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Auf dem jüdischen Friedhof : Alte Bretter stützen Grabsteine

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Niemand kümmert sich so recht um den jüdischen Friedhof in Friedrichstadt, Grabsteine drohen umzustürzen. Der eigentlich nicht zuständige Eiderstedter Friedhofsverband hat nun die Steine provisorisch abgestützt.

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erstellt am 04.Dez.2016 | 16:00 Uhr

Der jüdische Friedhof in Friedrichstadt hat schon einmal für Schlagzeilen gesorgt, als der damalige Vorsitzende der deutsch-jüdischen Gemeinde im Landesteil Schleswig eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die damalige Bürgermeisterin der Treenestadt, Regine Balzer, stellte. Damals ging es um die ehemalige Leichenhalle, die unmittelbar neben den Grabstellen liegt. Die Beschwerde lautete: Friedrichstadt lässt jüdische Leichenhalle verfallen.

Und genau neben dieser Halle, die immer noch steht, befinden sich zwei Grabsteine, über die sich die Friedhofsbesucher aufregen. Nicht nur die des jüdischen Friedhofes, sondern auch die des christlichen, der in unmittelbarer Nachbarschaft liegt.

Zuständig für die Pflege, beziehungsweise den Erhalt der Grabstätten ist eigentlich die jüdische Gemeinde Kiel und Umland. Doch die Landeshauptstadt liege weit weg, und viel zu selten kämen von dort Vertreter in die Stadt zwischen Treene und Eider, um sich ein Bild von der aktuellen Lage zu machen, heißt es etwa von Seiten des Friedhofsverbandes Eiderstedt, der den christlichen Gottesacker betreut. Zudem werde auch das nebenan liegende jüdische Gräberfeld ein wenig mit bearbeitet, etwa seien dort die Wege freigeschnitten worden, doch generell obliege dies der Gemeinde in Kiel, beziehungsweise dem Land.

Mitarbeiter des Friedhofsverbandes prüfen zudem regelmäßig, ob die Standfestigkeit von Grabsteinen gegeben sei, auch auf dem jüdischen Areal. Dort seien in der jüngeren Vergangenheit häufig gefährliche Situationen festgestellt worden. So auch bei der jüngsten Begehung. Seither stehen zwei Grabsteine, der von Adolf Müller aus dem Jahr 1894 und von seiner Frau Hannchen aus dem Jahr 1903, lediglich provisorisch mit alten Brettern und einigen Spanngurten gesichert, direkt neben der ehemaligen Leichenhalle, unmittelbar an der Eiderallee und am Eingang.

Der Friedhofsverband hat die Steine provisorisch vor dem Umfallen gesichert, denn sie können eine Gefahr für Besucher darstellen, wenn sie plötzlich kippen. Und aufgesucht werde der Friedhof, denn immer wieder würden die Mitarbeiter des Verbandes auf den Gedenksteinen kleine Erinnerungssteine finden, die dort von den Besuchern abgelegt werden. Die Sachbearbeiter in der Kieler Gemeinde befinden sich gegenwärtig in Urlaub. Allerdings sei es in der Vergangenheit auch nicht immer ganz leicht gewesen, die richtigen Ansprechpartner zu finden, heißt es etwa von Seiten der Friedhofsverwaltung.

Als unschön und nicht zur Stadt der religiösen Toleranz passend, bezeichnet auch Christiane Thomsen, Leiterin des städtischen Museums und des Stadtarchivs , die Situation. „Das sieht sehr unschön aus“, sagt sie. Der neue jüdische Friedhof wurde 1887/88 an der Schleswiger Straße in unmittelbarer Nähe des lutherischen Friedhofs angelegt. Die jüdische Gemeinde errichtete dort ein Taharahaus (Leichenhalle). 1940 fand dort die letzte Beisetzung statt, danach wurde das Gräberfeld aufgelassen.

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