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Seelsorge zwischen Heavy-Metal-Sound : Als Diakon beim Wacken-Open-Air

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Lars Wulff aus Koldenbüttel verstärkt das Team von Psychologen und Pastoren. Er selbst ist leidenschaftlicher Gitarrespieler. Unter mehr als 70.000 Festival-Fans benötigt auch der eine oder andere Trost.

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2014 | 13:30 Uhr

Wacken | Erstmalig ist jetzt Diakon Lars Wulff aus Koldenbüttel in Wacken dabei. Nicht als Musiker, der selbst leidenschaftlich zur Gitarre greift und auch schon Rockmusikveranstaltungen „auf die Beine gestellt hat“, sondern als Seelsorger. Seinen Posten hat er jetzt bezogen. „Eigentlich ist es doch was für die ganz Harten“, erzählt er. Denn das erste Augustwochenende gehört den Metal-Fans, die sich zum weltweit größten Heavy-Metal-Festival in Wacken treffen. Leider ist das Open-Air nicht nur mit fröhlichen Nachrichten in die Schlagzeilen geraten.

Derweil gibt es bereits – wenn auch nicht auf dem Open-Air selbst – ein tragisches tödliches Ereignis zu vermelden. Zuvor hat es bereits 2005, 2011 und 2012 Todesfälle im Bereich des Festivalgeländes und dessen Umgebung gegeben. Neben den vor Ort in Wacken stationierten Rettungsdiensten, die in ständigem Kontakt mit der zentralen Leitstelle West in Elmshorn stehen, ist auf dem Festivalgelände auch ein Seelsorgerteam im Einsatz. Dazu gehört auch Lars Wulff. „Wer gerne schläft, sollte lieber zu Hause bleiben“, rät Wulff.

Die hartgesottenen Schwer-Metaller können durchaus einen weichen Kern haben. Deshalb kann es vorkommen, dass sich der eine oder andere einsam vorkommt zwischen mehr als 70.000 Menschen. In Wacken beginnen oder zerbrechen Freundschaften und Beziehungen – da werden Gefühle auf die Probe gestellt und Emotionen köcheln.

Deshalb hält das Jugendpfarramt der Nordkirche für die Festivalteilnehmer ein Seelsorge-Angebot bereit – für alle, denen danach ist. „Ein Team von 18 Profis und Laien arbeitet täglich im Ehrenamt von mittags bis in die Nacht und kümmert sich um alle, die in dem ganzen großen Trubel Zuwendung benötigen und reden wollen“,sagt Wulff. Das Team der Wacken-Seelsorger besteht aus Psychologen, Pastoren und Diakonen. Sie sind an den Wacken-Seelsorge-Shirts zu erkennen. Ihr Stand befindet sich im Sanitätsbereich. Sie sind aber auch unterwegs auf dem riesigen Gelände. Aber wie kam Diakon Lars Wulff zu diesem Team? „Nun“, so sagt er, „es wurde da noch ein Mitstreiter gesucht. Eine Anfrage erging an mich.“ Lars Wulff, selbst begeisterter Festival-Gänger und bekennender Rock-Musik-Fan, sagte sofort zu. „Die Gelegenheit, Wacken von der anderen Seite zu betrachten, finde ich ausgesprochen spannend“, verrät der Diakon. „Aber allzu leicht sollte man sich diese Aufgabe nicht vorstellen. Die Seelsorge ist kein Spaßprogramm für gelangweilte Besucher. Vielmehr geht es darum, in Gesprächen Lösungen zur Selbsthilfe für die Hilfesuchenden zu erarbeiten. Bei schwerwiegenden Krisen ist es wichtig, Rücksprache mit erfahrenen Kollegen zu halten und gegebenenfalls weitere Hilfen anzufordern.“

Trotz der anspruchsvollen Arbeit bleibt er gelassen, „denn die Kollegen achten aufeinander und Arbeitsschichten sind so eingeteilt, dass alle Seelsorger Zeit finden, das Festival zu genießen.“ Lars Wulff will sich die Heavy-Rock-Urväter Motörhead anhören. Und fügt an: „Und wenn Sänger Lemmy ein Gespräch sucht, dann kann er das gerne bekommen.“ Undenkbar wäre das nicht – denn der Motörhead-Frontmann, der das Licht der Welt am Heiligen Abend erblickte, ist Sohn eines Pfarrers.

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