zur Navigation springen

Rinder aus Eiderstedt für England : Als der Viehhandel boomte

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Abend mit Anekdoten aus Eiderstedts Wirtschaftsgeschichte lockte viele Besucher nach Garding. Viehhändler und Regionalhistoriker plauderten in der Veranstaltungsreihe „Erzähl’ mir was“ aus dem Nähkästchen - in passendem Ambiente der Viehwagen-Halle.

Vor mehr als 120 Jahren war Eiderstedt Fleischlieferant für die englischen Industriestädte. Die Mastochsen prägten das Bild. Und auch heute noch gehören Kühe, Schafe und Pferde zur Landschaft. Da war es für die Organisatoren der Veranstaltungsreihe „Erzähl’ mir was auf Eiderstedt“ selbstverständlich, das Thema Viehhandel ins Programm zu nehmen. Und welcher Ort wäre geeigneter als die Viehwaage in Garding. Unter dem Titel „Der Eiderstedter und das liebe Vieh“ wurde aus Vergangenheit und Gegenwart berichtet, moderiert wurde der Abend von Jürgen Rust. Alte Fotografien und Bilder ließen die regionale Wirtschaftsgeschichte lebendig werden.

Warum ist das Vieh nach Eiderstedt gekommen, fragte Jakob Clausen. Schon für die ersten Siedler spielte es eine wichtige Rolle. Knochenfunde belegten, dass sich die Menschen damals vor allem von Fleisch ernährten. Nachdem sich Mitte des letzten vorchristlichen Jahrhunderts die ersten Marschen gebildet hatten, gewann die Weidemast immer mehr an Bedeutung, und die Viehzucht wurde bald eine der wichtigsten Einnahmequellen. Denn es wurde dringend Ware benötigt, die in der eigenen Region nicht produziert werden konnte. Es entstand ein reger Handel. Im 16. Jahrhundert brachten dann holländische Glaubensflüchtlinge die intensive Milchwirtschaft nach Eiderstedt. Um für einen besseren Transport der Waren zwischen Binnenland und Küste zu sorgen, wurden damals die Norderbootfahrt von Tetenbüll nach Tönning und die Süderbootfahrt von Garding nach Katingsiel gebaut.

Im 19. Jahrhundert boomte der Export von lebendem Schlachtvieh von Tönning, später Husum, nach England. Bis zu 60 000 Rinder in nur einem Jahr wurden ausgeführt. Das Ende des regen Handels kam im Jahr 1889, damals brach in Schleswig-Holstein die Maul- und Klauenseuche aus. Großbritannien erließ daraufhin ein Einfuhrverbot.

Peter Mölck von der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft Stadt und Kirchspiel Garding berichtete dann von den Transportwegen. So wurde 1615 eine Querverbindung von Garding nach Tönning gebaut. Durch einen Verbindungskanal zwischen Süder- und Norderbootfahrt wurde der Warenaustausch innerhalb der weitgehend weg- und steglosen Halbinsel erleichtert. Und dann gab es die Treidler, die auf der zehn Meter breiten und 2,50 Meter tiefen Süderbootfahrt mit ihren Booten zwischen Katingsiel und Garding fuhren. Bis im Jahr 1845 dieser Kanal sein trauriges Ende fand, denn zunächst wurde die Eisenbahn und dann die Chaussee gebaut.

Vom Wiegerecht wusste der Gardinger Gastwirt Sönke Ratje zu berichten. Nur Garding und Tönning besaßen einst ein Wiegeprivileg. Denn Ziel des Herzogs war es gewesen, den Handel zu kontrollieren. Das Wiegerecht hat im übrigen bis heute Bestand, während die Bootfahrt nur noch zur Entwässerung dient. Mit Stock und in Arbeitskleidung trat dann Viehhändler Frank Spreckelsen aus Garding vor die bis auf den letzten Platz gefüllten Bänke. Er erklärte, was es mit seinem Beruf auf sich hat, wie es zum Ende des Viehmarktes kam, über Schlachthöfe, wohin das Vieh geliefert wird und warum die Preise so sind, wie sie sind. Bis in die 1960er Jahren wurde das Schlachtvieh noch über Husum vermarktet. Und auch Willi Rohde hatte viel über Viehzucht und -handel zu berichten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen