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Verfilmung von Effi Briest : Als Ruth Leuwerik in Bredstedt drehte

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mit Ruth Leuwerik verstarb am 12. Januar einer der Stars des deutschen Nachkriegs-Kinos. 1955 drehte sie in Bredstedt die Verfilmung von Theodor Fontanes Roman Effi Briest. Zeitzeugen erinnern sich.

shz.de von
erstellt am 17.Jan.2016 | 16:00 Uhr

Heinz-Martin Magnussen kann sich noch gut an den Sommer 1955 erinnern. Für die Verfilmung des Theodor-Fontane-Romans Effi Briest wurde aus Bredstedt eine Film-Kulisse – und die gesamte Stadt war auf den Beinen. „Das war das Ereignis damals“, blickt der damalige Grundschüler zurück. „Vor allem für uns Kinder. Das wurde ein richtiger Treffpunkt“

Neben der am Dienstag, 12. Januar, verstorbenen Ruth Leuwerik kamen damals zahlreiche der bekanntesten Schauspieler der 1950er Jahre nach Bredstedt. Bernhard Wicki spielte den Landrat Geert von Innstetten, außerdem wirkten Carl Raddatz, Margot Trooger und Paul Hartmann in „Rosen im Herbst“ mit. Leuwerik galt als einer der größten Stars des deutschen Kinos in der damaligen Zeit. Entgegen alter Stereotypen spielte sie oftmals unabhängige und beruflich erfolgreiche Frauen. Häufig stand sie auch für Adaptionen literarischer Stoffe vor der Kamera – so wie in Bredstedt.

Das Geburtshaus des Kunstmalers Christian Carl Magnussen an der Norderstraße diente damals als Außenkulisse für das Haus des Landrats – dem deutlich älteren Baron von Innstetten aus Fontanes Roman, den die 17-Jährige Effi Briest (gespielt von der 31-jährigen Leuwerik) auf Zureden ihrer Mutter heiraten soll. Der ehemalige Kaufmann gegenüber wurde zur „Apotheke Gieshübler“ umfunktioniert. Von dort bis zur Ecke Hohle Gasse und Westerstraße reichten über einige Tage die Dreharbeiten. Die Innenaufnahmen wurden in den Ateliers der Bavaria Film gedreht, weitere Außenaufnahmen fanden in Göttingen und auf Sylt statt.

Für die Arbeiten in Bredstedt hatten die Filmemacher eigentlich auf Regen gehofft – doch stattdessen reisten sie bei bestem Sommerwetter und Sonnenschein an. Für das nötige Herbstwetter musste deswegen ein Bredstedter Handwerker herangezogen werden: Franz Steiner vom gleichnamigen Heizungsbau-Unternehmen sorgte dafür, dass die Schauspieler im Regen stehen konnten.

„Ich kann mich auch noch gut an die Truhen erinnern, die damals vor Jochimsens Gasthof standen“, erzählt Magnussen. In dem Hotel an der Osterstraße waren die Schauspieler untergebracht, davor wurden die Kostüme gelagert.

Viel näher kamen die vielen Kinder sowie die anderen Zuschauern den Darstellern allerdings nicht. „Es war natürlich alles abgesperrt“, sagt Magnussen. Die Film-Crew sorgte dafür, dass nur die Schauspieler und angemessen kostümierte Komparsen im Bild zu sehen waren – von denen ebenfalls viele aus Bredstedt kamen. Alle anderen blieben hinter der Kamera oder außerhalb der abgezäunten Bereiche stehen.

Auch Hans Peter Nissen war 1955 dabei. Der damals Neunjährige hatte das Glück, dass seine Tante auf der Höhe der Norderstraße wohnte, wo ein Großteil der Aufnahmen gemacht wurde. „Ich kann mich noch gut erinnern, wie die Kutschen mit den eisenbeschlagenen Rädern über das grobe Kopfsteinpflaster gedonnert sind“, sagt er. Eigentlich war vom Filmteam zwar durchgegeben worden, dass während der Drehs niemand am Fenster stehen dürfte – die Neugier überwog allerdings.

Während Heinz-Martin Magnussen erzählt, dass ihm die Namen der damals in Bredstedt arbeitenden Schauspieler schon geläufig waren, habe sich Nissen viel mehr für das Drumherum – die Technik und die Arbeiten hinter den Kulissen – interessiert, sagt er. Eine DVD von „Rosen im Herbst“ hat er heute aber dennoch im Regal stehen.

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