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275 Jahre Commerzium : „Altehrwürdig“ als Prädikat verdient

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Commerzium der Stadt Husum feierte im Rathaus sein 275-jähriges Bestehen – mit einem Empfang und einem Eintrag ins Goldene Buch. Die Themen des Gremiums – Infrastruktur, Handel und Standortqualität – seien von „zeitloser Bedeutung“, stellten die Redner fest.

Der Erdgeschossbereich des Rathauses in blau-violettes Licht getaucht, knapp 200 geladene Gäste an den runden Tischchen, mit Sektgläsern in der Hand in angeregtes Gespräch vertieft – das Rathaus bot gestern Abend eine würdige Kulisse für den Empfang zur Jubiläumsfeier des Commerziums der Stadt Husum, das auf den Tag genau vor 275 Jahren durch einen Erlass des dänischen Königs Christian VI. gegründet worden war – und zwar ebenfalls im Rathaus, damals aber noch dem am Markt.

Was damals wichtig war und wie sich Husum im Laufe der Zeit und unter den „wachsamen Augen“ des Commerziums – so die Forderung des Königs – entwickelt hat, stellte der erste Vorsitzende Henning Göttsch in seiner Rede vor, zu der sich die Gäste im Ratssaal versammelt hatten. Göttsch beschrieb die Geschichte des Handelsortes Husum mit seinen Verbindungen über See und über Land, mit dem Hafen und dem Viehmarkt, mit Fischerei und den seinerzeit 70 Brennereien und Brauereien in der Stadt bis hin zur Windenergie, die Husum heute prägt. Und wies darauf hin, dass das Commerzium nach den Worten des Historikers Dr. Hans-Friedrich Schütt hier „nicht nur mitgewirkt, sondern oft die Bahnen gewiesen“ habe. Er sprach über die Herausforderungen der Zukunft und empfahl mit Blick auf den Dockkoog, „Menschen, die gestalten wollen und bereit sind, Risiken einzugehen, mit offenen Armen zu empfangen“.

Bürgermeister Uwe Schmitz hielt im Anschluss einen kurzen Exkurs zur Bezeichnung „altehrwürdig“, die gerne im Zusammenhang mit dem Commerzium benutzt würde, und kam zu dem Schluss, dass das Gremium nicht nur alt, sondern in seinen Zielsetzungen auch so honorig sei, dass es diese Bezeichnung wirklich verdient hätte. „Ich denke, vielen von uns fällt an dieser Stelle der Begriff des ,ehrbaren Kaufmanns‘ ein“, so der Verwaltungschef, der anschließend den Vorstand des Commerziums – neben Henning Göttsch auch Rolf Kulartz-Janzen und Torsten Peters – zum Eintrag ins Goldene Buch der Stadt bat, das im Ratssaal schon bereit lag. Bürgervorsteher Peter Empen leitete die kurze Zeremonie, die sicherlich selten zuvor so viele Zuschauer hatte.

Uwe Möser, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Flensburg, warf einen Blick zurück ins Gründungsjahr 1738, auf den Anbruch des Zeitalters der Aufklärung und auf die damaligen Aufgaben des Commerziums und stellte fest, dass dessen Themen – Infrastruktur, Handel und Standortqualität – von „zeitloser Bedeutung“ seien. Er lobte die Zusammenarbeit der Kammer mit dem Husumer Gremium und händigte Göttsch eine Ehrenurkunde aus.

Zum Thema „Die Welt im Wandel, der Mensch im Mittelpunkt – wie wir morgen leben und arbeiten werden“ referierte Prof. Dr. Ulrich Reinhardt von der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen und kam zu erstaunlichen Schlussfolgerungen. Er ging zunächst auf den demografischen und den Strukturwandel in Deutschland ein und unterzog dann Schleswig-Holstein einer genaueren Betrachtung. Hier liege zwar die Geburtenrate über dem Bundesdurchschnitt, doch seien die Schleswig-Holsteiner nicht der Meinung, dass das Land kinderfreundlich sei. Auch seien Beruf und Familie im Norden nur schwer unter einen Hut zu bringen. Bei der Wahl der Wohnung stehe nicht der Ort im Mittelpunkt, sondern derjenige, mit dem man zusammenlebe, wie auch insgesamt soziale Werte stark an Bedeutung gewinnen würden: „Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft und Freunde zählen hier mehr als ein hoher Lebensstandard.“ Mit der Botschaft, dass die junge Generation in Schleswig-Holstein positiver in die Zukunft blicken würde als im Rest der Republik, entließ Reinhardt die Zuhörer ins Abendessen und den geselligen Teil des Abends.

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erstellt am 30.Okt.2013 | 12:00 Uhr

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