Kommunalwahl im Amt Eiderstedt : Alle hoffen auf das Glasfaser-Netz

Bereits realisiert: Der Rufbus im Mittleren Eiderstedt, er wird von den vier Bürgermeistern sehr gelobt.
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Bereits realisiert: Der Rufbus im Mittleren Eiderstedt, er wird von den vier Bürgermeistern sehr gelobt.

Eiderstedt vor der Kommunalwahl: Die Bürgermeister erläutern die Zukunftsthemen und was gut oder nicht gelungen ist. Diesmal: Vollerwiek, Osterhever, Katharinenheerd und Tetenbüll.

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13. März 2018, 09:00 Uhr

Am 6. Mai sind alle Bürger dazu aufgerufen, bei der Kommunalwahl für die neue Gemeinde- oder Stadtvertretung in ihrer Kommune zu stimmen. Auch im Amt Eiderstedt wird über die Zusammensetzung der Selbstverwaltung entschieden. Was hat sich in den vergangenen Jahren getan? Was können die Dorfchefs vorweisen? Stellen sie sich ein weiteres Mal zur Wahl? Und wo liegen die Schwerpunkte für die Zukunft ihrer Gemeinde? Wir haben die Bürgermeister gefragt. Heute: Teil 2.


Bürgermeister von Vollerwiek hört auf

Nach fünf Jahren als Bürgermeister von Vollerwiek und 20 Jahren in der Gemeindevertretung verabschiedet sich Volker Holdack in den kommunalpolitischen Ruhestand. Der 64-Jährige tritt am 6. Mai nicht wieder an. Um den Gemeinderat ist ihm allerdings nicht bange, es haben sich Kandidaten, auch jüngere, gefunden.

Doch er geht auch mit einem Bedauern, weil die Fusion mit der Gemeinde Welt nicht geklappt hat. Es hätte die Arbeit der Gemeindevertreter um ein Vielfaches erleichtert, ist er überzeugt. Auf Vereinsebene ist man da schon weiter: Die Mitglieder des Bade- und Verkehrsvereins, des Boßel- sowie des Ringreitervereins, der Landjugend und der Feuerwehr kommen aus beiden Dörfern. Und über dieses aktive Vereinsleben ist Volker Holdack wiederum sehr erfreut: „Es bereichert unser Dorf. Zudem wird gute Nachwuchsarbeit geleistet.“

Eine positive Errungenschaft der vergangenen fünf Jahre ist das neue Baugebiet. „Es wäre schön, wenn sich die neuen Bürger in den Vereinen aktiv mit einbringen“, appelliert er an sie. Die Erweiterung des Imbisses an der Badeecke ist eine Bereicherung für den Strand. Außerdem nennt Volker Holdack den Kooperationsraum Mittleres Eiderstedt mit dem Pilotprojekt Rufbus, „das ist gut angelaufen und sollte auf jeden Fall weiter rege genutzt und ausgebaut werden“. In Zukunft weiter vorangetrieben werden müssen der Ausbau des Breitbandnetzes und die Entwicklung des Badestrandes von Vollerwiek. „Auch wenn es durch die Verschlickung nicht einfach wird geeignete Maßnahmen umzusetzen. Da denke ich, ist auch die Politik im Kreis und Bund gefragt, uns dort mehr zu unterstützen“, betont Holdack.


Neue Bauplätze in Osterhever

Angesichts gesunkener Einwohnerzahlen plant Osterhever ein neues Baugebiet. Das ist für Bürgermeister Peter Theodor Hansen eines der positiven Ergebnisse dieser Wahlperiode. Außerdem habe die Gemeinde einem Gewerbebetrieb die Möglichkeit zu einer Erweiterung geben können. Ferner wird der Dorfplatz durch Strom- und Wasseranschluss sowie eine sanitäre Anlage aufgewertet und so den Vereinen und Bewohnern eine einfachere und bessere Nutzung ermöglicht. Im Schulverband Eiderstedt ist die Beförderung der Schüler erheblich verbessert worden, lobt Hansen weiter. Und auch, dass der Kooperationsraum Mittleres Eiderstedt gegründet und damit eine Zusammenarbeit der Kommunen in der Region gestartet worden ist, freut ihn. Ebenso die gut besuchten Einwohnerversammlungen.

„Richtig geärgert hat mich eigentlich nichts“, sagt er, bedauert aber, dass manche behördlichen Antragsverfahren mitunter so lange dauern. Und dass Osterhever keine Gaststätte mehr hat.

Hauptthema für die Zukunft wird der Glasfasernetz-Ausbau sein. „Jedem Bewohner muss die Möglichkeit zum Anschluss gegeben werden.“ Für Osterhever sei es wichtig, eigenständig zu bleiben sowie die Einwohnerzahl und die dörfliche Infrastruktur zu erhalten. Über den Tellerrand geschaut sind die wirtschaftliche Förderung beispielsweise des Tourismuses, des schulischen Angebots und der ärztlichen Versorgung auf dem Land wichtige Aspekte der künftigen Arbeit und natürlich die Zusammenarbeit im Kooperationsraum.

Auch nach 28 Jahren im Gemeinderat hat Peter Theodor Hansen noch nicht genug von der Kommunalpolitik. Der 54-Jährige, der seit fünf Jahren Bürgermeister ist, tritt wieder an. „Kandidaten für die Kommunalwahl zu finden wird zunehmend schwierig“, sagt er. „Allerdings muss man bedenken, dass unser kleines Dorf mit 210 Einwohnern auch drei Listen – CDU, Wählergemeinschaft Osterhever und Wählervereinigung Osterhever, der ich angehöre – aufstellt.“


Glasfaser auch für Katharinenheerd

Mit großem Ärger endet für Dieter Heisterkamp die erste Wahlperiode als Bürgermeister von Katharinenheerd: Es handelt sich dabei um die Folgeschäden und -kosten, die der Gemeinde durch den Ausbau der B 202 entstanden sind. „Wenn die Sperrung der Wege befolgt und die Absperrbaken nicht durch rücksichtslose Autofahrer einfach zur Seite gestellt worden wären, hätten wir nicht Kosten in Höhe von rund 140 000 Euro.“

Positiv war seiner Meinung nach die Zusammenarbeit der Gemeindevertreter und, wenn etwas im Dorf zu erledigen war, wie Bäume entfernen, Spielplatz-Geräte erneuern und einen Unterstand malen. Auch das Engagement von Bürgern beim Laterne laufen, Tannenbaum-Fest am ersten Advent, Boßelball oder Dorffest hat ihn gefreut. Die wichtigsten Themen der Zukunft sind für Dieter Heisterkamp das Glasfaser-Netz, das neue Baugebiet und ein Fahrradweg entlang der Landesstraße nach Tetenbüll. Er will auf jeden Fall weiter mitwirken. Seit 2011 ist der 69-Jährige im Gemeinderat, die ersten zwei Jahre als stellvertretender Bürgermeister. Die Gemeindevertretung ist schon besetzt: „Von unserer Wählergemeinschaft haben sich zehn Kandidaten aufstellen lassen, und sieben Gemeindevertreter brauchen wir. Es war kein Problem diese zusammen zu bekommen.“


Finanzielle Sorgen in Tetenbüll

Für Tetenbülls Bürgermeister Thomas Lorenzen stehen die finanziellen Probleme an erster Stelle auf der Negativseite. Ursache sind die steigenden Amts- und Kreisumlagen und nicht in gleichem Maße steigende Schlüsselzuweisungen und andere Einnahmen. „Damit ist es in einer Flächengemeinde wie Tetenbüll und ihren vielen Straßenkilometern kaum möglich, einen ausgeglichenen Haushalt zu erstellen“, sagt Lorenzen. Er wüsste eine Einnahmequelle: „Der größte Teil der Gemeinde liegt im Vogelschutzgebiet und ist dadurch von der wirtschaftlichen Nutzung dieser Flächen durch Windkraftanlagen ausgeschlossen, dadurch fehlen in großem Maße Einnahmemöglichkeiten. Im Gegenteil, Tetenbüll hält Ausgleichsflächen vor, die an anderen Stellen erst Windparks ermöglichen. Hier fehlt eine vernünftige Form des Ausgleichs.“

Nach fünf Jahren an der Spitze der Gemeinde und sechs Jahren als Gemeindevertreter hat Thomas Lorenzen aber auch Gutes zu berichten. Vorneweg lobt er die Zusammenarbeit mit dem Amt und die des Gemeinderates: „Jeder hat eine Aufgabe übernommen, sonst hätte ich es als Bürgermeister nicht geschafft.“ Auch er steht wie seine Amts-Kollegen voll hinter der Arbeit des Kooperationsraums und dem Rufbus.

Auf Gemeindeebene nennt er an Positivem: eine Tauschhütte, die sehr gut angenommen wird, sowie die Neugestaltung des Spielplatzes. Das Haus Peters sei mit rund 14 000 Besuchern weiterhin ein Publikumsmagnet, koste die Gemeinde allerdings jedes Jahr viel Geld. Die Feuerwehr hat ein neues Mannschaftstransportfahrzeug erhalten, das von Kommunen und Vereinen mitgenutzt werden könne. Die letzten Grundstücke im Baugebiet wurden verkauft, und es laufen die Planungen für ein neues.

Damit Tetenbüll auch in Zukunft attraktiv bleibt, sind der Ausbau des Glasfasernetzes durch den Zweckverband, die Ansiedlung neuer Einwohner und die Sicherung des Schul- und Kindergartenstandortes mit Turnhalle, die Verbesserung der touristischen Präsenz sowie ein Aus- oder Neubau von Radwegen entlang der Kreisstraßen notwendig.

Thomas Lorenzen will im Gemeinderat bleiben, wenn gewünscht auch als Bürgermeister. Nach vielen Gesprächen haben sich mittlerweile auch für alle drei Listen (CDU, Kommunale Wählergemeinschaft Tetenbüll und Grüne) genügend Tetenbüller zur Mitarbeit im Gemeinderat bereit erklärt, wie er berichtet.

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