Als Husum noch "Tor zur Halligwelt" war

Dieses vergilbte Bild zeigt den ältesten 'Pott': Der Raddampfer 'Stadt Husum' lag nachweislich bereits 1902 auf der Husumer Schiffswerft.(Sammlung Uwe Iben)
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Dieses vergilbte Bild zeigt den ältesten "Pott": Der Raddampfer "Stadt Husum" lag nachweislich bereits 1902 auf der Husumer Schiffswerft.(Sammlung Uwe Iben)

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19. August 2009, 03:59 Uhr

Husum | Die Ankunft des ersten Dampfschiffes im Husumer Hafen 1840 war für die Bevölkerung eine Sensation. Der Raddampfer "Daylight" wurde mit Jubel und Kanonendonner begrüßt. Mit diesem in England gebauten Steamer begann eine völlig neue Ära der Husumer Schifffahrt: eine regelmäßige Seeverbindung von Husum nach Altona, dazu noch mit einem Dampfschiff. Im März 1841 löste der Neubau "Christian VIII.", benannt nach dem regierenden dänischen König, die "Daylight" ab. Kapitän des neuen Schiffes war der in Husum wohnende Norweger Ohle Johannes Sunde, Vater des späteren Malers Nicolai Sunde.

Bald wurden weitere Schiffslinien eingerichtet. Ab 1847 fuhr ein Raddampfer täglich von Husum zum 1819 gegründeten Seebad Wyk auf Föhr, das König Christian VIII. von 1842 bis zu seinem Tod 1848 regelmäßig zu seinem Feriendomizil erhob. Aber auch die nahen Inseln Nordstrand (der Damm zur Insel entstand erst 1906) und Pellworm wurden bald im Linienverkehr regelmäßig mit Dampfschiffen angelaufen. So Pellworm ab 1877 mit dem Raddampfer "Pellworm" und die Insel Nordstrand beginnend um 1900 mit dem Motorschiff "Nordstrand".

Neben diesen Inselfahrten bot ein Husumer Schiffer um 1900 Fahrgästen auch an, sie mit seiner Barkasse im Pendelverkehr vom Außenhafen zur Gaststätte "Erholung" an der Dockkoogspitze zu transportieren. Dort gab es einen Anlegesteg, der ursprünglich zur Viehverladung entstanden war. Dieses Ausflugslokal war 1888 erbaut worden. Bei der Sturmflut vom 16./17. Februar 1962 wurde das Gebäude schwer beschädigt und danach abgebrochen.

In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Husum zum "Tor der Halligwelt". Die Schiffe für den Ausflugsverkehr ins Wattenmeer und zu den Halligen trugen den Namen "Stadt Husum". Die "berühmteste" von den drei dieses Namens war die 1912 erbaute "Fritz Reuter", die am 23. April 1937 auf "Stadt Husum" umgetauft wurde. Während des Krieges übernahm die Kriegsmarine das Schiff als Küstenwachboot. Nach Kriegsende beschlagnahmte es die englische Besatzungsmacht. Ab 1949 fuhr die "Stadt Husum" wieder durch das Wattenmeer. Am 30. April 1963 "soff" der Dampfer im Husumer Hafen nach einem Werftaufenthalt ab. Von 1949 bis zu diesem Zeitpunkt hatte die "Stadt Husum" rund 120 000 Fahrgäste befördert. Vor dieser "Stadt Husum" alias "Fritz Reuter" hatte es seit etwa 1900 bereits einen Raddampfer mit dem Stadtnamen gegeben. Dieses Schiff, zugelassen für 200 Personen, stach nach festem Fahrplan in See, konnte aber auch für Gesellschaftsfahrten gechartert werden und hatte Restauration an Bord.

Nachfolger für den "abgesoffenen" Ausflugsdampfer wurde fünf Jahre später das 1960 in Büsum erbaute Fahrgastschiff "Amrum". Irmgard Schlüter, die Frau des damaligen Husumer Bürgermeisters Ernst Schlüter, taufte es am 9. März 1968 auf "Stadt Husum" um. Bis in den Sommer 1982 verkehrte es von Husum aus zu den Halligen. Als "Rita I" machte es danach "Butterfahrten" von Eckernförde. Unter dem Namen "Hauke Haien" wird das Schiff bis heute im Insel- und Halligverkehr zwischen Schlüttsiel und Hooge eingesetzt.

Selbst eine regelmäßige Schiffsverbindung von Husum nach Bremen hatte es gegeben. Sie wurde am 18. Mai 1948 vom Husumer Schiffsmakler Wilhelm E. F. Schmid mit der MS "Nixe" eingerichtet. Viele Jahre lang gab es von Husum auch im sommerlichen Ausflugsverkehr eine Verbindung nach Helgoland mit dem Motorschiff "Klaar Kiming".

Heute werden die Ausflugsschiffe zu den Halligen und Inseln von Nordstrand (Strucklahnungshörn) oder Schlüttsiel, nach Helgoland von Büsum aus eingesetzt.

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