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Geburtstag am geschenkten Tag : Alle vier Jahre wieder

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Gisela Cornils aus Garding freut sich: Sie kann ihren 80. Geburtstag an ihrem Original-Geburtsdatum, dem 29. Februar, feiern. Auch Heiko Lohr aus Schwesing und Holger Funk aus Mildstedt sind wieder einmal an der Reihe.

Alle vier Jahre ist ihr Geburtstag für die Gardingerin Gisela Cornils ein besonderer: Den 29. Februar gibt es nun einmal nur in den Schaltjahren. Gisela Cornils ist als Gisela Schmidt 1936 um 23.45 Uhr am 29. Februar im elterlichen Haus in Westerhever auf die Welt gekommen. Der Hof ihrer Eltern in Westerhever lag abseits befestigter Straßen, und es gab kein Telefon im Haus. Als die Wehen einsetzten, blieb dem werdenden Vater nichts weiter übrig, als zum Leuchtturm – dort gab es das nächste Telefon – zu Fuß über durchnässte Kleiwege zu stiefeln, um die Hebamme zu benachrichtigen. Als die dann schließlich eintraf, war Gisela bereits geboren. Nun hieß es für Vater Max Schmidt noch einmal „Abmarsch zum Leuchtturm“, um ein Taxi für die Geburtshelferin zu rufen.

Was die nun 80-Jährige, agile Eiderstedterin heute glücklich macht: Sie kann ihren Ehrentag bei bester Gesundheit mit der ganzen Familie – dazu gehören neben den beiden Kindern auch zwei Enkel und drei Urenkel – sowie Nachbarn und Freunden im schmucken Eigenheim feiern.

Geschuldet ist ja bekanntlich der zusätzliche Tag im Februar im Vier-Jahres-Zyklus der Angleichung des Jahreskalenders an astronomische Vorgänge. Von Anfang an hat die Nordfriesin ihren Ehrentag in den Jahren, in denen es den 29. Februar nicht gibt, immer am 1. März gefeiert. „Das haben auch meine Eltern so gemacht und deshalb lege ich großen Wert darauf. So wird mein Geburtstag am 29. Februar immer zu etwas Besonderem“, sagt Cornils. Wer ihr in den Nicht-Schaltjahren bereits am 28. Februar gratulieren wolle, werde regelmäßig vertröstet. „Ich kann mich erinnern, dass meine Eltern immer gern mit mir Geburtstag gefeiert haben. Sie haben sich trotz ihrer vielen Arbeit in der Landwirtschaft Zeit für mich genommen. Es wurde zusammen gegessen, gespielt und gesungen. Meine Schwestern Helga und Frauke waren auch immer dabei“, erzählt die Jubilarin. Ihr vor zwei Jahren verstorbener Ehemann Werner, den sie 1955 geheiratet hatte, habe sich zu ihrem Geburtstag immer etwas einfallen lassen – ein Rosenstrauß gehörte jedoch grundsätzlich zu den Geschenken.

Auch für Kinder, Enkel und Urenkel sei es das Schönste, sich an ihrem Geburtstag im trauten Kreis zusammenzufinden. Das werde regelrecht zelebriert. „Ich bin ein Familienmensch und zufrieden, wenn alle um mich sind. Zu meinem Ehrentag verwöhne ich alle gern mit Hausmannskost und selbst gebackenem Kuchen.“ Oft seien Enkel und Urenkel auch „einfach so“ zu Gast. „Wenn meine Urenkel da sind, muss es Krabbenbrot geben, also auch heute“, sagt Cornils schmunzelnd.

Dass sie mit ihren 80 Jahren viel jünger wirkt und fit ist, dafür hat sie ein Geheimrezept parat: „Jeden Tag, laufen, laufen und noch mal laufen.“ Mindestens eine Stunde täglich ist sie in der Mommsen-Stadt und deren näherer Umgebung bei Wind und Wetter unterwegs. Zusätzliche Gymnastik zu Hause gehört ebenfalls zu ihrem Alltag. Sobald die Gartensaison startet, hegt und pflegt Gisela Cornils täglich ihr grünes Areal rund um das Haus, in dem sie seit 1978 lebt. Auch das gehört zu ihren Lieblingsbeschäftigungen.

Trotz Schicksalsschlägen, wie dem Tod ihres Sohnes im Alter von 16 Jahren, hat positives Denken ihr Leben bestimmt. Auch das habe, davon ist sie überzeugt, Körper und Seele gut getan. „Ich mache auch gern anderen eine Freude.“ Noch immer schwärme eine junge Mutter aus der Nachbarschaft davon, dass sie ihr genau zum richtigen Zeitpunkt, nämlich als diese es gerade „nicht so leicht“ hatte, allein durch das Backen eines Stutens etwas Gutes getan habe.

Ihre Wünsche für das neue Lebensjahr: gesund zu bleiben und weiterhin mit der Familie Spaß zu haben.

 


Als Kind immer die 29 auf dem Februar-Kalenderblatt gesucht



 

Jedes Jahr Geburtstag zu feiern, das ist für die meisten selbstverständlich. Für manche aber schlicht nicht möglich: für Heiko Lohr beispielsweise. Der Schwesinger, der in Husum in der Erwachsenenbildung tätig ist, ist am 29. Februar 1980 zur Welt gekommen. Heute wird er 36 Jahre alt. Tatsächlich aber kann er erst zum neunten Mal an diesem Datum seinen Geburtstag feiern, denn da 1980 ein Schaltjahr war, kann er zumindest laut Kalender nur alle vier Jahre feiern.

Das gilt auch für Holger Funk aus Mildstedt, der „schon ein bisschen länger auf dieser Welt ist“, wie er sagt. Auch er hat seinen Ehrentag sein ganzes Leben lang nur alle vier Jahre unmittelbar am 29. Februar feiern können: „Als Kind habe ich mich gewundert, warum auf dem Februar-Kalenderblatt so oft die 29 vergessen wurde. Angeblich soll ich das Datum konsequent dazu gemalt haben“, erzählt er schmunzelnd.

Beide haben sich mit zunehmendem Alter immer mehr Witze über ihren Ehrentag anhören müssen. Etwa den, dass Schaltjahr-Kinder eigentlich erst mit 72 Jahren ihren Führerschein machen dürfen, weil sie ja erst dann volljährig werden. „Eine Zeit lang fand ich es eher anstrengend, so etwas witzig finden zu müssen. Heute kann ich mitlachen, wenn jemand mein Geburtsdatum als etwas Besonderes betrachtet“, sagt Heiko Lohr.

Auch Holger Funk wurde von solchen Spaßvögeln schon mal um Mitternacht angerufen, weil sie ihm „pünktlich“ zwischen dem 28. Februar und 1. März gratulieren wollten. Dabei feiert er sein Wiegenfest seit seiner Kindheit immer am 28. Februar. Die Begründung seiner Eltern „Schließlich hast Du im Februar Geburtstag, und nicht im März“ gilt für ihn nach wie vor, während Heiko Lohr als Kind seinen Geburtstag immer am 1. März feierte. Dieses Jahr aber will der Schwesinger die Geburtstagsparty auf den Sommer vertagen, denn da der 29. auf einen Montag fällt, bietet sich der Tag seiner Meinung nach nicht wirklich für eine Feier im großen Stil an.

An seinem Ehrentag freut Heiko Lohr sich eher auf „die kleinen Dinge“, die (vielleicht) kommen werden: „Zum Beispiel hoffe ich, dass mein Zahnarzt mir eine Geburtstagskarte schickt. Dessen Programm hat das mit dem Schaltjahr nicht verstanden und so schickt er mir nur alle vier Jahre eine Karte – eigentlich eine Frechheit“, meint er lachend.

Wie gering die Chance ist, ausgerechnet an einem 29. Februar geboren zu werden, zeigt sich im Geburtenregister in Husum, in dem laut Standesbeamtin Birthe Bohnert seit 1996 lediglich acht Geburten an diesem Tag registriert wurden. Acht Schaltjahr-Kinder in 20 Jahren, das ist wahrlich nicht viel.

Die Frage, ob es auch Heiratswillige gibt, die sich am 29. Februar das Ja-Wort geben und so nur alle vier Jahre ihren Hochzeitstag feiern können (oder müssen), wurde von ihr und den Amtskollegen in Viöl, Eiderstedt sowie Bredstedt verneint. „In diesem Jahr stehen keine Trauungen an“, heißt es aus diesen Standesämtern. Lediglich auf der Insel Pellworm wird es eine Hochzeit geben. Auch im Amt Nordsee-Treene, wo Holger Funk als Standesbeamter tätig ist, will an diesem Montag niemand heiraten. Doch in früheren Schaltjahren war das durchaus schon mal der Fall: „Im Jahr 2000, lange vor der Ämter-Fusion, gab es im damaligen Standesamt Friedrichstadt eine Trauung am 29. Februar.“ Und 2008 hatte er zumindest eine Anfrage für diesen Tag. „Das Paar ließ sich dann in Husum trauen“, sagt er mit leisem Bedauern, denn das wäre auch für ihn ein Ereignis gewesen.

Wissenschaftlich erklärt ist es so, dass das Jahr üblicherweise 365 Tage hat, weil die Erde diese Zeit benötigt, um einmal um die Sonne zu kreisen. Tatsächlich braucht sie dafür aber etwas länger, nämlich exakt 365 Tage, fünf Stunden, 55 Minuten und zwölf Sekunden. Macht summa summarum 365 ¼ Tage pro Jahr. Und so sammelt sich in vier Jahren ein zusätzlicher Tag an. Damit dieser nicht verloren geht, hat das Jahr in schöner Regelmäßigkeit 366 Tage.

Dass ausgerechnet der Februar um einen Tag verlängert wurde, liegt daran, dass der Februarius im römischen Kalender ursprünglich an zwölfter Stelle stand, also am Ende eines Jahres. Und so wurde der sich zusätzlich ergebene Tag dort eingearbeitet.

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