Kampf um Senvion-Zukunft : Alternativen zu einem Kahlschlag

Die Solidarität ist zum Greifen: Der Verbleib des Unternehmens vor Ort liegt nicht nur allen Kommunalpolitikern in Nordfriesland am Herzen.
Die Solidarität ist zum Greifen: Der Verbleib des Unternehmens vor Ort liegt nicht nur allen Kommunalpolitikern in Nordfriesland am Herzen.

Die Belegschaft gibt nicht auf: Der Betriebsrat hat Kommunalpolitikern ein Konzept vorgestellt, das den Husumer Standort des Windanlagen-Herstellers Senvion retten würde.

shz.de von
30. März 2017, 07:00 Uhr

„Husum ist die Wiege der Windenergie, hier schlägt auch das Herz von Senvion. Das Unternehmen ist jedoch gerade dabei, das Vertrauen zu verspielen, das es hier in der Region aufgebaut hat: bei den Beschäftigten, bei den Windmüllern, aber auch in der Bevölkerung“ – diese Kern-Kritik wurde am Dienstagabend (28. März) auf einer Informationsveranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Nordwest in Husum immer wieder deutlich. Gekommen waren Stadtvertreter, Bürgermeister, Bürgervorsteher, Kreistags- und Landtagsabgeordnete von CDU, SPD, FDP, SSW, den Grünen und der Wählergemeinschaften. Die Pläne des Windanlagen-Herstellers, seine Produktion vor Ort einzustellen und Service und Wartung zu verlagern, stößt auf Unverständnis und sorgt für Ärger – bei allen.

„Wir lassen uns nicht einfach vom Hof fegen, wir wollen hier in Husum weiterarbeiten“, machten Lothar Andreas und Mathias Wötzel vom Senvion-Betriebsrat deutlich. Sie stellten der Runde ein Konzept vor, das neben der Produktion von Drei-Megawatt-Anlagen den Standort Husum zu einem zentralen Reparatur-, Wartungs- und Servicezentrum von Senvion weiterentwickelt. Kern ist ein Ringtausch-Modell für zentrale Komponenten: Getriebe und Rotorwellen, aber auch Generatoren und Austausch-Naben. Die Windenergieanlagen werden aufgrund des neuen bundesweiten Ausschreibungsmodells und einer veränderten Landesplanung länger stehen, so dass der zeit- und ortsnahen Reparatur künftig eine immer größere Bedeutung zukommt. Nur folgerichtig und kundenorientiert also, am Standort Husum ein Reparaturzentrum einzurichten. Das zahle sich auch für die Betreiber der rund 690 Senvion-Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein aus, die fast alle an der Westküste stehen, hieß es dazu weiter. „Und Geld verdienen kann man damit, das zeigen die Beispiele von Wettbewerbern am Markt“, erläuterte Wötzel: „Die Unternehmensleitung wäre blöd, sich diese Chancen entgehen zu lassen.“

Mit dem Konzept des Betriebsrates ließen sich nicht nur Arbeits- und Ausbildungsplätze am Standort retten, „sondern es würde auch die Qualität im Bereich Wartung und Full-Service sichergestellt werden, die die Käufer von Senvion Windenergieanlagen zu Recht erwarten“.

Das fanden auch die anwesenden Abgeordneten aller Fraktionen und sicherten tatkräftige Unterstützung zu. „Viele Betreiber von Senvion-Mühlen reagieren ausgesprochen sauer auf die Pläne zur Standort-Schließung und Verlagerung, weil sie nicht wissen, wie es weitergeht“, erklärte Andreas Tietze, Grünen-Abgeordneter im Landtag. Die hohe Fachkompetenz der Senvion-Belegschaft müsse der Region erhalten bleiben. Und Husums Bürgervorsteher Peter Empen ergänzte, dass ihm in vielen Gesprächen mit Husumern die Solidarität mit den Beschäftigten versichert werde: „Es gibt eine hohe Identifikation mit der Windkraft, die Region steht hinter den Beschäftigten von Senvion.“

DGB-Geschäftsführerin Susanne Uhl versprach am Ende der Diskussion, dass der enge Austausch zwischen Kommunalpolitik, Betriebsrat und Gewerkschaften weitergehen wird – bereits in der kommenden Woche beim Branchentag des Bundesverbandes Windenergie im Nordsee-Congress-Centrum in Husum.

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