Nordfriesland : Alarm: Das Land fällt trocken

Einige Priele im Vorland von Westerhever sind von Trockenrissen durchzogen. Auch im Nationalpark steigt die Brandgefahr dieser Tage extrem.
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Einige Priele im Vorland von Westerhever sind von Trockenrissen durchzogen. Auch im Nationalpark steigt die Brandgefahr dieser Tage extrem.

Menschen, Tiere und Pflanzen leiden unter der Affenhitze – und Wasserversorger reglementieren jetzt sogar die Entnahme.

shz.de von
25. Juli 2018, 17:47 Uhr

Die Rekordhitze und ihre Folgen: Wir haben uns umgehört, worauf dieser Tage zu achten ist.


Wassermangel

Der Wasserbeschaffungsverband Eiderstedt schlägt Alarm. Der Verbrauch steige besonders, weil nicht nur Einheimische und Touristen mehr Wasser verbrauchen, sondern weil nun auch die Weidetiere extra versorgt werden müssten. „Auf Weideflächen bedarf es derzeit häufig des Wassertransports zu den Tränkkuhlen.“ Dieses Wasser werde meistens über die an Hydranten montierten Standrohre entnommen. So punktuell könne das den Druck im Netz beeinträchtigen. Es folgt die klare Anweisung: „Aus diesem Grund darf die Entnahme aus Standrohren vorerst nur noch zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens stattfinden“, betont der Wasserbeschaffungsverband. Privathaushalte werden eindringlich gebeten, Geschirrspül- oder Waschmaschinen nur noch nachts laufen zu lassen. Weiter heißt es: „Verzichten Sie bitte auf die Bewässerung von Rasen und das Reinigen von Fensterflächen oder ähnliche Arbeiten.“ Ganz ähnliche Appelle richtete auch der Zweckverband Wasserversorgung Drei Harden in Südtondern an die Bevölkerung.

Trotz solcher Maßnahmen könnten, so der Versorger, „erhebliche Druckschwankungen im westlichen Eiderstedt in den kommenden Tagen nicht vermieden werden“.


Kreislaufprobleme

„Leicht erhöht“ sei in diesen Tagen die Zahl der Patienten, die die Husumer Notaufnahme des Klinikums Nordfriesland aufsuchen. „Aber die Lage ist keineswegs dramatisch“, berichtet Dr. Christian Nottebrock, Chefarzt der Kardiologie der Klinik. Verdachte auf Infarkte hätten abgeklärt werden müssen. Aktuell 20 Neuzugänge in der Notaufnahme seien eher Durchschnitt, erst ab 40 könne es eng werden. Es seien eher jene Patienten zu behandeln, die bereits vorerkrankt seien. Gerade jene sollten lieber daheim bleiben oder sich im Schatten aufhalten und viel trinken.

Brandgefahr

„Wir haben es täglich mit vier bis fünf kleineren Flächenbränden zu tun“, sagt Kreisbrandmeister Christian Albertsen. Besonders häufig käme es vor, dass Autofahrer achtlos Zigarettenkippen aus dem Auto werfen und so einen Seitenstreifen in Brand setzen würden. Die Waldbrandgefahr werde am Montag vorübergehend abnehmen – aber eben nur vorübergehend. „Das ist alles knochentrocken, das wird nicht lange anhalten“, betont Albertsen. Besonders schwierig seien Flächenbrände unter Kontrolle zu bekommen, wenn mooriger oder torfiger Boden vorhanden ist, in dem sich das Feuer lange halten kann. Eine Herausforderung für Albertsen und seine Kollegen sei es in diesen Tagen auch, bei Flächenbränden schnell ausreichend Wasser bereit zu halten. „Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich für die Unterstützung der Landwirte bedanken“, sagt Albertsen. Viele von ihnen haben ihre Güllewagen vorübergehend zu Wassertanks umfunktioniert und können so kurzfristig im Notfall knapp 11 000 Liter Wasser bereitstellen. Albertsen ruft Landwirte dazu auf, im Zweifelsfall mit ihrem Wehrführer Kontakt aufzunehmen und mögliche Unterstützung anzubieten.

Hilfe für Tiere & Pflanzen

Bei der Trockenheit zieht sich nicht nur den Mensch in den Schatten zurück, auch die Tiere suchen Schutz vor der Hitze. Diese Chance haben Bäume und Pflanzen nicht. Erstaunlicherweise wissen sich gerade ältere Bäume oft selbst zu schützen, wie Thomas Leißner vom Kommunalen Servicebetrieb Husum (KSH) erklärt: „Sie behelfen sich – wie wir Menschen – damit, sich zu entblättern“, sagt er und erklärt auch, warum es bei ihnen gar keinen Sinn machen würde, sie zu wässern: „Nichts von dem kühlen Nass käme jetzt dort an, wo es hin müsste – an die Wurzeln nämlich“, sagt er. Der Grund dafür sei, dass gerade bei mehr als 50 Jahre alten Bäumen das Wurzelwerk oft ebenso umfangreich ist wie die Krone. Die Wege dorthin wären viel zu weit.

Allerdings würde sich der Fachmann freuen, wenn die Bürger ein Auge auf neu angepflanzte und junge Bäume sowie auf Blumenbeete haben. Denn die bräuchten unser aller Hilfe. Deshalb fahren die KSH-Mitarbeiter pausenlos mit Wasserwagen durch die Stadt und versorgen nach Plan die Stadtbäume. „Wer uns unterstützen möchte, darf den Bäumen und Beeten in seinem Umfeld gern morgens und abends etwas Wasser zukommen lassen“, sagt Leißner.

Lars Wittmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz Husum bittet darum, auch an die Bewohner der Bäume zu denken – an die Vögel und Insekten, die jetzt verzweifelt auf der Suche nach Wasser sind. „Man kann sehr viel Gutes tun, wenn man ihnen eine Schale mit Wasser hinstellt“, sagt er und empfiehlt, immer einen Stein oder schwimmende Holzreste hineinzulegen, damit die Tierchen sich beim Trinken daran festhalten können. Ob man zufüttern sollte oder nicht, dazu möchte er keine Empfehlung geben, weil das Eine wie das Andere richtig oder auch verkehrt sein kann. „Ich persönlich glaube eher daran, dass sich die meisten Vögel und Insekten diesbezüglich selbst zu helfen wissen“, sagt er.

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