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Sozialverband Husum : Aktionstag: Behinderten-Parkplätze respektieren

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Sozialverband Deutschland in Husum veranstaltet einen landesweiten Aktionstag. Es geht um Parkplätze für Menschen mit Behinderungen.

Husum | Wenn in den 1980er-Jahren Autofahrer in Großstädten auf Fahrradwegen parkten, weil sie „nur mal eben etwas abholen wollten“ und behaupteten, gleich wieder da zu sein, dann fanden sie nach ihrer Rückkehr mitunter eine Rote Karte hinter dem Scheibenwischer. Darauf stand: „Parke nicht auf unseren Wegen!“. Doch was ein genervter Radfahrer am Ende einfach umkurvt, stellt für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zuweilen eine echte Herausforderung dar.

Dennoch kommt es immer wieder vor, dass Behindertenparkplätze auch von Verkehrsteilnehmern ohne Berechtigung besetzt werden. „Und dabei handelt es sich durchaus nicht nur um Menschen ohne Mobilitätseinschränkungen“, weiß der Vorsitzende des Sozialverbandes Deutschland (SoVD) in Husum. Selbst Personen mit Behinderungen gingen oft fälschlicherweise davon aus, „dass es ausreicht, ihren Ausweis hinter die Windschutzscheibe zu klemmen. Aber wir leben in Deutschland“, sagt Hans Böttcher schmunzelnd und meint damit, „dass die Sache leider etwas komplizierter ist.“ Deshalb musste er sich auch nicht überreden lassen, aktiv an einem landesweiten Aktionstag des SoVD zum Thema „Sie haben meinen Parkplatz – Wollen Sie auch meine Behinderung?“ mitzuwirken. „Wir wollen niemanden belehren“, macht Böttcher deutlich, „sondern allenfalls aufklären und für die Belange von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sensibilisieren“.

Dass oft nicht einmal die Betroffenen selbst wissen, wo sie unter welchen Umständen parken dürfen, wundert den SoVD-Vorsitzenden nicht: „Das Ganze ist tatsächlich recht unübersichtlich“, sagt er. Vergleichsweise klar sei die Sache noch bei Parkplätzen, die ein entsprechendes Hinweisschild mit Rollstuhl-Symbol aufwiesen – zumindest, soweit die Nutzer wüssten, dass ein Behindertenausweis auch hier nicht ausreicht. „Für diese Stellplätze ist ein gesonderter blauer Parkausweis erforderlich“, sagt Böttcher. Nur er berechtigt Personen mit „einer amtlich anerkannten außergewöhnlichen Gehbehinderung“, aber auch Blinde oder Menschen mit beidseitiger Amelie (Fehlbildung der Gliedmaßen) beziehungsweise Phokomelie (Menschen mit Händen und/oder Füßen direkt am Körper), zur Benutzung. Letztgenannte können unabhängig davon einen Zusatzausweis beantragen, der ihnen ermöglicht, ohne zeitliche Begrenzung auch im eingeschränkten Haltverbot oder auf Bewohner-Parkplätzen zu parken.

„Aber ohne Ausweis geht gar nichts“, sagt Böttcher achselzuckend. Und selbst der Besitz eines solchen Papiers schützt nicht vor Fehleinschätzungen, „denn es muss auch das richtige sein.“ Wer zum Beispiel „nur“ einen roten oder gelben Parkausweis besitzt, für den sind die oben genannten Parkflächen – Behinderung hin, Behinderung her – tabu. Bei einer solchen Vielzahl von regelungen verlieren nicht nur Menschen mit Behinderung schon mal den Überblick: „Auch für Nicht-Behinderte ist es – jedenfalls auf den ersten Blick – nicht leicht zu verstehen, dass Autos, die auf Behindertenparkplätzen stehen, unversehens gesunde Menschen entsteigen. Die Antwort folgt oft auf dem Fuß: „Der Berechtigte selbst kann nämlich nicht fahren. Er ist blind und sitzt hinten“, erklärt Böttcher. Und manch einer vergisst leider auch schnell, dass Parkplätze von Supermärkten und Discountern ebenfalls der Straßenverkehrsordnung unterliegen.

Um all das und noch viel mehr geht es am Freitag, 29. August, von 11.30 bis 14 Uhr beim Aktionstag des SoVD in der Großstraße. Und um die Bedeutung des Themas zu unterstreichen, wird dazu auch der Landesvorsitzende Sven Picker erwartet. Übrigens: Behinderten-Parkplätze zu respektieren heißt auch den Geldbeutel schonen, denn falsch parken kann teuer werden. Laut Bußgeldkatalog werden da schnell mal 35 Euro fällig – von möglichen Abschleppkosten gar nicht zu reden.

Zur besseren Vorbereitung des Aktionstages bittet der SoVD Bürger mit oder ohne Behinderung um Unterstützung. Berichte, Fragen, Anregungen, Kritik und Wünsche nimmt Hans Böttcher unter Telefon 04841/4005, Fax 4399 oder hans.boettcher@husum.de entgegen. Folgende Fragen sind besonders von Interesse: Wie weisen Sie Falschparker auf die Sonderparkplätze hin? Wie reagieren sie darauf? Und wo fehlen in Husum gekennzeichnete Parkplätze für Menschen mit Behinderung?

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erstellt am 22.Aug.2014 | 15:00 Uhr

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