zur Navigation springen

Zum Kontinent der Träume : Als Leih-Oma nach Namibia

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine ehemalige Lehrerin aus Sollwitt will drei Monate in einem afrikanischen Montessori-Kindergarten in Windhoek tätig werden. Anfang Januar geht es von Nordfriesland in die Sonne.

Über den Jahreswechsel sitzt Brigitte Ritz quasi auf gepackten Koffern, denn schon am 6. Januar macht sich die Pobüllerin auf den Weg nach Afrika, in den „Kontinent ihrer Träume“. Drei Monate lang wird sie in Namibia als „Granny Aupair“ ehrenamtlich in einem Montessori-Kindergarten tätig sein – ein Wunsch, der schon lange in ihr schlummert, aber erst in den vergangenen sechs Monaten konkreter wurde.

„Es ist schon ein paar Jahre her, da hörte ich zufällig von Michaela Hansen, die seit 2010 von Hamburg aus über das Onlineportal Granny Aupair Leih-Omas ins Ausland vermittelt“, berichtet die 68-Jährige, die diese Idee großartig fand und sich nach dem Tod ihres Mannes immer stärker damit beschäftigte – als „Idee für den Winter“. „Im Sommer habe ich gerne Familie und Freunde zu Besuch und mit der Arbeit in Haus und Garten mehr als genug um die Ohren“, erklärt die pensionierte Lehrerin. „Während der Ferien kommen die Enkel gerne zur Oma in den Norden, und bis März diesen Jahres gab es auch noch meinen kleinen Dackel Bienchen. Ich habe natürlich Hobbys wie Tennis und den Gospelchor, aber die Lücken in meinem Leben sind fühlbar da und ich denke, dass ich sie noch mit neuen Aufgaben füllen kann.“ Also bewarb sie sich als Leih-Oma bei Granny Aupair, mit dem Ziel, irgendwann im Zeitraum November bis April auf Reisen zu gehen, fremde Länder und Kulturen kennen zu lernen und weltweit neue Kontakte zu knüpfen. Afrika stand von Anfang an ganz oben auf ihrer Wunschliste, aber auch Südamerika oder Australien wären in Frage gekommen: „Hauptsache, schön sonnig und warm“, meint Brigitte Ritz. Letztendlich wollte sie ja auch sehr gerne dem feuchten, kalten Winter in Nordfriesland entkommen.

Erst suchte sie im Onlineportal nach Familien, die in diesen Regionen für ihre Kinder Betreuung suchten, doch da war zu der Zeit nichts Passendes dabei. Dann schaute sie sich die sozialen Projekte an: Waisenhäuser und Frauen-Projekte in Indien, ein Seniorenheim in Kapstadt, ein Job als Gesellschafterin in Neuseeland… „Das klang alles schon sehr interessant, doch dann entdeckte ich The Children’s House in Windhoek.“ Der Montessori-Kindergarten wird von Petra von Oehsen betrieben, die seit 27 Jahren mit ihrer Familie in Namibia lebt. Die gebürtige Deutsche betreut dort vormittags 30 Kinder im Alter von 18 Monaten bis sechs Jahren und wünschte sich eine „typische deutsche Omi“ im Team. Eine Senioren, die „ordentlich, gründlich und konsequent“ ist und sich in Zusammenarbeit mit ihren einheimischen Helferinnen Zeit für die Lütten nimmt, mit ihnen spricht, singt und spielt. Vorrangig auf Englisch, da aber mehr als die Hälfte der Kinder einen deutschen Hintergrund hat, hofft Brigitte Ritz insgeheim darauf, dass sie auch die deutschen Spiele und Lieder aus ihrer 30-jährigen Erfahrung als Pädagogin dort mit einbringen kann.

Nach ersten Mails und Telefonaten mit der Kindergartenleiterin kam es schnell zu einer Einigung. Im Sommer folgte ein spontanes Treffen mit dem Ehepaar von Oehsen in Hamburg, und dann war es schon bald Zeit, die Flüge zu buchen. Im November besuchte Brigitte Ritz bei Granny Aupair schließlich noch einen Workshop. Froh darüber, dass sie keine Impfungen brauchte und auch ihr deutscher Führerschein in Namibia anerkannt wird (Linksverkehr), fing die 68-Jährige nun an, zu Hause alles zu regeln. Der Zufall wollte es, dass eine Freundin durch neue Lebensumstände für sich, ihre Pferde und den Hund ein neues Zuhause in Nordfriesland suchte. „Sie ist inzwischen bei mir eingezogen und kümmert sich hier um alles, eine perfekte Lösung“, so die Pobüllerin. Die Kosten für ihren dreimonatigen Afrika-Aufenthalt muss sie übrigens ebenso aus eigener Tasche zahlen wie die Flüge, außerdem entrichtet sie wöchentlich einen kleinen Obolus für das soziale Projekt.

Besonders freut sich die Nordfriesin mit Hamburger Wurzeln darüber, dass seit ihrer Anmeldung bei Granny Aupair sehr viele weitere Anfragen aus der ganzen Welt bei ihr eingegangen sind. Die wird sie zwar voraussichtlich nicht annehmen, „aber es sind schon sehr nette Kontakte daraus entstanden, die ich sehr gerne pflegen möchte.“ Gespannt ist sie nun auf Afrika. „Vielleicht finde ich ja einen Gospelchor in Windhoek, in dem ich mitmachen kann. Ansonsten lass ich alles einfach auf mich zukommen.“ Um ihre Lieben daheim immer auf dem Laufenden zu halten, hat Brigitte Ritz einen Blog eingerichtet. „Wenn ich mit der Technik klar komme, poste ich bestimmt viele Fotos“, verspricht sie.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen