Husum/Kundus : Alltag in Afghanistan

Dieser Außenposten liegt an der Grenze zum Taliban-Gebiet.  Foto: hn
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Dieser Außenposten liegt an der Grenze zum Taliban-Gebiet. Foto: hn

Mehr als ein halbes Jahr lang leisteten Luftwaffen-Soldaten aus Husum Unterstützungsarbeit am Hindukusch.

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28. Januar 2011, 08:47 Uhr

Husum/Kundus | Für 30 Soldaten des Flugabwehrraketengeschwaders 1 "Schleswig-Holstein" endete vor einer Woche nach fast sieben Monaten ein fordernder Einsatz in der Unruheprovinz Kundus in Afghanistan. Als "Operational Mentoring and Liaison Team" (OMLT) fungierten sie als Bindeglied zwischen der afghanischen Armee und der internationalen Schutztruppe Isaf und standen als Berater (Mentor) und Kontaktpersonen (Liaison) afghanischen Offiziere zur Seite, um so den Aufbau der einheimischen Sicherheitskräfte voranzutreiben. Doch was heißt das genau, wie sah der Tag der Luftwaffen-Soldaten am Hindukusch aus?

Für ihre Arbeit mussten sie täglich vom Feldlager in Kundus in die sechs Kilometer entfernte Kaserne der afghanischen Armee fahren - und zwar über eine nicht ungefährliche Strecke. Nach einer kurzen asphaltierten Straße am Flugplatz Kundus vorbei ging es auf unwegsamen Schotterpisten weiter, die nur mit geländegängigen Fahrzeugen zu bewältigen waren. Für jede Fahrt hatten sich Fahrzeugkommandant und Fahrer auf mögliche Gefahrensituationen vorzubereiten. Auffälligkeiten und Veränderungen zum Vortag mussten in Bruchteilen von Sekunden analysiert werden, denn nur eine schnelle Reaktion konnte möglichen Schaden vom Team abwenden.
Schon am Vortag wurden die Fahrzeuge vom Typ Dingo 1 und Wolf für die Fahrt vorbereitet. Neben dem Betanken wurden die Funkgeräte überprüft und die Frequenzen aufeinander abgestimmt. "Der Funkverkehr ist für die Fahrt sehr wichtig", erklärt Hauptfeldwebel Christian S. Per Funk meldete der Kommandant des Führungsfahrzeuges ständig, welche Fahrzeuge entgegenkamen oder ob Personen am Straßenrand standen. "Für uns überlebenswichtige Hinweise, auf die wir entsprechend reagieren müssen." Die Soldaten hätten ihre Fahrt sofort abgebrochen oder eine andere Route gewählt, wenn man Sprengfallen am Straßenrand oder in der Fahrbahn vermutet hätte.
"Senior Mentor" berät General

In der afghanischen Kaserne suchten die Mentoren erst einmal die afghanischen Stabsgebietsleiter auf, um über Probleme oder Sachfragen zu beraten. Diese wurden auch in der morgendlichen Stabsgebietsleiterbesprechung mit dem afghanischen Kommandeur - einem Brigadegeneral - besprochen. Die Stabsgebiete sind denen in der Bundeswehr ähnlich: Personalwesen, militärische Sicherheit, Einsatz, Organisation, Ausbildung, Logistik und Informationstechnik. General Wali Mohammad führte die 300 Mann starke Kommandantur. Ihm zur Seite stand der Kommandeur der Husumer Flugabwehrraketengruppe 26, Oberstleutnant Ulrich Schmidt. Als "Senior Mentor" des Teams beriet er den General zu aktuellen Themen.

Unstimmigkeiten nahm er regelmäßig zum Anlass für Vier-Augen-Gespräche mit General Wali, damit die Ziele nicht durch emotionale oder bürokratische Hürden behindert wurden. "Dazu war viel Geschick und Einfühlungsvermögen erforderlich", erzählt Schmidt, "denn letztendlich war ich nur Berater und kein Vorgesetzter. Probleme in den Stabsgebieten trugen mir meine Mentoren vor, so konnte ich diese in Gesprächen mit General Wali klären."
Mehr Verständnis für den Wachdienst

Die Sicherheitsstandards vor dem Tor der afghanischen Kaserne ähnelten denen des deutschen Feldlagers in Kundus. Posten sicherten die Zufahrt schon in größerer Entfernung und kontrollieren Fahrzeuge und Insassen sehr genau. "Da hat unser Mentoring im Bereich Objektschutz wirksam gegriffen", meint Hauptfeldwebel Andreas H. "Wir haben es geschafft, bei der afghanischen Schutzkompanie mehr Verständnis für den Wachdienst zu wecken. Vorher führten die Soldaten noch Nebentätigkeiten aus und kontrollierten zu nahe am Tor."

Die afghanische Kompanie hat auch die Aufgabe, die Kaserne selbst und die umgebende Region vor Angriffen zu schützen. Dazu wurden zwei Außenposten eingerichtet, die direkt an das Gebiet der Taliban grenzen. Hauptmann Alexander S. stand dem verantwortlichen Offizier der afghanischen Armee beratend zur Seite. Die Soldaten hatten in ihrer Stellung zwar einen guten Überblick, doch die Sonne, die am Nachmittag nach Westen wandert, erschwerte die Beobachtung. Bei seinen regelmäßigen Besuchen gab S. Tipps, wie hier besser organisiert werden konnte. Und nach der Rückkehr ins Feldlager Kundus war die Arbeit noch nicht zu Ende, denn erst musste der vergangene Tag nach- und der nächste vorbereitet werden, bevor sich die Soldaten entspannen konnten.

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