zur Navigation springen

Ess-Störungen im Fokus : Aktionswochen zu einem großen Tabu-Thema

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Diakonische Werk Husum und der Kreis Nordfriesland machen mit einer Ausstellung und Aktionen gegen Ess-Störungen mobil. Das Projekt „NoBody is perfect“ läuft bis Januar 2015 – und beginnt am Montag, 3. November.

von
erstellt am 02.Nov.2014 | 17:00 Uhr

Jedes zweite Mädchen fühlt sich zu dick – fühlt sich weit weg vom Schönheitsideal eines schlanken, trainierten Körpers. Daraus resultiert nicht selten eine Diät. „Das ist oft die Einstiegsdroge in süchtiges Hungern oder Essen“, weiß Gertrud Wiedenmann. Die Sozialpädagogin ist als Suchtberaterin für das Diakonische Werk Husum tätig. Dort nahm die Zahl der Rat- und Hilfesuchenden in den zurückliegenden Monaten dramatisch zu. „Immer jüngere Patienten mit immer schwereren Erkrankungen werden bekannt“, sagt Gertrud Wiedenmann, die mit Dr. Susanne Ehlert vom Gesundheitsamt des Kreises Nordfriesland die Aktionswochen „NoBody is perfect“ organisiert hat. Mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen in Husum wollen die Initiatoren auf Gefahren und Risiken von Essstörungen hinweisen und zugleich präventiv tätig werden.

Die Zahlen sind erschreckend: Nach einer Erhebung des Hamburger Robert-Koch-Instituts gibt es allein in Nordfriesland derzeit 1.000 essgestörte Mädchen und 400 Jungen. Bereits jedes dritte Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren zeigt Anzeichen von essgestörtem Verhalten. Die Kaufmännische Krankenkasse hat in diesem Jahr sogar eine Zunahme um 20 Prozent an stationären Behandlungen bei Essstörungen festgestellt. Und was kaum jemand weiß: Magersucht gilt als die häufigste Todesursache bei Mädchen und jungen Frauen von 15 bis 24 Jahren.

Essstörungen sind jedoch ein Tabu-Thema in der Gesellschaft. „Sie sollen möglichst nicht an die Öffentlichkeit kommen“, hat Volker Schümann festgestellt. Der Geschäftsführer des Diakonischen Werks Husum berichtet von Eltern, die die Essstörungen ihrer Kinder bagatellisieren und von sich weisen. Nicht selten würden Lehrer die Suchtberatung über einen Handlungsbedarf informieren – ein Schritt, der nicht immer die uneingeschränkte Zustimmung bei den Erziehungsberechtigten findet. „Wir benötigen ein intaktes Netzwerk der Hilfsangebote“, betont Gertrud Wiedenmann. Die Therapeutin ist 17 Stunden pro Woche in der Suchtberatung zwischen dänischer Grenze und Eider tätig. „Der Bedarf ist wesentlich höher. Es gibt einen eklatanten Mangel an ambulanten Hilfen“, weiß Dieter Pelties vom Diakonischen Werk. Gemeinsam mit seinem Geschäftsführer ist er deshalb unermüdlich im Einsatz finanzielle Mittel einzuwerben. „Man hört uns zwar überall gern zu, hat aber nicht immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen“, bedauert Schümann.

Diakonisches Werk und Gesundheitsamt holten sich mehrere Projektpartner mit ins Boot, um ebenso abwechslungsreiche wie informative Aktionen gegen Essstörungen anzubieten. In der Zeit vom 3. November bis Ende Januar 2015 werden verschiedene Programmpunkte angeboten. Besonders stolz sind die Initiatoren darauf, die Ausstellung „Der Klang meines Körpers“ der Werkstatt „Lebenshunger Köln“ nach Nordfriesland geholt zu haben. Dieses interaktive Projekt richtet sich als geschlossene Veranstaltung insbesondere an Schulklassen – wird aber am 6. November von 17.30 Uhr an in der Familienbildungsstätte des Diakonischen Werkes Husum, Woldsenstraße 45-47, auch der breiten Öffentlichkeit präsentiert. Literarische Lesungen zum Thema Essstörungen gibt es am 11. November von 19 Uhr an im Diakonischen Werk Husum, und am 12. November wird der Film „Die dünnen Mädchen“ von Maria Theresa Camoglio im Kinocenter Husum um 16 und 20 Uhr gezeigt. Am 13. November hält der therapeutische Leiter der Fachkliniken Nordfriesland, Ralf Tönnies, am Husumer Hermann-Tast-Gymnasium einen Vortrag mit dem Titel „Warum es gut ist, Fünfen zu schreiben“. Beginn: 19.30 Uhr. Parallel zu den Aktionswochen wird in der Stadtbibliothek Husum eine Bücherecke zum Thema „Ess-Störungen und Schönheitsideale“ aufgebaut sein. Den Abschluss bildet ein Kunstprojekt dreier Husumer Schulen, das vom 7. Dezember bis Ende Januar 2015 im Husumer Rathaus gezeigt wird.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen