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Brandschutz auf den Halligen : Als der Königspesel auf Hooge brannte

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vor 20 Jahren stand das Museum in Flammen – die Langeneßer Wehr half. Die Halligen unterstützen sich beim Brandschutz.

von
erstellt am 14.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Was tun, wenn auf Hooge der Dachstuhl brennt? Dann ist die Halligwehr gefordert. Als die Gaststätte Friesenpesel brannte, war die komplette Freiwillige Feuerwehr Hallig Hooge im Ausnahmezustand. 18 Brandschützer hat das Eiland. Hartwig Binge ist dort Wehrführer. Seinerzeit wurde umgehend die Leitstelle informiert, weiß der 57-Jährige als wäre es gestern. Jeder Handgriff muss bei den Rettern sitzen. „Auf den Halligen sind die Wehren auf sich alleine gestellt“, betont der Vorsteher des Amtes Pellworm, Matthias Piepgras. Aber auch als Hooges Bürgermeister weiß er, dass die Feuerwehren auf den Halligen einen erweiterten Auftrag im Katastrophenschutz haben.

Ende des vergangenen Jahres wurde daher auf Hooge präventiv eine kleinere Brücke über einen Sielzug professionell verbreitert. Laut Aussage des Bürgermeisters können nun die Brandschützer mit ihren Fahrzeugen den schnellsten und direktesten Weg zum Hafen nehmen, falls es beispielsweise dort brennt. Vorher sei die Breite der Brücken zu gering gewesen, um sie zügig mit den großen Rettungsfahrzeugen zu überqueren.

Nur wie verhält sich die Feuerwehr, wenn der Brandherd nicht mehr ohne zusätzliche Hilfe gelöscht werden kann. „Als der Königspesel brannte, halfen Langeneßer Feuerwehrleute“, entgegnete Binge auf die Frage. Matthias Piepgras bemerkte, dass es für alle zum Amt Pellworm gehörenden Gemeinden – Langeneß mit Oland, Gröde und Hooge – machbar sein muss, dass im Notfall per Hubschrauber Personal und Material vom Festland geschickt werde. Denn die sogenannte goldene Stunde kann laut Gemeinde-Chef für Halligen nach einer Alarmierung bei einem Großfeuer nicht gelten, weil eine Feuerwehr vom Festland nicht so schnell unterstützen könnte. „In den Wintermonaten gar nicht, da nur wenig Schiffe fahren“, beschreibt Piepgras die diffizile Situation der Rettungskräfte. Studien besagen, dass es ab Eintreten eines Ereignisses ein Zeitfenster von ungefähr 60 Minuten gibt, um den Verlauf signifikant zu beeinflussen, und größeren Schaden zu vermeiden. Als der Königspesel vor zwanzig Jahren in Flammen stand, half daher die Langeneßer Wehr, die auch 18 Brandschützer haben. Halligen haben besonders viele Reetdächer, daher genügt eventuell die Personenzahl oder auch das Material einer Hallig-Wehr nicht immer. „Auf Gröde sind daher fast alle im Brandschutz tätig“, erklärt Hooges Wehrführer. Bei Feuer verlässt jeder Bewohner das Haus. „Nachbarn nehmen die betroffenen Halliglüüd dann auf“, unterstreicht Binge den Gemeinschaftssinn. Denn: Die Schutzräume in den Häusern, die mit vier Betonpfeilern tief in den Kleie-Boden der Warft gerammt sind, dienen als Schutz, um sich vor Sturm und Wasser zu sichern – nicht aber bei einem Brand. „Die meiste Gefahr geht von einer Rauchgasentwicklung aus“, mahnt Piepgras zur Vorsicht.

Der Bürgermeister verweist auf eine Idee, die in Verbindung mit der Insel- und Halligkonferenz ausgearbeitet wurde. Gemeinsam mit der Uni Hamburg soll das Krisen- und Katatastrophen-Management der Inseln und Halligen überprüft werden. Somit sollen die Halligwehren im Krisen- und Katastrophenfall weiter gut aufgestellt sein.

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