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Historische Holzschiffswerft Tönning : Alten Planken Leben einhauchen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Verein möchte die historische Holzschiffswerft am Tönninger Hafen erhalten und plant Bildungsangebote, Initiativen und Projekte. Das Ziel: eine Erlebnis- und Museumswerft.

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erstellt am 31.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Der Hafen, das Packhaus, die Schiffswerft. Drei markante Punkte, die die Geschichte der Stadt Tönning geprägt haben – und auch künftig prägen sollen. Während der Hafen vorwiegend von Sportschiffern genutzt wird und das Packhaus dabei ist, sich als Veranstaltungshaus zu etablieren, möchte eine Handvoll Ehrenamtlicher jetzt der Dawartz Werft neues Leben einhauchen.

Transformare nennt sich der Verein, dem Marén Bökamp und Professor Dr. Wolfgang Jonas vorstehen. Die Meeresbiologin aus Tönning und der Designwissenschaftler aus Schalkholz im Nachbarkreis Dithmarschen haben sich auf einer Meereskonferenz in Hamburg kennengelernt und zufällig festgestellt, dass beide ein innerer Wunsch eint – der Erhalt der Tönninger Schiffswerft.

Jonas, Schiffsbauarchitekt und Leiter des Forschungsbereichs „Maritime Mobility“ an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, hatte 1990 zum ersten Mal Kontakt zu Erich Dawartz. Damals bauten er und der Tönninger Schiffsbauer ein originalgetreues Hinterschiff einer Eiderschnigge für das Schifffahrtsmuseum Nordfriesland in Husum. Seit jener Zeit liegt dem Wissenschaftler das Schicksal der Tönninger Werft und des Hafens am Herzen. Und nicht nur das: Jonas sieht in der Werft mehr als nur eine Produktionsstätte. Er möchte dort einen sozialen, kulturellen Ort schaffen, an dem Menschen zusammen leben und arbeiten.

Das passt. Marén Bökamp möchte nämlich eine Mitmach- und Erlebniswerft in Tönning etablieren. Die Biologin arbeitet im Multimar Wattforum in der Eider-Stadt und ist dort für die Bereiche Umweltbildung und Wissenschaftsvermittlung zuständig. „Wir wollen die Besucher am Bau eines Schiffes teilhaben lassen“, sagt die Wahl-Tönningerin und erläutert Einzelheiten aus dem Konzept, das sie und Jonas gemeinsam mit Josef Kril erarbeitet haben. Der 37-jährige Diplom-Designer ist Doktorant an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig und beschäftigt sich in seinem Promotionsvorhaben unter dem Titel „Maritime Räume“ mit der Reaktivierung und Erschließung maritimer Potenziale für nachhaltige Gestaltungskonzepte. Kril hält einen engen Kontakt zum Schifffahrtsmuseum in Flensburg – in der Förde-Stadt wird seit Jahren ebenfalls eine Museumswerft betrieben.

Das Handwerk des Holzschiffbaus und dessen Bedeutung für die Stadt Tönning und die Geschichte der Familie Dawartz sollen in einem ersten Schritt anhand von Fotos, Geschichten und Schiffsmodellen erzählt und zugänglich gemacht werden. In einem zweiten Schritt sollen eine Modellbauwerkstatt ins Leben gerufen werden sowie unter Anleitung eines erfahrenen Schiffsbauers sogar Restaurationen und Neubauten erfolgen. Für Marén Bökamp schließt sich der Kreis mit der dritten Projektphase: „Mit einem Schiff, das auf der Tönninger Werft gebaut worden ist, Ausflüge eiderauf und -abwärts zu unternehmen.“

Ein schöner Gedanke. Werft-Besitzer Erich Dawartz freut sich über den Eifer des Transformare-Vorstandes – und darüber, dass die Tradition des Holzschiffbaus in der Eider-Stadt erhalten bleiben soll. Der 84-Jährige ist selbst Mitglied in dem Verein, der die Werft und das dazugehörige Wohnhaus von 1818 übernehmen möchte. „Ich muss nicht verkaufen“, betont Erich Dawartz eindringlich. Der Tönninger ließ sich jedoch von Marén Bökamp und Wolfgang Jonas überzeugen, dass durch deren Konzept die Tönninger Werft von 1740 Zukunft hat. Der Schiffsbauer hofft auch, dass die Stadt selbst das Vorhaben unterstützt. „Derzeit entwickelt die Stadt ein neues Leitbild zu Perspektiven der Stadtentwicklung“, weiß die Biologin und hofft auf entsprechende Synergieeffekte nicht nur mit Blick auf den Tourismus.

„Jetzt gilt es, unser Projekt konstruktiv zum Laufen zu bringen“, betont Jonas. Mit der Gründung des Verein sei ein erster Schritt getan. Das Wichtigste aber ist der finanzielle Aspekt. Der Ankauf der Liegenschaften und anschließend laufende Betrieb der Museumswerft. „Denkbar sind soziale Projekte“, erzählt die Vorsitzende und nennt ein positives Beispiel aus Husum. Dort werden unter dem Titel „Landungsbrücken“ in der Trägerschaft des Diakonischen Werkes Jugendliche und junge Erwachsene auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet.

Leben und Arbeiten am Tönninger Hafen. Erinnerungen werden wach. „Hier haben früher bis zu 50 Leute gearbeitet“, sagt Erich Dawartz in seiner großen Holzhalle. Zwischen Eichenplanken und allerlei Werkzeug ist spürbar, dass der Holzschiffsbau sein Leben ist. „Hier könnte man sofort loslegen“, ist der 84-Jährige überzeugt. Das würden auch alle gerne tun, doch zunächst geht es auf die Suche nach Sponsoren.

 

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