafenmeister. Als solcher ist er für die Sicherheit in „seinen“ Häfen zuständig: „Dass alles läuft, dass niemand behindert oder geschädigt wird.“ Er weist die Liegeplätze zu, achtet darauf, dass alle Schiffe richtig festgemacht sind, bei ihm als Genehmigungsbehörde müssen Kutter-Korsos, Stapelläufe und die vielen Veranstaltungen im Hafen angemeldet werden.

Um zu sehen, ob alles in Ordnung ist, muss er natürlich raus aus dem Büro. Kleiner Kontrollgang: Sein Weg führt ihn über die Pier für die Krabbenkutter – an stürmischen Tagen liegen in Büsum bis zu
90 Kutter, ganz anders als in Tönning, dort machen nur noch wenige Kutter fest, meist liegen sie am Eidersperrwerk. Doch heute sind alle raus zum Fischen – über einen kleinen Werftbetrieb, wo ein Schiffseigner seinem Stahlrumpf gerade frische Farbe und glänzende neue Opferanoden verpasst, zur nächsten kleinen Werft, wo ein Fischer den Holzrumpf seines Schiffes kalfatert, hinüber zum Hafenbecken drei, wo die Mitarbeiter der Tierärztlichen Hochschule Hannover gerade einen kleinen Katamaran zu Wasser lassen und vor den Getreidespeichern ein Kabelverlegeschiff unter lautem Tuten wendet. Wallhof hat für jeden auf dem Weg ein nettes Wort. „Na klar gibt es manchmal Unstimmigkeiten – aber dafür sind wir ja da, um das zu klären“, sagt er. Zurück im Büro. Bislang war der Hafenmeister als Leiter des Seemannsamts auch zuständig für das An- und Abmustern der Seeleute, stellte Seefahrtbücher aus. Doch seit dem 1. August gibt es die Seemannsämter nicht mehr – mit Inkrafttreten des neuen internationalen Seearbeitsübereinkommens sind deren Aufgaben an die Berufsgenossenschaft übergegangen.

Wallhof bleibt mit den Aufgaben als Hafen- und Ordnungsbehörde für Büsum, Friedrichstadt, Friedrichskoog und Tönning genug Arbeit. Der Großteil davon ist am Computer zu erledigen: Abgabenbescheide für Liege- und Entsorgungsgebühren sowie Rechnungen über Strom und Wasser rausschicken und Statistiken pflegen. Eine Menge Verwaltungsaufgaben, die dem gelernten Kaufmann Wallhof nicht schwerfallen. Und dem Kapitän? Wenn es dem zu viel wird, geht er einfach raus und ist mittendrin. Im Hafen.




zur Startseite

von
erstellt am 15.Okt.2013 | 17:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen